"Es sind einfach Jugendliche, die genau wie wir gerne Fußball oder Uno spielen, Musik hören oder auf YouTube Videos anschauen - bloß in einer anderen Sprache, und mit einer anderen Geschichte…"

So lautete das Fazit der Teilnehmer des KJW-Jugendtreffens, das von 30.10.-1.11. stattgefunden hat. 17 Jugendliche und junge Erwachsene aus Graz, Wien und Linz sind dazu in die EmK Linz gekommen, um gute Gemeinschaft zu haben und mit einander zu Singen, zu spielen und sich mit dem aktuellen Thema "Flucht" auseinanderzusetzen. Am Freitagabend standen einige Fragen im Raum - unter anderem die Frage: wie oft hast du schon mit Flüchtlingen zu tun gehabt. Manche konnten von neuen SchulkollegInnen berichten oder hatten berufsbedingt Erfahrungen - für andere war das Wort "Flüchtling" noch eher eine Chiffre, die man ständig hört und liest, aber noch nicht mit Gesichtern und Lebensgeschichten verbinden konnte.

Dies sollte sich am Samstag ändern: Am Vormittag gab es zunächst eine Bibelarbeit über die Fluchterfahrungen des Volkes Israel (4. Mose 20-24) und eine offene Gesprächsrunde. Der Nachmittag stand dann im Zeichen der Begegnung mit 6 jungen Burschen aus Afghanistan, die derzeit in der Wohngemeinschaft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Diakonie Zentrum Spattstrasse leben. Die anfängliche Unsicherheit war trotz Sprachbarrieren schnell überwunden: die Namen waren rasch gelernt, und viel mehr braucht es auch gar nicht, um miteinander Fußball oder Kubb zu spielen. Und spätestens beim gemeinsamen Abendessen mit österreichischen Spießen und afghanischem Grillhendl war die Gruppe zu einer fröhlichen Gemeinschaft zusammengewachsen.

Einer der Teilnehmenden führte der Gottesdienstgemeinde am Sonntag anschaulich vor Augen, was wir erlebt hatten: er zückte einen 20-Euro-Schein, und fragte, wer ihn haben will. Als einige Hände in die Höhe gingen, fing er an den Papierschein erst zu zerknüllen, dann auf den Boden zu werfen und schließlich noch darauf zu treten, und fragte weiterhin, wer den Schein noch will. Natürlich gingen immer noch Hände in die Höhe. "Der Wert ändert sich nicht - auch wenn man den Geldschein schlecht behandelt.", so sein Statement dazu. "Und so ist es auch mit den Menschen. Auch wenn sie ihre Heimat verloren und traumatisches erlebt haben, und auch wenn sie mit Begriffen wie Wirtschaftsflüchtlinge, Asylanten oder sonst etwas bezeichnet werden. Ihr Wert ändert sich nicht. Und uns allen werden nun - wenn wir das Wort "Flüchtling" hören - Gesichter und Namen einfallen, die wir kennen gelernt haben, und mit denen wir jetzt auch z.T. auf Facebook befreundet sind."