Methodistenkirche weltweit vor Entscheidungen zum Umgang mit unterschiedlicher Bewertung der Homosexualität

Das höchste gesetzgebende Gremium der Evangelisch-methodistischen Kirche (United Methodist Church), die Generalkonferenz, tagt vom 23.-26. Februar 2019 mit rund 850 Delegierten aus der ganzen Welt in St. Louis (USA). Die Beratungen fokussieren auf den Umgang mit unterschiedlichen Einschätzungen der Homosexualität.

Ausserordentliche Generalkonferenz
Üblicherweise treffen sich die Delegierten der Generalkonferenz alle vier Jahre, um gemeinsam in einem demokratischen Prozess Änderungen des „Book of Disziplin“ (also der Kirchenordnung, zu der auch die Kirchenverfassung und die Sozialen Grundsätze gehören) zu beraten und zu beschließen. Abgesehen von bestimmten Ausnahmen sind diese Beschlüsse für alle Gemeinden der UMC (EmK) weltweit verbindlich – für Methodist*innen im Kongo ebenso wie für Methodist*innen in den USA oder in Österreich.

Seit mehreren Jahrzehnten ringen die Delegierten der weltweiten Methodistenkirche mit der Fragen, ob Segenshandlungen bzw. Trauungen für gleichgeschlechtliche Paare vorgenommen werden dürfen, und ob offen homosexuell lebende Männer oder Frauen zu Pastor*innen der EmK ordiniert werden dürfen. Bisher hat sich stets eine (in der Regel knappe) Mehrheit gegen eine Öffnung der Kirche in Richtung Ehe für alle bzw. Ordination Homosexueller ausgesprochen. Viele Methodist*innen sehen darin jedoch eine Diskriminierung Homosexueller und ein Hindernis im Dienst für alle und mit allen Menschen, und plädieren für eine Öffnung. Sowohl kontextuelle Unterschiede (ist Homosexualität im Herkunftsland der Delegierten verpönt oder akzeptiert?) wie die theologische Grundhaltung (v.a. im Blick auf das Bibelverständnis) spielen in der Beurteilung dieser Fragen eine prägende Rolle.

Um einen gemeinsamen Weg für die Zukunft der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche auch in diesen Fragen zu ermöglichen, hat der Bischofsrat eine außerordentliche Generalkonferenz im Februar 2019 angesetzt. In der dafür erarbeiteten Beschlussvorlage sind drei Modelle beschrieben, wie ein solcher Weg aussehen kann. Einer dieser Wege, der „One Church Plan“, wird vom Bischofsrat mehrheitlich empfohlen.

Harald Rückert, Bischof der EmK Deutschland, hat diese Modelle knapp und treffend beschrieben.

„Der sogenannte »Traditionalist Plan« 
Viele meinen, mit der Entscheidung für dieses Modell bleibe alles, wie es bisher war. Das ist ein Missverständnis. Richtig ist vielmehr: Im Kern zielt dieses Modell auf eine harte und konsequente Umsetzung der Kirchenordnung bei allen Fragen rund um Homosexualität. An der »traditionellen Sichtweise« der bisherigen Kirchenordnung wird nicht nur festgehalten, sondern es werden noch zahlreiche weitere Paragraphen hinzugefügt. Dabei geht es um sehr detaillierte Vorgaben zur Ahndung von Vergehen. Es werden konkrete Verpflichtungserklärungen abverlangt, disziplinarische Maßnahmen einschließlich Kirchengerichtsverfahren bei Verstößen werden exakt beschrieben, und es werden Regelungen formuliert, wie diejenigen die Kirche verlassen können, die diese Verschärfungen nicht billigen. Alle Personen im ordinierten pastoralen und bischöflichen Dienst sowie alle Jährlichen Konferenzen, die sich auf diese erweiterte und verschärfte Ordnung nicht schriftlich verpflichten lassen, müssen bis Ende des Jahres 2020 die Evangelisch-methodistische Kirche verlassen. Danach dürfen sie den Kirchennamen nicht mehr verwenden.

Der sogenannte »One Church Plan«
Viele meinen, mit der Entscheidung für dieses vom Bischofsrat empfohlene Modell werde künftig alles ausdrücklich erlaubt. Die Segnung homosexueller Lebensgemeinschaften und die Ordination homosexueller Menschen werde dann zum neuen und für alle verpflichtenden Standard in der Praxis der Kirche. Das ist ein Missverständnis. Richtig ist vielmehr: Aus der bisherigen Kirchenordnung sollen die wenigen Formulierungen gestrichen werden, die praktizierte Homosexualität ausdrücklich verurteilen und in denen die disziplinarischen Maßnahmen beschrieben sind, wenn eine Pastorin oder ein Pastor dagegen verstößt. Einige Abschnitte werden eingefügt, die ausdrücklich sicherstellen, dass niemand im ordinierten pastoralen und bischöflichen Dienst dazu gedrängt werden darf, gegen die eigene Überzeugung zu handeln. Niemand muss seine eigene Überzeugung in diesen Fragen ändern, um zur Evangelisch-methodistischen Kirche gehören zu können. In unserer Kirche sollen Menschen mit »traditioneller Sichtweise « und solche mit einer »anderen Sicht« gleichberechtigt ihren Platz haben. Abstimmungen der Jährlichen Konferenzen können erfolgen, müssen aber nicht.

Der sogenannte »Connectional Conferences Plan«
Dieses Modell sieht vor, dass sich in den USA drei methodistische Konferenzen formieren, die nicht mehr geographisch orientiert sind. Das wesentliche Kriterium dieser Neuformierung ist die Haltung zum Thema Homosexualität. Dieses Modell würde zu je einer Konferenz mit konservativer und mit liberaler Ausrichtung sowie zu einer beide Ausrichtungen verbindenden Konferenz führen. Jede dieser Konferenzen kann sich weitgehend eigene Ordnungen geben, inhaltliche Schwerpunkte setzen und ist finanziell eigenverantwortlich. Diese eigenständigen Konferenzen arbeiten unter einem gemeinsamen Dach, das sich »Evangelisch-methodistische Kirche« nennt. Dabei können in gewissen Bereichen gemeinsame Ressourcen genutzt werden. Außerhalb den USA können sich Jährliche Konferenzen und Zentralkonferenzen einer dieser Konferenzen in den USA anschließen. Die mit diesem Modell verbundenen strukturellen Herausforderungen sind zahlreich, kompliziert und sehr langwierig. Wie soll das Eigentum aufgeteilt werden? und Wie werden die Pensionsrücklagen verrechnet? sind nur einige der dann zu klärenden Fragen. Die daraus folgenden Klärungsprozesse werden alle Ebenen von der Generalkonferenz bis »hinunter« in Bezirke und Gemeinden betreffen. Dieses Modell enthält zudem zahlreiche Änderungen der Verfassung, über die nach der Generalkonferenz weltweit alle Mitglieder aller Jährlichen Konferenzen abstimmen müssen."

Die Bischöfe haben kein Stimmrecht
Was viele gar nicht wissen: Bischöfinnen und Bischöfe haben bei Generalkonferenzen kein Rederecht und sie dürfen auch nicht abstimmen. Sie sollen die Kirche durch die Autorität des verkündigten Wortes leiten.

Diese drei Modelle (aufgeteilt in 48 Anträge) sowie weitere Anträge von Einzelpersonen liegen den Delegierten der außerordentlichen Generalkonferenz im Februar zur Beratung und Beschlussfassung vor. Die Generalkonferenz muss aus all diesen Petitionen auswählen, kann sie kombinieren oder ganz neue Lösungen entwickeln. Deshalb kann niemand im Vorfeld sagen, ob einer der drei Pläne der Kommission oder eine ganz andere Lösung die Mehrheit der Delegierten findet. Dazu kommt, dass der Rechtsrat der EmK die Pläne bereits vorab überprüft hat, und dabei v.a. beim Traditionalist Plan mehrere Widersprüche mit der Verfassung der EmK festgestellt hat, die durch entsprechende Abänderungen repariert werden müssten.

Wie wirken sich die Entscheidungen der Generalkonferenz auf die EmK in Österreich aus?
Die Antwort ist nicht einfach, denn es hängt ganz davon ab, was die Generalkonferenz entscheidet, inhaltlich – aber auch strukturell. Wenn es Verfassungsänderungen gibt, müssen zunächst alle Jährlichen Konferenzen weltweit darüber abstimmen. Wenn den Zentralkonferenzen (wie in anderen Fragen) ein Adaptionsrecht eingeräumt wird, wird unsere Zentralkonferenz in Mittel- und Südeuropa einen gemeinsamen Weg finden müssen. Und wenn eine vorbehaltslose Zustimmung zu den Entscheidungen der Generalkonferenz nötig ist (wie es der Traditionalist Plan vorsieht), dann wird sich die Jährliche Konferenz Österreich damit auseinander setzen müssen. Mehr Klarheit über diese Fragen gibt es allerdings erst nach der Generalkonferenz. Die Delegierten aus Österreich, Helene Bindl und Superintendent Stefan Schröckenfuchs, werden zeitnah danach über die Entscheidungen informieren.

 

Quellen:
Dr. Patrick Streiff, Bischof für Mittel- und Südeuropa; Harald Rückert, Bischof für Deutschland; Stefan Schröckenfuchs, Superintendent EmK Österreich 

Bild: http://www.umcom.org