Die Methodist/innen in Grossbritannien haben auf ihrer Jährlichen Konferenz (Synode), die vom 27. Juni bis 4. Juli in Birmingham tagte, in einer ausführlichen Debatte über das Verständnis von Ehe und Partnerschaften gesprochen. Im Zentrum der Gespräche stand der Vorschlag, auch die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare durch methodistische Amtsträger und in den Räumen der Methodistenkirche zu erlauben.

Die Methodistenkirche in Grossbritannien, die viertgrösste Denomination des Landes, hat sich bereits in einem längeren Prozess mit den Fragen des Eheverständnisses auseinandergesetzt. Eine erste Grundsatzdiskussion zu Homosexualität und Ehe fand in der britischen Methodistenkirche 1993 statt. Man hielt damals am traditionellen Eheverständnis fest. 2014 wurde die Ehe für alle staatlich eingeführt. Methodistischen Pfarrpersonen war es aber nicht erlaubt, gleichgeschlechtliche Eheschliessungen zu vollziehen. Der diesjährigen Konferenz lag nun ein ausführlicher Bericht der Arbeitsgruppe «Ehe und Beziehungen» unter dem Titel «God in Love Unites Us» (Gott eint uns in Liebe) vor. Darin werden verschiedene Aspekte verbindlicher Partnerschaft und Ehe – und auch deren Scheitern angesprochen. Biblisch-theologische Grundlegung und gesellschaftliche Veränderungen legt die Arbeitsgruppe in ihrem Bericht dar und leitet daraus Folgerungen für die Praxis der Kirche ab. «Mit diesem theologisch fundierten Bericht ist es der britischen Methodistenkirche gelungen, das Thema der Homosexualität im Gesamtkontext der Frage nach verantwortlich gelebter Sexualität zu behandeln», sagt Patrick Streiff, Bischof der Schweizer Methodist/innen, der als Vertreter der United Methodist Church (UMC) an der Tagung teilnahm. «In der UMC habe ich eine solche grundlegende Studie immer vermisst.»

Sorgfältig geführte Gespräche

Am intensivsten wurde an der Konferenz über die Ausweitung des Ehebegriffs auf gleichgeschlechtliche Partnerschaften diskutiert. Die Debatte wurde von Personen unterschiedlichster Überzeugungen und kultureller Herkunft rege genutzt, verlief aber sehr wertschätzend. Gerade von evangelikaler Seite wurde betont, dass es unter ihnen auch unterschiedliche Meinungen gebe. Zwei Vertreter der unterschiedlicher Positionen machten gemeinsam ergänzende Vorschläge, um die traditionellen (Minderheits-)Überzeugungen auch in Zukunft respektvoll zu schützen. Pfarrerin Dr. Barbara Glasson, Präsidentin der Konferenz, die den Vorsitz bei den Verhandlungen führte, sagte: «Die Debatte war erfüllt von Gnade und durch vom Gebet geprägtes Nachdenken. Viele persönliche, oft schmerzhafte Geschichten wurden geteilt, und die Äusserungen wurden mit grosser Achtsamkeit und Aufmerksamkeit verfolgt.»

Mit einer deutlichen Mehrheit von 247 zu 48 Stimmen nahmen die Delegierten die Vorschläge der Arbeitsgruppe an. Damit gehen die Entscheidungen der Konferenz nun in eine Konsultationsphase in den «Distriktssynoden». Von dort können Vorschläge an die nächste Jährliche Konferenz gerichtet werden, die dann abschliessend die neuen kirchenrechtlichen Texte beschliessen und zur Einführung freigeben wird. «Mein Gebet ist, dass sich der Geist der Grosszügigkeit und Liebe, der sich heute gezeigt hat, in der Diskussion der Vorschläge in der ganzen Kirche widerspiegeln wird», sagte Barbara Glasson im Blick auf diesen weiteren Gesprächsprozess.

Eheverständnis wird grundlegend verändert

Kritisch mit den Vorschlägen der Arbeitsgruppe hatte sich die konservative Vereinigung «Methodists Evangelicals Together» auseinandergesetzt. In einem eigenen Positionspapier heisst es, der Bericht stelle einen Wendepunkt im Leben der methodistischen Kirche in Grossbritannien dar. «Wenn seine Beschlüsse gefasst werden, wird sich das Verständnis der methodistischen Kirche von Ehe und Beziehungen grundlegend ändern.» Die Kirche sei aufgerufen, «der biblischen Lehre über die Sexualität treu zu bleiben», wohingegen die im Bericht vorgeschlagenen Änderungen die Sichtweise der Kirche grundlegend veränderten. Nach der Entscheidung der Konferenz sagte David Hull, der Vorsitzender der Vereinigung, gegenüber dem evangelikalen Magazin «Premier.», dass er es für einen falschen Weg halte, die Kirche zu verlassen: «Ich fordere die Menschen auf zu bleiben.» Spaltung im Leib Christi sei nicht der Weg. Aber wichtig sei, «dass wir fest auf dem Fundament der biblischen Lehre stehen.»

Kirchgemeinden sollen entscheiden können

Dignity & Worth, eine Vereinigung, die sich innerhalb der methodistischen Kirche für LGBTQI+-Personen einsetzt, hat Vorschläge unterstützt, die es einzelnen methodistischen Gemeinschaften ermöglichen würden, zu entscheiden, ob bei ihnen gleichgeschlechtliche Beziehungen erlaubt sind oder nicht. Zwar sei es verständlich, dass einige wünschten, die Kirche würde sich vollständig und unmissverständlich für die Möglichkeit gleichgeschlechtlicher Partnerschaften aussprechen, heisst es in einem Blogeintrag der Bewegung, aber «eine solche Position würde eine beträchtliche Anzahl Personen unseren Kirchen entfremden und wäre in Wirklichkeit unaufrichtig: Wir sind eine vielfältige Kirche und müssen uns mit dieser Realität besser vertraut machen.» Zahlreiche weitere Reaktionen finden sich auf twitter unter #methodistconf.

S.F.
Quellen: Bischof Patrick Streiff, The Methodist Church, Premier, Dignity and Worth, met
Beitragsbild: Alex Baker, The Methodist Church