Bild einer Ordinationsfeier in Varna (Bulgarien). Wie werden die internationalen Beziehungen der EMK in Bulgarien künftig aussehen?

Gegenwärtig sind in Bulgarien Änderungen des Religionsgesetzes im politischen Gespräch, die grosse personelle und finanzielle Einschränkungen für die Evangelisch-methodistische Kirche mit sich bringen könnten.

Änderungen des bulgarischen Religionsgesetzes, die derzeit von einer parlamentarischen Kommission diskutiert werden, könnten unter anderem auch für die EMK in Bulgarien einschneidende Folgen haben. Es geht einerseits darum, ob die Kirche weiterhin Hilfe aus dem Ausland empfangen dürfte. Andererseits würde die Regierung auch in der Frage eingeschränkt, wen sie zum Dienst als Pastorin oder als Pastor zulassen könnte. Diese Änderungsvorschläge sind zwar noch nicht dem gesamten Parlament vorgelegt worden, aber gemäss Daniel Topalski, Superintendent der EMK in Bulgarien und in Rumänien, gibt es Befürchtungen, dass sie tatsächlich Teil des Gesetzestextes werden könnten. «Wir sind ein Land vieler Wunder und Überraschungen», sagte Topalski. «Aber diese nationalistischen Trends sind überall in Europa anzutreffen. Wir sind keine Ausnahme.»

Das bulgarische Religionsgesetz war nach dem Fall des Kommunismus eigentlich erarbeitet worden, um religiöse Freiheit zu garantieren. Die nun vorgeschlagenen Änderungen hätten jedoch einen geradezu gegenteiligen Effekt. So würden sie der zuständigen Religionsbehörde eine umfassende Kontrolle über Spenden, Zulassung religiöser Institutionen und Ausbildung ermöglichen. Was dazu dienen sollte, Einflüsse muslimischer Extremisten aus dem Ausland einzudämmen, könnte nun dazu führen, dass nicht nur das ursprüngliche Ziel verfehlt, sondern dass stattdessen vielmehr Zeugnis und Dienst der meisten christlichen Kirchen massiv eigeschränkt werden könnten.

Auf die Frage nach konkreten Auswirkungen für die EMK benannte Superintendent Daniel Topalski die folgenden Punkte:

- Die EMK-Gemeinden in den 16 zur Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa gehörenden Ländern leben eine eindrückliche finanzielle Solidarität. Die Änderungen würden eine solche Unterstützung aus dem Ausland nicht mehr erlauben.
- Die EMK in Bulgarien hat gegenwärtig 18 (Lokal-)Pastorinnen und Pastoren, die in 27 Gemeinden tätig sind. Nur Pastorinnen und Pastoren, die in (derzeit ausschliesslich orthodoxen) theologischen Einrichtungen in Bulgarien ausgebildet wurden, dürften ihren Dienst weiterführen. Drei methodistischen Pastoren, die ihre Ausbildung im Ausland absolviert haben (z.B. im Studienprogramm Graz-Waiern in Österreich), könnte ihre weitere Tätigkeit verwehrt werden.
- Partnerschaften mit Gemeinden im Ausland würden die Zustimmung der Regierung bedürfen. Dies gilt auch für gemeinsame Veranstaltungen wie Kinder-Bibelfreizeiten.
- Patrick Streiff, der Bischof der Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa, würde eine Regierungserlaubnis benötigen, um von einer bulgarischen Kanzel sprechen zu dürfen – wie jede Pfarrperson aus dem Ausland. Ausländischen religiösen Leitungspersonen die Redefreiheit zu verwehren, war gelebte Praxis zur Zeit des Kommunismus.
- Die Bulgarisch-Orthodoxe Kirche finanziert die Gehälter ihrer Angestellten derzeit selbst, und die einzige Moschee des Landes wird von der benachbarten türkischen Regierung finanziert. Die derzeit diskutierten Vorschläge hätten zur Folge, dass jede Glaubensgemeinschaft, deren Mitgliederzahl 1% der bulgarischen Bevölkerung übersteigt, ihre Gehaltskosten durch den bulgarischen Staat finanziert erhielte. Mitglieder protestantischer oder katholischer Kirchen sowie Mitglieder anderer Religionsgemeinschaften würden also mit ihren Steuern die Gehälter orthodoxer und muslimischer Geistlicher bezahlen. Ihre eigene Glaubensgemeinschaft hingegen ginge leer aus. Dass in Bulgarien jemand, der sich als Christ bezeichnet, oft pauschal als orthodox betrachtet wird, kommt in dieser Hinsicht noch erschwerend hinzu.

Weil es nicht möglich ist, in jedem europäischen Land eine eigene theologische Ausbildungsstätte der EMK zu betreiben, wurde die Methodist e-Academy aufgebaut. Diese ermöglicht Pastorinnen und Pastoren ein spezifisch methodistisches Online-Studium. Gemäss David Field, Koordinator dieser Einrichtung, können Studierende in ihren jeweiligen Heimatländern ein theologisches Studium absolvieren und dann durch die Methodist e-Academy eine Zusatzausbildung durch methodistische Lehrpersonen erhalten. Bisher hätten fünf Bulgaren diese Ausbildung absolviert, weitere drei Personen wären Teil des aktuellen Studiengangs. Es wird befürchtet, dass auch diese Ausbildung als «international» und somit als «nicht opportun» klassifiziert werden könnte, da deren Finanzierung hauptsächlich durch Zuschüsse aus Europa und den USA gesichert würde. «Die Regierung würde zwar auch künftig keine Pastorinnen und Pastoren lizenzieren», so Superintendent Topalski, «im Endeffekt käme es aber auf dasselbe heraus.»

Die Bulgarische Evangelische Allianz, zu der neben der EMK elf weitere protestantische Denominationen gehören – hat in einer detaillierten Botschaft ans Parlament darauf hingewiesen, die Gesetzesänderungen verletzten die nationale Verfassung, welche Religionsfreiheit garantiert. Pastor Rumen Bordzhiev, Leiter der Allianz, schrieb: «Es ist undenkbar, dass unsere offiziell registrierten Kirchen von der europäischen und der weltweiten Familie getrennt werden, zu der sie gehören.»

Bischof Patrick Streiff erwähnte, dass dieser Gesetzesentwurf auch an der Vollversammlung der Konferenz Europäischer Kirchen in Novi Sad (Serbien) zum Thema wurde – und dort auch weiterhin Thema bleiben würde. Denn dass Bemühungen um eine Eindämmung des Einflusses muslimischer Extremisten aus dem Ausland zu einer Einschränkung der Religionsfreiheit führten, unter der plötzlich auch christliche Kirchen leiden könnten, sei kein bulgarischer Einzelfall.

«Wir sehen in diesem Vorschlag einen Versuch, die enge Verbindung zwischen der EMK in Bulgarien und der weltweiten methodistischen Familie zu trennen», so Superintendent Topalski. «Wir sind hier aber nur eine kleine religiöse Minderheit. Es ist deshalb wichtig, dass wir Teil einer grösseren Kirchenfamilie sind – nicht nur bezüglich der Finanzen. Alle Verbindungen sind elementar wichtig für unseren Dienst und für unser Überleben.»

Quelle: Ginny Whitehouse / United Methodist News Service / Sekretariat des Bischofs Patrick Streiff, Zürich