Ist es möglich, in einer Kirche miteinander verbunden zu bleiben trotz unterschiedlicher Einschätzung von praktizierter Homosexualität? Eine Studiengruppe der Methodist/innen in Mittel- und Südeuropa sucht Wege – und stellt sich der Frage, wie stark der Wille zur Gemeinsamkeit ist.

Ende Februar hat das höchste legislative Gremium der weltweiten United Methodist Church, die Generalkonferenz, entschieden, in der Beurteilung von praktizierter Homosexualität die traditionelle negative Bewertung beizubehalten und die Umsetzung dieser Überzeugung im kirchlichen Handeln durch Sanktionen sicherzustellen («Traditional Plan»). Diese Entscheidung hatte weltweit zu sehr unterschiedlichen Reaktionen und tiefgreifenden Spannungen unter den Methodist/innen geführt.

Was machen die europäischen Methodisten?

Auch im Bischofsgebiet von Bischof Patrick Streiff, zu dem neben der Schweiz 15 weitere Länder gehören (Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa), herrschen sehr unterschiedliche Überzeugungen, sowohl im Blick auf treu gelebte Partnerschaften zwischen zwei Personen des gleichen Geschlechts als auch beim Verbot für einen kirchlichen Dienst solcher Personen. Das zeigte sich bei einer Tagung verantwortlicher Personen Anfang März. Aus diesem Grund wurde eine Studiengruppe eingesetzt, die Szenarien erarbeiten und evaluieren soll, wie die Evangelisch-methodistische Kirche in den verschiedenen Ländern des Bischofsgebiets vereinigt und/oder so eng wie möglich verbunden bleiben kann. In einem ersten Online-Meeting Ende Juni berichteten die Mitglieder der Studiengruppe einander von den Prozessen und Gesprächen an ihren Jährlichen Konferenzen (Synoden). Bischof Streiff orientierte darüber, wie die Entscheidungen weltweit und in anderen europäischen Ländern innerhalb der United Methodist Church aufgenommen wurden und welche Entwicklungen sich abzeichneten.

Keine eigenständige Zentralkonferenz mehr?

Gegenstand des Meetings waren auch die kirchenrechtlichen Rahmenbedingungen einer Zentralkonferenz. Sollten die Positionen innerhalb der Zentralkonferenz so bleiben, wie sie sich gegenwärtig zeigen, wäre eine Trennung unvermeidlich. Die so entstehenden Teilgebiete wären aber nicht mehr gross genug, um als eigenständige Zentralkonferenzen einen Bischof wählen zu können. Das war auch für Bischof Streiff eine neue Erkenntnis, die angesichts der anstehenden Wahl eines Nachfolgers oder einer Nachfolgerin im Jahr 2021 aufmerken lässt und ein Schlaglicht auf die Tragweite der anstehenden Endscheidungen wirft.

Gibt es noch einen Willen, gemeinsam Kirche zu sein?

Ein nächstes, ganztägiges Treffen wird Ende August in Wien stattfinden. Ursprünglich war vorgesehen, an diesem Treffen einige Grundelemente methodistischer Identität anzuschauen. Die Mitglieder der Studiengruppe einigten sich aber darauf, direkt die für sie entscheidendere Frage anzugehen und darüber zu sprechen, wie stark der Wille zur Gemeinsamkeit noch ist: Inwiefern sind sie bereit, weiter Zeit und Kraft in die Suche nach einem gemeinsamen Weg zu investieren? Und wie könnten Szenarien für einen gemeinsamen Weg oder die Konsequenzen und Zusammenarbeit bei getrenntem Weg aussehen? Laut Bischof Streiff werde der Stier jetzt bei den Hörnern gepackt.

Bischof Patrick Streift
Beitragsbild: Nik MacMillan, Unsplash

Quelle: EmK-schweiz.ch