Gespanntes Zuhören beim Bericht der Kommission »Ein Weg in die Zukunft«. – Das erfordert gegenseitige Bereitschaft zum interkulturellen Lernen. Wie weit die Bereitschaft dazu ist, wird die Generalkonferenz zeigen müssen. (Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof)

Am Ende des Tages stehen Zahlen, am Anfang des Tages eine Botschaft. Die Frage wird sein, ob um Zahlen gekämpft, oder die Botschaft gehört wird.

Am gestrigen Sonntag, dem zweiten Sitzungstag der Generalkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK), ging es erstmals in die inhaltliche Arbeit. Dazu hatten die Delegierten für die Arbeit an den vorliegenden Entwürfen und Anträgen eine Reihenfolge festzulegen, in der die Diskussion erfolgt. Ganz oben: Pensionsfragen und der sogenannte »Traditional Plan«. Der sogenannte »One Church Plan« liegt an Position fünf. Noch davor zwei Anträge, die sich damit befassen, wie einzelne Gemeinden die Gesamtkirche verlassen können und wie in einem solchen Fall Eigentumsfragen geregelt werden können.

Mehrheiten, die noch keine Mehrheiten sind

Aus dieser Reihenfolge, so sind Kenner der Abläufe einer Generalkonferenz überzeugt, lassen sich noch keine Schlüsse für Mehrheiten ableiten. Die Top-Platzierung von Pensionsfragen und Kircheneigentumsfragen lassen sich dadurch erklären, dass jede Entscheidung für einen der Lösungsvorschläge logischerweise auf Pensionen und Besitzverhältnisse Auswirkungen hat. Das gilt sowohl für diejenigen, die dann gegebenenfalls die Kirche verlassen werden, als auch für diejenigen, die bleiben. Verständlich, dass diese Fragen so stark priorisiert werden. Im direkten Vergleich der beiden am höchsten gehandelten Lösungsvorschläge ist der Stimmenunterschied einer Abstimmung über die Behandlungsreihenfolge nicht wirklich aussagekräftig. Der inzwischen im parlamentarischen Verfahren nur als »Traditional Plan« (nicht mehr »Traditionalist Plan«) bezeichnete Lösungsvorschlag liegt mit 459 zu 403 Stimmen nur 56 Stimmen »vor« dem »One Church Plan«. Die Fragen, was eine Beibehaltung und damit sogar verbundene Verschärfung der Kirchenordnung beim »Traditional Plan« und eine Veränderung der Ordnung durch Entfernung restriktiver Passagen und Änderungen in den Sozialen Grundsätzen beim »One Church Plan« bedeuten, sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt des parlamentarischen Ablaufs noch gar nicht diskutiert. Das steht in den kommenden beiden Sitzungstagen Montag und Dienstag an.

Zuschauen – zuhören – vertrauen

Für diese anstehende inhaltliche Auseinandersetzung setzte der Vormittag ein Zeichen. Dort bildeten die Predigt von Bischof Kenneth H. Carter und der ausführliche Bericht der Kommission »Ein Weg in die Zukunft« den Schwerpunkt. Carter, Vorsitzender des Bischofsrats der EmK und als Bischof für die Florida-Konferenz zuständig, schilderte ausführlich, wie er sich in den zurückliegenden drei Jahren der Aufgabe gestellt habe, »aufmerksam zuzuschauen und aufmerksam zuzuhören«. Dies sei der Auftrag gewesen, den die vergangene Generalkonferenztagung im Mai 2016 erteilt habe. Er habe deshalb »bei den Konservativen, den Progressiven und den Mitte-Leuten« genau hingeschaut und aufmerksam zugehört. Es sei ihm darum gegangen, »ihre Zeugnisse zu hören und das Wirken des Heiligen Geistes in ihnen anzuerkennen und dabei über sie das Beste zu denken«. Diese Aufgabe habe sich allerdings »von meiner Arbeit, die ich zuvor während mehr als 28 Jahren als Pastor gemacht habe, nicht unterschieden«, schob er schmunzelnd nach. Um die Aufgabe des Zuschauens und Hinhörens zu erfüllen, habe die Kommission »Ein Weg in die Zukunft« einen ganz besonderen Dienst erfüllt. Jetzt sei es in der Hand der Delegierten, diese Aufgabe weiterzuführen. Darum gehe es in den – zusammen mit dem gestrigen Tag – kommenden drei Tagen. »Dazu versammeln wir uns unter dem Kreuz und der Flamme«, womit Carter auf das Logo der EmK und mehr noch auf die biblische Bedeutung dieser beiden Zeichen hinwies. »Wir sind Menschen, die unseren Glauben an Jesus Christus als unseren Herrn und Erlöser bekannt haben. Und wir werden um die Gabe des Heiligen Geistes beten, der uns eins macht mit Christus, der uns eins miteinander macht und der uns eins macht im Dienst für die ganze Welt.« Dafür sollten sich die Delegierten bei einer Regel aus Taizé bedienen. Diese fordere dazu auf: »Mache die Einheit des Leibes Christi zu deiner Leidenschaft.« Ob das wirklich eine so große Leidenschaft für die Delegierten sei, müsse sich jeder selbst fragen. Darum gehe es jedenfalls in den kommenden Tagen. Es sei zwar leichter, die Gründe für eine Spaltung auszumachen. Stattdessen sollten die Delegierten viel mehr auf das schauen und hören, was verbindet. Wenn das gelänge, könne sich viel ereignen. »Und Gott kann mehr tun, als wir uns vorstellen können!« Gott habe das versprochen, betonte Carter zum Schluss seiner Predigt. »Und weil er das versprochen hat, kann er es auch tun!«

Die Frage bleibt: Wie sieht die Lösung aus?

Nach dem geistlichen Auftakt des Tages stellten die Mitglieder der Kommission »Ein Weg in die Zukunft« mit einer umfangreichen Präsentation ihr Arbeitsergebnis vor. Einmal mehr war diese Vorstellung ein Beispiel dafür, was eine transparente Arbeitsweise und eine respektvolle Kommunikation möglich machen. Die drei Entwürfe zur Lösung der schwierigen Situation, in der sich die Evangelisch-methodistische Kirche seit Jahren in der Frage im Umgang mit Homosexualität befindet, wurden vorgestellt und von Mitgliedern der Kommission erklärt und kommentiert. Dabei kam die extrem konservative Sicht einzelner Kommissionsmitglieder zum Vorschein. Aber auch der Wunsch nach weiter Öffnung der Kirche für Homosexuelle kam zur Sprache, indem eines der Kommissionsmitglieder – ein Pastor – sich vor der versammelten Generalkonferenz als homosexuell outete. Wie trotz dieser weit auseinanderliegenden Überzeugungen eine Gemeinschaft während der Arbeit am Auftrag durch die Generalkonferenz wuchs, brachten die Kommissionsmitglieder wahrnehmbar zum Ausdruck. Es blieb allein die Frage, wie nach den meinungsstarken Kommentierungen der drei Entwürfe durch jeweils ein Kommissionsmitglied eine zur Einheit führende und die Einheit bewahrende Lösung aussehen könnte. Diese Frage hat sich Ende des ersten parlamentarischen Arbeitstages verstärkt. Jetzt ist das aufrichtige Zuschauen und Zuhören der Delegierten gefordert, wie Bischof Carter es zum Auftakt des Tages anmahnte. Und es ist eine weise Sitzungsleitung gefordert, die die Prozesse zur Entscheidungsfindung transparent und fair anleitet.

Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit

Quelle: emk.de