Superintendent Schröckenfuchs: Freier Karfreitag für Alle wäre zu begrüßen

Der Europäische Gerichtshof hat in seinem Urteil vom 22. Jänner festgestellt, dass ein privater Arbeitgeber unter bestimmten Voraussetzungen verpflichtet sei, auch seinen anderen Arbeitnehmern einen bezahlten Feiertag am Karfreitag zu gewähren, da die Gewährleistung eines bezahlten Feiertags nur für Angehörige der evangelischen Kirchen und der altkatholischen Kirche eine Diskriminierung wegen der Religion darstelle. Sofern der Gesetzgeber in Österreich keine neue Regelung erlässt, würde so der Karfreitag in der Realität ein Feiertag für alle - unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit. Es bleibt nun abzuwarten, wie der österreichische Gesetzgeber mit diesem Urteil umgehen wird.

Karfreitag zentral für die Bedeutung des Glaubens

Im Gespräch mit religion.ORF.at bekräftigte Superintendent Schröckenfuchs die Bedeutung des Karfreitags. Ohne die Botschaft, „dass sich Gott selbst am Kreuz für uns hingibt, macht auch die Osterbotschaft keinen Sinn“, so Schröckenfuchs. „Die Botschaft vom Karfreitag ist keine einfache. Es ist eine, wo man Zeit braucht sich zu besinnen. Wenn andere Zeit bekommen, sich an diese Botschaft zu erinnern, ist das zu begrüßen“. Ob für den Erhalt des Karfreitags ein anderer Feiertag getauscht werden sollte, wie dies z.B. der Präsident der Evangelischen Synode A.B., Peter Krömer, vorschlägt, sei im Gespräch mit der Wirtschaft, der Regierung und den anderen Kirchen und Religionsgemeinschaften zu besprechen. Entscheidend sei jedenfalls, dass der Karfreitag als Feiertag erhalten bleibt.

Bünker: „Im Moment erleichtert“

„Im Moment erleichtert“ zeigt sich der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker in einer ersten Reaktion auf das EuGH-Urteil zur Karfreitagsregelung. „Das Urteil spielt den Ball zurück an den Gesetzgeber in Österreich“, sagt Bünker. Die EU habe wie es ihren Richtlinien entspricht nicht in das innerösterreichische Religionsrecht eingegriffen sondern überlässt das dem österreichischen Gesetzgeber. Wenn nichts geschehe, werde der Karfreitag in der Realität ein Feiertag für alle. Eine Streichung des Feiertags durch den Gesetzgeber sei „gar nicht in unserem Interesse, denn der Karfreitag hat für die Evangelischen zentrale Bedeutung“, erklärt der Bischof.

Das betont auch Synodenpräsident Peter Krömer. Um Interessen der Wirtschaft zu berücksichtigen, könnte der Karfreitag auch „zum Beispiel gegen den Pfingstmontag getauscht werden“, so der Rechtsanwalt.

Denkbar ist für Bischof Bünker allerdings auch, dass die gesetzlichen Zuschläge für Evangelische bei Arbeit am Karfreitag entfallen. Diese Regelung entspräche dem EuGH-Urteil und berücksichtige zugleich die hohe Bedeutung des Feiertags für die evangelische Minderheitskirche. „Die konkrete Lösung wird das Ergebnis von Gesprächen sein. Wir legen jedenfalls Wert darauf, dass wir gehört werden“, so Bünker abschließend.

Hintergrund

Ausgelöst wurde der Fall durch einen konfessionslosen Arbeitnehmer, der im Jahr 2015 seinen Arbeitgeber auf das Feiertagsentgelt am Karfreitag geklagt hatte. Nach der bisherigen Regelung ist der Karfreitag ein gesetzlicher Feiertag für Angehörige der evangelischen und der altkatholischen Kirche. Wenn Angehörige dieser Kirchen am Karfreitag gearbeitet haben, hatten sie Anspruch auf das Feiertagsentgelt.

Bislang galt der Karfreitag für Angehörige der Evangelisch-lutherischen, der Evangelisch-reformierten, der Evangelisch-methodistischen sowie der Altkatholischen Kirche in Österreich als Feiertag. Gingen Angehörige dieser Glaubensrichtungen am Karfreitag dennoch zur Arbeit, stand ihnen doppelter Lohn zu. Betroffen sind von der Regelung rund 300.000 Personen.

Vor vier Jahren hatte ein österreichischer Arbeitnehmer, der keiner der vier Konfessionen angehörte, seinen Dienstgeber geklagt, da er sich durch den fehlenden Feiertag sowie das Feiertagsentgelt diskriminiert fühlte. Der Fall durchlief mehrere Instanzen, ehe ihn der Oberste Gerichtshof 2017 an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) zur Klärung weitergab.

Quellen: epdÖ, religion.orf.at, EmK Österreich
Foto: EmK Österreich