Delegierte der Generalkonferenz bestätigen die negative Bewertung praktizierter Homosexualität und verschärfen die Regeln zur Umsetzung. Der Rechtshof der Kirche muss noch prüfen, ob der Entscheid verfassungskonform ist.

In der entscheidenden Abstimmung an der Tagung der ausserordentlichen Generalkonferenz der weltweiten Methodistenkirche in St. Louis wurde der «Entwurf zur Bewahrung der bestehenden Ordnung» («Traditional Plan») angenommen. Durch diesen Entwurf soll beim Umgang mit Homosexualität und Homosexuellen in der Kirche die bisherige Ordnung der Kirche bewahrt werden. Mit der Zustimmung von 438 Delegierten beschliesst das höchste gesetzgebende der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) diesen Entwurf (bei 384 Gegenstimmen).

Beschluss mit Vorbehalt

Seit dem vergangenen Samstag, dem 23. Februar, hatte die Generalkonferenz der EMK in St. Louis im US-amerikanischen Bundesstaat Missouri getagt. Einziger Tagesordnungspunkt der aus weltweit allen Konferenzen angereisten 864 Teilnehmer war die Frage, wie die Evangelisch-methodistische Kirche eine Lösung in den strittigen Fragen zur menschlichen Sexualität findet. Mit dem jetzt getroffenen Beschluss wurde die bestehende Ordnung bestätigt. Praktizierte Homosexualität wird weiterhin als nicht vereinbar mit christlicher Lehre bezeichnet. Die Ordination von homosexuellen Menschen und die Segnung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften bleiben verboten. Ausserdem werden zusätzliche Abschnitte eingefügt, die die konsequente Anwendung der bisherigen Regelungen sicherstellen sollen. Die Entscheidung der Generalkonferenz steht unter Vorbehalt und wurde zur Prüfung der Vereinbarkeit mit der Verfassung der Kirche an den Rechtshof verwiesen. Deshalb sind viele Einzelheiten einer konsequenteren Anwendung zurzeit noch unklar. Für die Zentralkonferenzen der Evangelisch-methodistischen Kirche ausserhalb der Vereinigten Staaten wurde zur Umsetzung eine wichtige Regelung getroffen, die besagt, dass diese Entscheidungen erst nach der nächsten ordentlichen Zentralkonferenztagung im Frühjahr 2021 wirksam.  

Knappe Mehrheiten

Die Entscheidung fiel mit einer relativ knappen Mehrheit von gut 53 Prozent der Delegiertenstimmen. Dieses Stimmenverhältnis zog sich durch alle Abstimmungen der beiden Sitzungstage hindurch, in denen Abstimmungen stattfanden. Auch der allgemeine Verweis des gesamten Beschlusses an den Rechtshof der Kirche zur Überprüfung, ob alle getroffenen Regelungen verfassungskonform sind, wurde bei 405 Ja-Stimmen nur mit einer knappen Mehrheit von 10 Stimmen befürwortet. Der Rechtshof wird sich bei seiner nächsten Sitzung im April in Evanston im US-Bundesstaat Illinois in knapp zwei Monaten mit dieser Überprüfung beschäftigen.  

Enttäuschung und Freude

Nach Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses stimmten auf den Rängen des Tagungsgebäudes die Unterstützer einer Öffnung der Kirche für mehr Inklusion von Homosexuellen Lieder an. Im Konferenzplenum sammelte sich eine grosse Anzahl Delegierter zu einem grossen Kreis und stimmte in die auf den Rängen angestimmten Lieder mit ein. Gleichzeitig bildete sich ebenfalls im Plenumsbereich der Delegierten ein anderer, kleinerer Kreis der Befürworter der getroffenen Entscheidung. Tanzend und ebenfalls singend brachten sie ihre Freude zum Ausdruck. Um diesen emotionalen Äusserungen Zeit zu lassen, unterbrach die vorsitzende Bischöfin Cynthia Fierro Harvey die Sitzung.  

Tagungsschluss unter Zeitdruck

Der Abschluss der Generalkonferenztagung geriet wegen Zeitdrucks förmlich «unter die Räder»: Aufgrund vertraglicher Vereinbarungen war die Veranstaltungshalle um 18:30 Uhr für den Umbau zu einer am nächsten Tag stattfindenden Monster-Truck-Show zu räumen. In einer Pressekonferenz nach Abschluss der Generalkonferenz sagte Kenneth H. Carter, Bischof der Florida-Konferenz und Vorsitzender des EMK-Bischofsrats: «Wir müssen jetzt viel Zeit investieren und vor allem mit den Progressiven Kontakt aufnehmen, weil besonders sie sich durch das Geschehene verletzt fühlen. Wir werden ihnen sagen, dass wir sie berücksichtigen.» Jetzt müsse noch deutlicher gelehrt werden, dass alle Menschen in der Kirche willkommen und alle heilig seien.  

Superintendent Schröckenfuchs enttäuscht

In einer ersten Stellungnahme zeigte sich Superintendent Stefan Schröckenfuchs vom Ergebnis der Konferenz enttäuscht. „Dass Methodistinnen und Methodisten weltweit in Fragen der Bewertung gleichgeschlechtlicher Liebe zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, ist wenig überraschend. Ich hätte dennoch darauf gehofft, dass wir Wege finden, mit dieser Vielfalt umzugehen.“ Gerade das sei durch die vorgenommenen Verschärfungen aber nicht nur "nicht gelungen", sondern im Gegenteil erschwert worden. Nun gelte es zunächst, die Prüfung durch den Rechtshof abzuwarten.

Auch Patrick Streiff, Bischof der EmK für Mittel- und Südeuropa zeigte sich vom Abstimmungsergebnis enttäuscht: «Dass die Generalkonferenz die Frage einer in Treue gelebten gleichgeschlechtlichen Partnerschaft noch ausgeprägter als bisher zu einem kirchentrennenden Ordnungsartikel macht, halte ich für bedauernswert», so Streiff gemäß einer im Internetportal ref.ch zitierten Aussendung. 

Klaus Ulrich Ruof emk.de / UMNS / EmK Österreich / ref.ch
Foto: Paul Jeffrey, UMNS.