Junge Flüchtlinge möchten lernen, arbeiten und in Frieden leben. Doch ein Schulbesuch oder gar eine Lehrstelle sind mit vielen bürokratischen Hürden und langem Warten verbunden.

Zwanzig jugendliche Burschen im Alter von 14 bis 18 Jahren und 4 junge Erwachsene leben im UMF-Wohnprojekt des Diakonie Zentrums Spattstraße in Linz. Sie sind ohne ihre Eltern aus ihrer Heimat geflohen. Hier möchten sie lernen, arbeiten und in Frieden leben. Doch ein Schulbesuch oder gar eine Lehrstelle sind mit vielen bürokratischen Hürden und langem Warten verbunden. Ahmed hat es geschafft, einen Lehrplatz zu finden – mit viel Ausdauer, Motivation und Standfestigkeit.

Der 17-jährige Ahmad aus Afghanistan hat subsidiären Schutz erhalten. In schon gutem Deutsch zählt er auf, wo er bereits als Aushilfskellner Praxis gesammelt hat: „Im Altersheim, Im Design Center, im Rosengarten am Pöstlingberg, bei Schuhbeck’s Teatro.“ Die Aushilfsstellen hat er mithilfe seines Betreuers gefunden. Ahmed hat Glück gehabt, denn seit August hat er eine Lehrstelle als Restaurantfachmann im Ox Steaks & Grill in der Plus-City. „Ein Betreuer hat mir hier gezeigt, wie ich Teller halte und von welcher Seite ich serviere. Er hat mir auch gelernt, wie ich Bestellungen aufnehme. Wegen meiner Praxis habe ich die Stelle bekommen. Trotzdem war es anfangs extrem schwer für mich.“

„Wir erleben eine absurde Situation“ beschreibt Leiterin Christine Stöckler, Leiterin des UMF-Wohnprojektes: „Auf der einen Seite gibt es Betriebe, die vor allem in den Mangelberufen dringend Lehrlinge suchen. Auf der anderen Seite leben bei uns Jugendliche, die sich nichts sehnlicher wünschen, als eine Lehrstelle oder einen Arbeitsplatz. Eine Beschäftigungsbewilligung für einen Asylwerber zu erhalten nimmt aber in Österreich viel Zeit in Anspruch und ist mit so vielen bürokratischen Hürden verbunden, dass viele Betriebe aufgeben und Jugendliche den Mut verlieren.“

Mohammed ist 18 Jahre und wohnt in der WG für junge Erwachsene. Er ist überglücklich, weil er nun eine Lehre als Koch beginnen kann. Sein Lehrbetrieb musste zwei Monate warten, bis das Bewilligungsverfahren abgeschlossen war. Einem Friseurbetrieb hat das Verfahre zu lange gedauert. Für Kamran (18 Jahre) beginnt die Suche wieder von vorne. Ahmed bringt auf den Punkt, wie es vielen Jugendlichen geht: „Ich will nicht einfach nur rumsitzen und Geld nehmen. Ich will lernen und arbeiten. Ich will Kontakt mit Österreichern. Ich will etwas beitragen.“ „Hier betreuen wir Jugendliche, die erstmals in ihrem Leben in einem friedlichen Land sind. Sie wollen aktive Mitglieder der Gesellschaft werden. Österreich wäre gut beraten, den Jugendlichen ihre Zeit hier sinnvoll nützen zu lassen und Integration zu ermöglichen statt zu erschweren. Jugendliche brauchen Schulbildung, strukturierten Unterricht und Freizeitangebote, in denen sie mit Österreichern in Kontakt kommen. Aber sogar Freiwilligenarbeit oder Praktika sind mit großem Aufwand verbunden.“ Ahmed hat gerade seine nächste Hürde geschafft, denn sobald er 18 Jahre alt ist, muss er aus dem Wohnprojekt ausziehen. Mit Hilfe seiner Arbeitskollegen hat er eine kleine Wohnung gefunden. Jetzt heißt es viel arbeiten, damit er sich die Wohnung leisten kann

Mag. (FH) Hannelore Kleiß
Kommunikation und PR
Diakonie Zentrum Spattstraße, gemeinnützige GmbH
Dasein für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene
Fotocredit (c) Diakonie Zentrum Spattstraße