Wie Begegnung und Zusammenarbeit mit Migranten und Migrationsgemeinden gelingen kann, ist eine der Fragen einer fünftägigen Schulung in Stuttgart.

»Du stellst Fragen, dein Gegenüber ist Experte«, beschreibt Dale Weatherspoon eine Haltung, die bei interkulturellen Begegnungen wichtig ist. Der promovierte Theologe ist Pastor der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) der Kalifornien-Nevada-Konferenz in den USA und Referent bei einer Fortbildung in Stuttgart für Verantwortliche und Mitarbeiter von Migrantengemeinden und Gemeinden, die mit Migranten und Flüchtlingen arbeiten.

Weatherspoon, der auch Mitglied der internationalen EmK-Kommission für Glaube und ethnische Vielfalt ist, gab in seinem Vortrag Anregungen, wie Begegnung und Kommunikation trotz unterschiedlichster kultureller Prägungen gelingen könne. Das sei, so Weatherspoon, nicht einfach, weil die Persönlichkeit zu über 90 Prozent durch nicht im einzelnen wahrnehmbare Ereignisse und kulturelle Gewohnheiten geprägt sei. Darum sei eine respektvolle Kommunikation nötig, die erlernt werden könne. Neben einer Sprache, die andere achtet und nicht blamiert, gehöre vor allem auch aufmerksames Zuhören dazu, so der Fachmann und Trainer für interkulturelles Miteinander. Wer sensibel dafür werde, dass Begegnung und Gespräch in unterschiedlichen Kulturen verschieden ablaufe, könne seine Aussagen besser abwägen und Vermutungen und Urteile überprüfen, bevor sie ausgesprochen werden. Wer in dieser Weise rücksichtsvoll agiere, werde Vertrauen investieren können. »Man muss nicht diskutieren, was ›richtig‹ oder ›falsch‹ ist«, betonte Weatherspoon. Viel hilfreicher sei es, mit entsprechenden Fragen, die Kompetenzen des Gegenübers zutage zu fördern. Wer frage, signalisiere »ich will von dir lernen und dir zuhören«. Dieser Respekt fördere Begegnung und Gespräch. »Kannst du mir mehr darüber erzählen?«, sei so eine Frage. Oder: »Das verstehe ich nicht. Kannst du mir das erklären, damit ich es verstehe?« Auch die Möglichkeiten der Zusammenarbeit könne angeregt werden, indem man frage: »Wie können wir in dieser Sache zusammenarbeiten, um zu einem besseren Ergebnis zu kommen?«

Bei der Tagung, die von Sonntag 22.1. bis Donnerstag 26.1. in Stuttgart stattfand, nahmen über 60 Personen aus methodistischen Gemeinden verschiedener europäischer Länder teil. Sie sind zum großen Teil selbst Migranten und tragen Verantwortung in Migranten- oder internationalen Gemeinden. Andere kommen aus Gemeinden, die mit Flüchtlingen und Migranten zusammenarbeiten und Programme anbieten. Leiter der Tagung ist George Miller, der Koordinator für internationale und Migrantengemeinden der EmK in Deutschland.

Klaus Ulrich Ruof

Foto: Pastor Dr. Dale M. Weaterspoon, Referent für interkulturelle Kompetenzen / Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit

Quelle: emk.de