Wien/Berlin (epdÖ) – Einen wichtigen Schritt zur Überwindung der Spaltung haben die Kirchen am Mittwoch, 5. Juli, in Wittenberg vollzogen. Die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK), die weltweit rund 80 Millionen Christen repräsentiert, trat der „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ (GER) bei, die 1999 vom Vatikan und dem Lutherischen Weltbund (LWB) unterzeichnet wurde. Die Assoziierungserklärung der WGRK zur Rechtfertigungslehre wurde auch vom Sekretär des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Bischof Brian Farrell, und dem Präsidenten des Methodistischen Weltrats, Jong Chun Park, unterzeichnet. Damit wird einer der Hauptpunkte, die im 16. Jahrhundert zur Trennung der westlichen Christenheit führten, von den Katholiken und den wichtigsten aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen nicht mehr als kirchentrennend bewertet.

In einem ökumenischen Gottesdienst in der Wittenberger Stadtkirche unterzeichneten die Generalsekretäre der WGRK und des LWB, Chris Ferguson und Martin Junge, außerdem eine Erklärung mit dem Titel „Wittenberger Zeugnis“, in der eine engere Zusammenarbeit der beiden Weltbünde vereinbart wird. Anwesend waren zudem Vertreter des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), der Mennoniten und der Orthodoxen Kirche. Zuvor hatten die Repräsentanten der Kirchen um Vergebung für das in der Vergangenheit einander angetane Unrecht gebeten und den Friedensgruß ausgetauscht.

An dem ökumenischen Gottesdienst hat auch der Landessuperintendent der Evangelischen Kirche H.B. in Österreich, Thomas Hennefeld, teilgenommen. Die Unterzeichnung beider Dokumente sei ein „Grund zur Freude“: „Ich sehe darin wichtige Zeichen auf dem Weg der Kirchen zu einer engeren Gemeinschaft auf Weltebene. Der Beitrag der WGRK besteht vor allem darin, den Zusammenhang zwischen Rechtfertigung und Gerechtigkeit deutlich zu machen“, sagt der Landessuperintendent im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst. Aus der Rechtfertigung des Einzelnen leite sich sein Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit sowie seine Bereitschaft zur Verantwortung in der Gemeinschaft ab, so Hennefeld weiter. Er verwies dabei zugleich auf die Vorreiterrolle der Evangelischen Kirchen in Österreich in Sachen Ökumene: „Mit der Unterzeichnung der Wittenberger Erklärung verpflichten sich lutherische und reformierte Kirchen zu dem, was seit Jahrzehnten in der Evangelischen Kirche in Österreich gelebt wird, was aber weltweit alles andere als selbstverständlich ist.“

Im Bild: Der Generalsekretär der Weltgemeinschaft der Reformierten Kirchen (WGRK), Chris Ferguson, bei der Unterzeichnung des „Wittenberger Zeugnisses“. Hinter ihm v.l.n.r.: Der Präsident des WGRK, Jerry Pillay, der Sekretär des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Brian Farrell, der Präsident des Methodistischen Weltrats, Jong Chun Park, der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes, Martin Junge, und der Generalsekretär des Methodistischen Weltrats, Ivan Abrahams. Foto: WGRK/Anna Siggelkow

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