Es ist schon erstaunlich. Warum brauchen wir überhaupt noch Expertinnen oder Fachwissen?
Kann es sein, dass ganze Berufsgruppen obsolet werden?
Wer braucht schon Ärzte, Juristinnen, Psychologen, Therapeutinnen, Sozialarbeiter, Pastorinnen
- wen auch immer -
wenn es Asylbeamte und Asylbeamtinnen gibt!

Erst heute ist im Standard (Zeitung) in einem Artikel zu lesen, dass der Antrag eines jungen Afghanen abgelehnt wurde, weil der zuständige Beamte des Bundesasylamts für Fremdenwesen und Asyl (BFA) zum Ergebnis gekommen ist, dass dieser Mann garnicht homosexuell sein könne und deswegen unter keinen Umständen in seinem Heimatland Probleme bekommen würde. Laut einem Bericht der Wochenzeitschrift "Falter" steht im ersten - nicht rechtskräftigen - Bescheid:
"Weder ihr Gang, ihr Gehabe oder ihre Bekleidung haben auch nur annähernd darauf hingedeutet, dass sie homosexuell sein könnten."

Das ist doch einmal interessant, mit welch profunden Wissen hier die Kriterien für eine Zulassung nach der Genfer Flüchtlingskonvention aberkannt werden, denn dass Menschen, die wirklich homosexuell sind, in einem Land wie Afghanistan nicht verfolgt werden würden, darf - hoffentlich - außer Frage gestellt werden.

Oder doch nicht?

Wie im Bescheid weiter ausgeführt wird, hätte der 18-Jährige in seiner Unterkunft mit Männern gestritten, habe wenige Freunde und sei gerne allein unterwegs. Alles Umstände die den zuständigen Beamten darauf schließen lassen, dass der Asylwerber nicht homosexuell sein könne. "Sind Homosexuelle nicht eher gesellig?" steht laut dem Standardartikel im Bescheid. Aber das Beste kommt noch. Die abschließende Beurteilung lautet:
"Sie sind nicht homosexuell und haben daher bei ihrer Rückkehr nach Afghanistan nichts zu befürchten."

Wow!

Wenn wir das als United-Methodist Church doch auch so einfach sagen könnten. Wozu dann ein jahrzehnte langer Streit, warum eine drohende Spaltung, warum eine Sonder-Generalkonferenz?
"Sie sind nicht homosexuell, sie haben nichts zu befürchten."
Vielleicht sollten wir als Methodisten den zuständigen Beamten an die Generalkonferenz einladen, um uns allen endlich die Augen zu öffnen.

Leider ist das alles - alles andere als lustig. Die zelebrierte Ironie wird durch die Realsatire leider übertroffen. Immerhin hat die Neos Sprecherin, Stephanie Krisper, in dieser Causa eine parlamentarische Anfrage an den Innenminister (FPÖ) angekündigt. Aber die Fassungslosigkeit bleibt. Es ist unglaublich. Und gleichzeitig und dennoch real. Leider müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass diese Fälle keine Einzelfälle mehr sind, sondern zu einer Historie heranwachsen. Und solche Fälle zeigen einen Grundtenor an.

Ein Grundtenor dem widersprochen gehört!
Und ein Grundtenor, der uns allen - den Menschen guten Willens - klar machen sollte, dass wir mehr denn je zusammenrücken und zusammenstehen müssen.

Frank Moritz-Jauk
Lokalpastor der EmK-Graz
Foto: Wikipedia, commons