Ein Bericht von der Frauenfreizeit 2019 im Luise Wehrenfennig-Haus in Bad Geisern.

Als Studentin habe ich von einer Professorin folgenden Spruch gehört: „Der eine sagt, dass der Mensch von der Schlange abstammt, eine anderer, dass er vom Adler abstammt. Aber ich sage euch, dass der Mensch vom Menschen abstammt. Nur kriecht der eine wie eine Schlange und ein anderer fliegt wie ein Adler." Dazu kann ich nur sagen: Die Bibel vergleicht die Menschen, die Gott vertrauen, mit einem Adler: " ... aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden." Jesaja 40,31

Warum stelle ich diese Aussagen an den Anfang meines Berichts?

Weil der Adler ein sehr mutiger Vogel ist – wie man der Indianischen Legende vom Adler entnehmen kann. Sie erzählt, der Adler sei der Vogel mit der längsten Lebensspanne auf der Welt. Wenn er etwa 30 Jahre alt ist, werden seine Krallen schwächer und er hat Probleme, die Beute zu fassen und zu halten. Auch der Schnabel wird weich, sodass er die Beute nicht mehr richtig zerlegen kann. Seine alten Flügel sind mit dicken Federn bedeckt, dadurch kann er sie nicht mehr wie früher ausbreiten. Der Adler hat nun zwei Möglichkeiten. Entweder lässt er alles, wie es ist, dann wird er mit Sicherheit sterben. Oder er wagt einen Veränderungsprozess, der ca. 150 Tagen dauert. Der beginnt damit, dass er auf einen hohen Berg fliegt und den Schnabel so lange gegen einen Felsen schlägt, bis der Schnabel ab ist. Auch seine Krallen werden so lange bearbeitet, bis sie weg sind. Schnabel und Krallen wachsen nach, und wenn das geschehen ist, reißt sich der Adler alle Federn aus. Ungefähr fünf Monate dauert es, bis auch sie nachgewachsen sind. Nach dieser langen Zeit kann der Adler wieder zu einem ersten Flug starten und lebt danach noch ca. 40 Jahre. So weit die Legende.

Wozu brauchen wir Mut?

Auch unser Leben ist nicht leicht – nicht nur, wenn wir alt werden. Einerseits hat die Angst eine wichtige Funktion als ein die Sinne schärfender und Körperkraft aktivierender Schutz- und Überlebensmechanismus, andererseits kann sie auch verhindern, dass wir unsere Probleme lösen oder Träume zu verwirklichen – aus Angst Fehler zu machen. Angst kann uns ja sogar lähmen und angemessene Reaktionen verhindern. Darum gilt es Mut zu fassen.

Gut, dass wir einander haben.

Gott sei Dank sind wir nicht allein, wir haben einander. Wir können Sorgen, Freuden und Kräfte teilen und unseren Weg gemeinsam gehen. 32 Frauen aus Wien, Salzburg, Linz, Graz und Ried haben bei der Frauenfreizeit diese Gemeinschaft erlebt und während der schönen Frühlingstage in Bad Geisern wie eine große Familie gelebt. Wir haben über das Thema „Mut“ gesprochen, interessante Geschichte gehört, wir haben uns unterhalten, waren gemeinsam unterwegs, sind spazieren gegangen oder gewandert und haben eine Kirche besucht. Unsere Referentin Mag. Christa Weber hat uns gelehrt, dass wir uns nicht vor der Angst fürchten, sondern sie akzeptieren und trotz aller Schwierigkeiten weiter gehen sollen. Wir haben gelernt, dass es ganz normal ist Fehler zu machen, dass wir Gott und auch Menschen vertrauen können – und dass es wichtig ist, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Und gemeinsam haben wir alle ein Fundament für Mut gebaut. Nelson Mandela sagt es in seiner Autobiographie so: „Ich habe gelernt, dass Mut nicht die Abwesenheit von Furcht ist, sondern der Triumph darüber. Der mutige Mann ist keiner, der keine Angst hat, sondern der, der die Furcht besiegt.“ Mandela schreibt zwar von einem mutigen Mann, aber ich habe in diesen schönen Tagen in Bad Goisern wirklich mutige Frauen getroffen. Frauen, die in ihrem Leben eine schwere Krankheit erdulden mussten und dabei den Mut nicht verloren haben. Frauen, die eine große Enttäuschung erlebten und trotzdem glücklich leben und neue Träume verwirklichen. Oder Frauen, die für eine große Familie sorgen und die dennoch auch für sich selber Zeit haben.

Mag. Christa Weber

Der blutige Glaube

Ich möchte euch zum Schluss noch eine Geschichte über mutige Protestanten erzählen, die wir vom Pfarrer der Pfarrkirche in Bad Goisern hörten. Um 1620 wurde dort der evangelische Glaube verboten. Aber die gläubigen Protestanten in Bad Goisern waren mutige Menschen. Wer in seinem Leben dem gnädigen Gott begegnet ist und durch Luthers „Allein durch den Glauben“ die Liebe über die Angst herrschen lässt, der will immer bei diesem Gott bleiben. Trotz des Verbotes, ihren Glauben auszuüben und trotzdem manche das mit ihrem Leben bezahlten, kamen die Gläubigen zusammen zu Gebet und Predigt und priesen Gott. Eine evangelische gläubige Familie von Bad Goisern baute eine besondere Kirche ohne Türme und Glocken und ohne öffentlichen Zugang. Die Versammlungsplätze der Protestanten waren aber natürliche Höhlen in den Bergen. Und zu jeder Jahreszeit konnten sie dort Gott preisen. Ca. 400 Jahren später hatten 13 mutige Frauen die Möglichkeit, diese Höhlen zu besuchen und von ganzem Herzen diesen „blutigen“ evangelischen Glauben nachzuvollziehen. Ich bin stolz, dass ich dabei sein konnte. Was wir in Jesaja 41,10 lesen, mag viel älter sein, ist aber zeitlos und gilt für immer: „...fürchte dich nicht, ich bin mit dir, weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit."

Bericht: Mag. Olga Papazova, Wien 2019

Fotos: Charlotte Schwarz