Ein persönlicher Bericht von Frank Moritz-Jauk, Lokalpastor, EmK-Graz.

Am Donnerstag den 25. Oktober hat es ab 14:00 Uhr mit der Anmeldung begonnen und am Sonntag den 28. Oktober um 15:30 Uhr haben sich die letzten Gäste verabschiedet.Was ist dazwischen passiert? Das in Worte zu fassen, ist gar nicht so einfach - es war großartig! Unglaublich intensiv und so berührend in so vielen Bereichen, dass es unter die großen highlights des Jahres 2018 zu zählen ist.

Grundsätzlich: Taizé ist ein Ort in Südfrankreich. Taizé ist aber auch eine Musikform, die von den Wiederholungen lebt, Taizé ist Stille und Taizé ist vor allem eines: Begegnung.

Unabhängig davon, ob man die Musik kontemplativ, beruhigend, entschleunigend und die Wiederholungen als Intensivierung erlebt oder ob man die Musik fremd und die Wiederholungen anstrengend oder fad findet, eines bleibt:Allen diesen Worten ist gemeinsam, dass sie ein Teil unserer intimsten, menschlichen Sehnsucht sind. Und deswegen war dieses Jugendtreffen so besonders, deswegen war es großartig!

Meiner Ansicht nach ist das Konzept inhaltlich voll aufgegangen: Gäste werden von Gastgebenden aufgenommen. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen kommen und werden Gastfamilien zugeteilt. Dort bekommen sie ihr Frühstück, dorthin kehren sie nach dem Abendgebet auch wieder zurück. Dadurch gab es eine Vielzahl von Begegnungen auf einer ganz persönlichen Ebene. Die Gastfamilien gehören einer gastgebenden Gemeinde an. Dort wo die Gastfamilien beheimatet sind, dort sind auch die Gäste. Beginnend beim täglich stattfindenden Morgenlob und den anschließenden Gesprächsgruppen - bis hin zum Abschlussgottesdienst, der nicht zentral, sondern in den Gastgemeinden gefeiert wurde.

Uns, der EmK-Graz, als relativ kleiner Gemeinde, wäre das fast zum Verhängnis geworden, denn ursprünglich hatten sich nur 3 Gastfamilien gemeldet. Nach dem ursprünglich geplanten Verteilungsschlüssel von 2 Gästen pro Gastfamilie, wären wir dann mit 6 Gästen dagestanden.

Doch es kam anders: Erstens hatten wir 4 Gäste aus unserer Connexio, aus der EmK in Serbien, die sich aufgemacht hatten und bei uns im Gemeindebüro gewohnt haben. Zweitens hatte sich eine der Gastfamilien mit maximal 4 Personen angemeldet. Drittens hatten wir unsere Jugend mit 6 Personen im Jugendraum und viertens hatte der Lokalpastor die Idee, für die Taizézeit ins Gemeindebüro zu übersiedeln, Gastfamilie ohne Familie zu spielen und sich naiv und euphorisch mit 8 Personen anzumelden. So kam es, dass wir zum Frühstück mit 17 Personen zu Tisch saßen und das Morgenlob mit 25-35 Gästen feiern konnten, denn auch „freie“ Gäste fanden den Weg in unsere Kirche und haben dafür gesorgt, dass es wirklich ein Erlebnis wurde.

Oben habe ich geschrieben, es war intensiv und berührend in so vielen Bereichen.

Wie kann man sich das vorstellen?

 

Eine ganz persönlich geprägte Auswahl stelle ich an das Ende dieses Berichtes:

Die Offenheit und Neugier unserer Gäste: Sie lassen sich ein auf eine fremde Stadt, auf Gastfamilien, die sie noch nie vorher in ihrem Leben gesehen haben, voll Vertrauen. Sie lassen sich ein auf die konfessionellen Besonderheiten, die Art und Zusammensetzung der gastgebenden Gemeinde. Sie gehen zu den Angeboten, zu den zentralen Gebeten im Grazer Dom und kommen um 21:00 Uhr zurück und spielen Tischfußball.

Thank God, we have English! Der Turmbau zu Babylon, das war einmal - und welch ein Segen ist es doch, dass wir eine Kommunikationsplattform haben - die (meistens) gut funktioniert. Über alle Ländergrenzen hinweg.

Gerade im Kontakt mit unseren serbischen Geschwistern war ich wirklich dankbar für die Connexio, in der wir leben und die auch trägt. Sie zeigt, dass wir in der Lage sind, über unseren Tellerrand zu schauen und sie zeigt auch, dass sie eben hält, wenn es darauf ankommt. Unsere serbischen Geschwister sind insgesamt 16h mit dem Auto unterwegs und unsere Grazer Geschwister tragen die Reisekosten. Es ist so ein schönes und wichtiges Zeichen, dass wir uns aufeinander verlassen können.

Mich persönlich hat auch die Stille während der Gebetszeiten sehr berührt. Das kann was. Sieben Minuten können unglaublich lang sein. In unserer Handyzeit sind wir das nicht mehr gewohnt. Dass sieben Minuten scheinbar nichts passiert. Aber das stimmt nicht. Gerade das ist die Zeit, wo wir hören können.

Und ein Letztes: Natürlich ist uns die Schriftlesung vom blinden Bettler Bartimäus entgegengekommen, als EmK, mit unserem himmelweit Liederbuch. So konnten wir im Abschlussgottesdienst unsere Gäste und Gemeindemitglieder einladen zum Tanz. 20 Personen sind der Einladung gefolgt und gemeinsam haben wir es zum Lied 91 „Blind Man“ krachen lassen. König David als Vorbild.

Ja, vieles ist möglich und vieles wird möglich, wenn Gottes Liebe konkret wird.