Der lange Streit in der weltweiten EmK (United Methodist Church) um die Homosexualität könnte ein Ende finden. 

Die Kirche steht vor einer Teilung, aber sie könnte geordnet ablaufen. In die Auseinandersetzung angesichts der strittigen Fragen zur Homosexualität innerhalb der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) ist Bewegung gekommen. Eine international besetzte Arbeitsgruppe veröffentlichte jetzt mit Befürwortung durch den Bischofsrat einen Vorschlag, der eine respektvolle Teilung der weltweiten Kirche beinhaltet. Diesem Vorschlag waren Gespräche vorausgegangen, an denen Vertreter der Kirche von innerhalb und außerhalb der Vereinigten Staaten beteiligt waren. Auch Meinungsführer der meisten Gruppierungen mit weit auseinanderliegenden Überzeugungen waren einbezogen. Die einstimmige Einigung auf einen gemeinsamen Vorschlag ist das Besondere in dieser Situation. Zugleich soll dieser Vorschlag alle anderen bisher vorliegenden Trennungspläne ersetzen. Er wird den Delegierten der im Mai in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota tagenden Generalkonferenz zur Beschlussfassung vorgelegt.

Die EmK öffnet sich – ein traditioneller Teil spaltet sich ab

Zentral für den jetzt vorgelegten Vorschlag ist der Fortbestand der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche (United Methodist Church) als einer Kirche, in der es weiterhin Platz für verschiedene Frömmigkeitsausprägungen und Überzeugungen geben wird. Hinsichtlich der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und der Ordination Homosexueller könnte sich die bestehende Kirche öffnen, ohne dass diese Neuausrichtung für alle Teile der bestehenden Kirche umgesetzt werden müsste. Zugleich ist die Bildung einer neuen, traditionell orientierten methodistischen Kirche (»new traditionalist Methodist denomination«) vorgesehen. Diese würde sich von der Evangelisch-methodistischen Kirche trennen und eigenständig strukturieren. Für den Verbleib in der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche sind auf keiner Ebene der kirchlichen Konferenzstrukturen Abstimmungen erforderlich. Im Fall einer Trennung von der EmK gibt es Verfahrenswege mit klaren Regelungen. Außerdem gehört zur jetzt vorgelegten Vereinbarung die Aussetzung aller Disziplinarverfahren, in denen Personen im ordinierten pastoralen oder bischöflichen Dienst der Verletzung der Kirchenordnung angeklagt sind.

Initiative von außerhalb der USA

Der jetzt mit Befürwortung durch den Bischofsrat veröffentlichte Vorschlag beruht auf der Vorarbeit einer sechzehn Personen umfassenden Gruppe. Diese formierte sich im August des vergangenen Jahres auf Initiative von John Yambasu, des Bischofs der EmK in Sierra Leone, und sollte vor allem auch die Interessen der in Zentralkonferenzen organisierten Teile der EmK außerhalb der Vereinigten Staaten zu Gehör bringen. Zu ihr gehörten Vertreter der EmK aus Europa, Afrika und den Philippinen sowie aus den Vereinigten Staaten. Außerdem waren Meinungsführer unterschiedlicher Interessengruppen an diesen Gesprächen beteiligt. Unter Anleitung eines hochrangigen Mediators, der in den USA schon viele komplizierte Mediationsprozesse begleitete, einigte sich die Gruppe auf den Vorschlag, der der Generalkonferenz zur Beratung und Beschlussfassung vorgelegt werden soll. Dieser Vorschlag zur geordneten Trennung sei »das beste Mittel, um unsere Differenzen zu lösen« heißt es in der veröffentlichten Erklärung. Jeder Teil der Kirche könne so »seinem theologischen Verständnis treu bleiben und gleichzeitig die Würde, Gleichheit, Integrität und den Respekt gegenüber jeder Person bewahren«.

Eröffnung eines respektvollen Weges

Wenig überrascht von diesen Entwicklungen zeigt sich in einer ersten Reaktion Stefan Schröckenfuchs, Superintendent der EmK Österreich. Als einer der Delegierten der Generalkonferenz 2019 habe er erlebt, wie sehr sich dieser Konflikt in der weltweichen Kirche manifestiert hatte. Eine Trennung wird seither von vielen Teilen der Kirche als unvermeidlich angesehen. Der Versuch, den Weg der Trennung in einer Haltung des gegenseitigen Respekts zu gehen, müsse daher wohl als die bestmögliche Variante angesehen werden, „auch wenn es schmerzt zu sehen, dass die Einheit der weltweiten UMC an dieser Frage scheitert". Unmittelbare Auswirkungen auf die Arbeit der EmK in Österreich erwartet er allerdings nicht, so Schröckenfuchs. „Jetzt gilt es erst einmal abzuwarten, welche Beschlüsse die Generalkonferenz 2020 tatsächlich fasst, und wie wir damit dann auf europäischer Ebene umgehen können.“

Quellen: Emk.de, EmKÖ

Wortlaut des Protokolls (pdf)