In der Nähe von Rom tagte der Europäische Rat methodistischer Kirchen. Das Engagement der italienischen MethodistInnen ist beispielhaft.

Mitte September traf sich der Europäische Rat Methodistischer Kirchen (European Methodist Council, EMC) im »Centro Ecumene« in Velletri, einem malerischen Ort südöstlich von Rom. Gastgeberin der Tagung war die Methodistische Kirche in Italien, die dort mit der waldensischen Kirche in einer Kirchengemeinschaft verbunden ist. In der engen Zusammenarbeit dieser beiden Kirchen ist die frühere Präsidentin der gastgebenden italienischen Methodisten, Alessandra Trotta, seit Ende August als erste Methodistin auch Leiterin der »Tavola Valdese«, in der Methodisten und Waldenser ihre Beziehungen zum Staat und zu ökumenischen Organisationen gemeinsam vertreten.

Rettungsdecken als Botschaft der Offenheit

Wichtiger Bestandteil der Ratstagung ist das Kennenlernen der einladenden Kirche, um einen Eindruck zu bekommen, wie methodistische Arbeit in den verschiedenen europäischen Kontexten aussieht. In der methodistischen Gemeinde in Rom wurden die Internationalität und die politische Position deutlich, einladende Kirche zu sein und für eine offene Gesellschaft einzutreten. Momentan drückt die Gemeinde das durch aufgehängte goldene Rettungsdecken aus, die mit dem Schriftzug »Io accolgo«, versehen sind, was auf Deutsch »Ich heiße willkommen« bedeutet.

Die Methodistische Kirche in Italien engagiert sich enorm und kenntnisreich in der Arbeit mit Geflüchteten. Im Rahmen der Ratstagung wurde dies auch gewürdigt, indem die Vereinigung protestantischer Kirchen Italiens für ihr Programm »Humanitärer Korridor« als regionaler Gewinner für Europa mit dem »Nansen-Flüchtlingspreis« von der UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR (United Nations High Commissioner for Refugees), ausgezeichnet wurde. Mit dem Preis werden diejenigen geehrt, die außergewöhnliche Anstrengungen unternommen haben, um gewaltsam Vertriebene und Staatenlose zu unterstützen. In weniger als vier Jahren wurden mehr als 2.000 Menschen auf legale Weise mit einem humanitären Visum in der Hand über humanitäre Korridore nach Italien und 350 weitere nach Frankreich gebracht. Aus den regionalen Preisempfängern wird Anfang Oktober dieses Jahres der Gesamtgewinner des prestigeträchtigen und mit 100.000 US-Dollar dotierten Preises gekürt.

Ratsmitglieder verabschieden Klimaversprechen

Das hochaktuelle Thema Klimawandel und Klimaschutz wurde während der Ratstagung aus theologischer Sicht erörtert und für den Erhalt der Schöpfung gebetet. Um es nicht bei Erörterungen zu belassen, wurden von den Ratsmitgliedern sechs Klimaversprechen verabschiedet. Diese haben zum Ziel, die Arbeit im Rat klimafreundlicher zu gestalten und darüber hinaus auch in die Mitgliedskirchen auf nachhaltigeren Umgang mit Ressourcen hinzuwirken. So verpflichten sich die zum Rat gehörenden Kirchen, in ihren Bereichen Nachhaltigkeitsstandards zu schaffen und einen Plan zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen zu entwickeln. Außerdem verpflichten sie sich, den CO2-Fußabdruck der kirchlichen Organisationsbüros zu messen und zu reduzieren. Darüber hinaus sollen bei Tagungen des Rates konsequent wiederverwendbare und nachwachsende Materialien verwendet werden, und auf nicht biologisch abbaubare Materialien und Einwegkunststoffe soll verzichtet werden. Nicht zuletzt sollen Organisation und Unterlagen der Ratstagungen konsequent papierlos organisiert werden.

Anteilnahme und Betroffenheit

In Zeiten drohender Kirchenspaltungen und des Brexits wird deutlich, wie wichtig und wohltuend Beziehungen über Länder- und Kirchengrenzen hinweg sind. Daher freut sich der Europäische Rat Methodistischer Kirchen auch sehr auf die Methodistische Weltkonferenz, die im August 2021 im schwedischen Göteborg stattfinden wird. Diese Konferenz ist die alle fünf Jahre stattfindende Vollversammlung des Weltrats Methodistischer Kirchen, bei der rund 3.000 interessierte Methodisten aus der ganzen Welt erwartet werden. Für die europäischen Methodisten ist es eine große Ehre, die methodistische und wesleyanische Weltgemeinschaft zu Gast zu haben.

Im Weiteren beschäftigten sich die Mitglieder des Rats mit Nachrichten aus Großbritannien angesichts des Brexits und über die innerhalb der Evangelisch-methodistischen Kirche vieldiskutierten Fragen im Nachgang zur außerordentlichen Generalkonferenz vom Frühjahr dieses Jahres. Beide Berichte wurden mit Anteilnahme und Betroffenheit gehört und Begleitung durch Gebet in den zum Rat gehörenden Kirchen zugesagt. Ganz praktisch wurde dies auch gleich durch intensive Gebetsgemeinschaften während der Ratstagung.

Turnusmäßig wurde das Präsidium neu gewählt. Harald Rückert, Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland, und Doug Swanney von der Methodistischen Kirche in Großbritannien teilen sich für die nächsten vier Jahre als Kovorsitzende die Leitung der Ratssitzungen.

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