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Entstehung der Methodistischen Bewegung

Am Anfang stand eine Erneuerungsbewegung

Der Methodismus ist nicht aus einem kirchlichen Lehrstreit hervorgegangen. Er verdankt seine Entstehung der Überzeugung, dass das Christentum nicht in erster Linie eine Sammlung von richtigen Glaubenssätzen ist, sondern ein neues Leben bedeutet. Dieses neue Leben kann jeder Mensch ohne Ansehen der Person, der nationalen Herkunft oder persönlicher Umstände durch die Gnade Jesu Christi beginnen.

Im 18. Jahrhundert wandten sich viel Menschen von den christlichen Kirchen ab, weil sie des endlosen und oft genug rechthaberischen Streits um Glaubenssätze müde geworden waren. Die Aufklärung bot mit ihrer Betonung der Freiheit, vor allem aber mit ihrem optimistischen Glauben an die moralischen und geistigen Fähigkeiten des Menschen eine überaus anziehende Alternative. In England, wo diese Entwicklung weiter fortgeschritten war als in anderen Teilen Europas, war diese Herausforderung besonders groß.

Innerhalb der Kirche von England entstand eine Erneuerungsbewegung, der es nicht so sehr um eine Reformation der Kirche ging, sondern vielmehr um eine Erneuerung des Lebens und der sozialen Strukturen einer in Armut lebenden Bevölkerungsschicht. Die Menschen in dieser Bewegung, die „Methodisten“ genannt wurden, wollten nach den Grundsätzen des Evangeliums leben und nahmen sich besonders der sozialen Frage an.

Der Name „Methodisten“

Der Name „Methodisten“ war im 18. Jahrhundert in England die spöttische und abfällige Bezeichnung für Menschen, die ihren christlichen Glauben besonders ernst nahmen und sich durch eine disziplinierte Lebensweise auszeichneten. Ihre Frömmigkeit hatte „Methode“.

Ursprünglich wurde der Name „Methodisten“ einer Gruppe von Theologiestudenten an der Universität Oxford gegeben, die mit großem Eifer versuchten, ein streng geregeltes Leben nach christlichen Idealen zu führen. John Wesley war einer von diesen Studenten.

John Wesley und die methodistische Bewegung

John Wesley (*1703 in England) gilt zusammen mit seinem Bruder Charles als Begründer der Methodistischen Bewegung. John Wesley wandte sich v.a. an die sozial schwache Arbeiterbevölkerung, der die Kirche nichts zu sagen hatten, und setzte sich für die Beseitigung sozialer Missstände ein. Als Wesley starb gab es bereits 135.000 Methodistinnen und Methodisten. Heute gehören den methodistischen Kirchen weltweit 80 Millionen Menschen an.

John Wesley war ein Geistlicher der Kirche von England, der zur Zeit, als Maria Theresia und Josef der II. in Österreich herrschten, eine überaus wirksame missionarische Arbeit in England, Irland, Schottland und Wales durchführte. Bedingt durch die Aufklärung und die beginnende industrielle Revolution befand sich das Königreich Großbritannien in einem Zustand des religiösen und gesellschaftlichen Wandels. Eine wachsende Armut, verbunden mit einer großen Arbeitslosigkeit in den Städten, die Ausbeutung der Arbeiterbevölkerung und auch der Kinder und die schlimmen Folgen vor allem des Alkoholmissbrauchs waren Kennzeichen dieser Zeit. John Wesley wandte sich an die sozial schwache Arbeiterbevölkerung, der die Kirche nichts zu sagen hatten. Er predigte auf Strassen und Plätzen und auf offenem Feld.

Zentrales Thema seiner Verkündigung war der Aufruf zu einem geheiligten Leben in Liebe und im Dienst an den Mitmenschen. Wesleys beständiger Kampf für die Beseitigung sozialer Missstände blieb für den Methodismus bis heute bestimmend. So hat Wesley zum Beispiel auch wesentlich dazu beigetragen, dass England als erstes Land den Sklavenhandel durch einen Parlamentsbeschluss verbot.

Überall im Land entstanden methodistische Gemeinschaften mit eigenen Versammlungen, die aber Teil der Kirche von England blieben. Der Sonntagsgottesdienst und die Sakramente sollten weiterhin in den Kirchen gefeiert werden. Methodistische Christinnen und Christen haben unter anderem Sonntagsschulen für Kinder ins Leben gerufen, Bildungsmöglichkeiten für Erwachsene geschaffen, Arbeiterhilfsorganisationen initiiert und wesentlich an der Gründung der Gewerkschaften in England mitgewirkt. Der Methodismus begann als eine Erneuerungsbewegung unter einfachen Leuten. Und er war eine Laienbewegung. Laienprediger sprachen die Sprache des einfachen Volkes, nicht die vornehme Sprache der Mittelschicht oder des Adels. John Wesley erlaubte auch Frauen, öffentlich in den methodistischen Versammlungen zu sprechen.

Die methodistische Bewegung breitete sich rasch in viele Länder der Welt aus.

Aus der Bewegung wird eine Kirche

John Wesley wollte keine neue Kirche gründen, sondern er wollte den Menschen, die von der Kirche nicht erreicht wurden, dienen. Entscheidend für die Bildung einer eigenen Kirche wurde die Situation in Amerika nach dem Ende des Unabhängigkeitskrieges.

Die methodistische Erneuerungsbewegung wurde durch Auswanderer in die englischen Kolonien Nordamerikas gebracht. 1783 kam es zur Unabhängigkeit der 13 anglo-amerikanischen Kolonien von England. Dadurch verlor auch die Kirche von England ihre Rechte in den ehemaligen Kolonien und berief alle Geistlichen zurück nach England.

John Wesley wies auf die traurige Situation in diesem kirchlichen Niemandsland hin, wo die seelsorgerliche Betreuung schon während der Befreiungskriege völlig zusammengebrochen war. Da sich die Kirche von England, gebunden an die englische Krone, angesichts der neuen Situation als nicht in der Lage zeigte, die geistliche Betreuung der Bevölkerung in Nordamerika zu gewährleisten, entschloss sich Wesley zu handeln. Er ordinierte zwei Männer für den Dienst und bestimmte einen weiteren anglikanischen Priester zum Superintendenten für Amerika. So kam es, dass sich die methodistische Bewegung im Nordamerikanischen Staatenbund im Jahre 1784 in Baltimore als selbständige Kirche organisierte.

Die Kirche erhielt später den Namen Bischöfliche Methodistenkirche. Seite 1968 trägt sie den Namen „United Methodist Church“, im deutschsprachigen Raum „Evangelisch-methodistische Kirche".

Im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts entstanden von den USA und Großbritannien aus weitere methodistische Kirchen in aller Welt, die teilweise unabhängig wurden, teilweise aber auch in enger Verbindung mit den Mutterkirchen in Großbritannien und den USA blieben.

Methodistische Kirchen findet man heute in fast allen Ländern der Welt. Alle methodistischen Kirchen arbeiten im Weltrat Methodistischer Kirchen zusammen. Sie sind ein Teil der einen „heiligen, christlichen Kirche“, die sie gemeinsam mit allen Christinnen und Christen im Apostolischen Glaubensbekenntnis bekennen. Weil sie glauben, dass der Herr der Kirche, Jesus Christus, alle Glaubenden zum Einssein ruft, streben sie nach Einheit im Glauben, im Zeugnis und im Dienst. Darum kann jede und jeder ohne Rücksicht auf Hautfarbe, nationale Herkunft und wirtschaftliche Stellung an ihrem kirchlichen Leben teilnehmen.

Geschichte der EmK in Österreich

Im Jahr 1870 wurde erstmals in Wien mit methodistischer Arbeit begonnen – in einer Zeit, in der es in Österreich noch wenig Religionsfreiheit gab. 1951 wurde sie staatlich anerkannt. Heute gibt es Gemeinden in Bregenz, Graz, Linz, Ried im Innkreis, Salzburg, Sankt Pölten und Wien – in Wien darunter eine englisch-sprachige und eine koreanisch-sprachige Gemeinde.

Der deutschsprachige Methodismus ist nicht in Europa, sondern in Amerika entstanden. Im 19. Jahrhundert sind auf Grund der vielen deutschen Einwanderer, die ihre geistliche Heimat in den Methodistenkirche fanden, viele deutschsprachige Gemeinden und Werke entstanden. Diese Auswanderer erwirkten, dass methodistische Prediger nach Deutschland gesandt wurden, um Vorurteile abzubauen und das methodistische Verständnis des Evangeliums und der Glaubensfreiheit den Menschen in der alten Heimat nahe zu bringen. Auf diesem Weg, aber auch von England her, kam der Methodismus zunächst nach Deutschland und von dort schließlich auch nach Österreich, wo zu dieser Zeit die Religionsfreiheit noch sehr gering ausgeprägt war.

Im Jahr 1870 begann der Prediger Christian Dieterle mit diesem gewagten Projekt einer methodistischen Freikirche, der zunächst nur die „häusliche Religionsausübung“ gestattet wurde und die deshalb immer wieder mit staatlichen Repressionen zu kämpfen hatte. Bereits 1892 bemühte sich die methodistische Kirche um staatliche Anerkennung, die aber erst im Jahre 1951 gewährleistet wurde. Vor allem nach den beiden Weltkriegen entstanden durch eine umfangreiche Sozialarbeit, Flüchtlingsfürsorge und durch Hilfsaktionen weitere Gemeinden. 1963 entstand in Linz das Diakonie Zentrum Spattstrasse, das heute mit über 500 Mitarbeitern in Ober- und Niederösterreich im v.a. Bereich der Jugendwohlfahrt tätig ist.

Das Bild der Gemeinden hat sich in den letzten Jahren verändert. Durch die Arbeit mit Flüchtlingen, aber auch den Zuzug von Menschen aus dem Ausland sind fast alle Gemeinden internationaler und bunter geworden.