Vor 30 Jahren wurden erstmals zwei Buben mit Behinderung in einer Schule von einer schulfremden Person begleitet. Das war der Beginn der Schulassistenz in Oberösterreich. Kinder mit Behinderung bekommen in der Schule Unterstützung. Mit Schulbeginn stehen wieder 540 SchulassistentInnen des Diakonie Zentrums Spattstraße an 340 Schulen in ganz Oberösterreich im Einsatz. Andrea Schwarz ist eine von ihnen. Sie betreut fünf Kinder mit Behinderung bzw. Entwicklungsverzögerung an der Volksschule Ottensheim. Mit ihrer Unterstützung ist es möglich, dass die Integrationskinder hier einfach dazugehören und lernen können wie alle anderen auch.

Es ist ruhig in der 2a. Die Kinder arbeiten konzentriert an den Aufgaben in ihren Heften. Klassenlehrerin Elke Forst hat gerade aus einem Buch vorgelesen. Schulassistentin Andrea Schwarz reagiert aufmerksam auf die Signale ihrer fünf Schützlinge. Die 8-jährige Sumaia erledigt ihre Aufgaben in ihrem Heft. Die Schulbank der zarten Schülerin ist höher als die anderen Schulbänke in der Klasse. So kann sie, in ihrem Rollstuhl sitzend, gut arbeiten. Sumaia lebt mit Tetraplegie, einer Form der Querschnittlähmung, bei der sowohl Arme als auch Beine betroffen sind. Sumaia braucht Hilfe und hebt suchend den Blick. Schon kommt ihre Assistentin zu ihr. Die beiden verständigen sich leise und nach ihrer Erklärung lächelt die Assistentin ihrer Schülerin ermutigend und nickend zu. Wenige Minuten später läutet die Glocke zur Pause. Die Kinder gehen zu ihren Schultaschen, die ordentlich aufgereiht vor der Klasse stehen. Sumaias Schultasche hängt am ihrer Schulbank. Die Assistentin holt für Sumaia die Jause aus der Schultasche. Eine Klassenkameradin steht schon wartend hinter dem Rolli und schiebt Sumaia summend aus der Klasse zum Pausenbereich vor der Tür. Dort plaudern die Mädchen vergnügt und angeregt.

In der nächsten Stunde steht Turnen auf dem Programm. Auch da sind Sumaia und ihre Assistentin natürlich mit dabei. Während die MitschülerInnen in Zweierreihe die Stiege hinuntergehen, fahren Sumaia und Andrea mit dem Lift. Im Foyer wechselt Sumaia vom Rollstuhl auf ihren Gehwagen. Im Turnsaal ist dem zarten Mädchen die Anstrengung im Gesicht anzumerken, ebenso wie den meisten MitschülerInnen. Hier gehört sie einfach dazu und dass sie mit ihrer Behinderung lebt, ist für sie ebenso selbstverständlich wie für ihre KlassenkameradInnen. Andrea ist aufmerksam in der Nähe der Integrationskinder und unterstützend da, wo die Behinderung sie daran hindern würde, mitzumachen.

Klassenlehrerin Elke Forst und Sonderpädagogin Judith Kreiner sind sich einig: „Andrea Schwarz ist unsere Perle. Sie ist eine große Unterstützung in der Klasse. Sie nimmt wahr, welches Kind gerade Unterstützung braucht und was zu tun ist. Wir haben großes Glück mit ihr.“ Die beiden Pädagoginnen bilden mit Schulassistentin Andrea Schwarz ein eingespieltes Team. Das ist spürbar. Sie verständigen sich leise und unaufgeregt. Mit Blicken und Gesten und über die Bankreihen hinweg sind sie aufmerksam miteinander verbunden und in Austausch. Es wirkt, als würden sie die entspannte Stimmung tragen, in der Kinder mit und ohne Behinderung hier in der Klasse mit Freude lernen und zusammen sind.

Die Corona-Krisenzeit hat im vergangenen Semester dieser ruhigen und vertrauten gemeinsamen Lernatmosphäre an der Schule ein jähes Ende bereitet. Den Kindern hat die Schule gefehlt, der strukturierte Alltag, die MitschülerInnen und die gemeinsamen Erlebnisse. Viele Eltern konnten zu Hause ihre Kinder nicht in dem Ausmaß unterstützen, wie sie es gebraucht hätten. Als die Schulen im Mai wieder geöffnet wurden, wurde die Klasse geteilt, um die Ansteckungsgefahr für die besonders gefährdeten Kinder zu reduzieren. Sonderpädagogin Judith Kreiner übersiedelte mit Sumaia, drei weiteren Integrationskindern und Schulassistentin Andrea Schwarz und in einen freien Raum der Nachmittagsbetreuung. „Es war schön in der kleinen Gruppe zu lernen. Aber ich hoffe, dass wir im Herbst wieder alle gemeinsam in der Klasse sein können. Ich vermisse meine Freundinnen und ich möchte bei den anderen sein. Wir gehören zusammen“, meint Sumaia.

„Auch die Kinder, die in der Klasse geblieben sind, vermissen ihre vier MitschülerInnen, die gesondert unterrichtet wurden“, erzählt Schulassistentin Andrea Schwarz. Die Freude der Kinder auf die Begegnungen ist für die Assistentin eine klare Bestätigung dafür, dass Integration hier gelingt und Kinder mit Behinderung ganz einfach dazugehören.

Factbox:
Im Schuljahr 2019/2020 beschäftigt das Diakonie Zentrum Spattstraße 540 AssistentInnen an 340 Schulen im gesamten Bundesland. Der überwiegende Teil dieser Assistenz wird von Frauen geleistet. Finanziert wird die Assistenz aus Mitteln des Landes OÖ, Abteilung Bildung und Gesellschaft sowie Abteilung Soziales. Begleitet werden Schülerinnen und Schüler an Pflichtschulen und Höheren Schulen mit

• Mehrfachbehinderung
• Cerebrale Bewegungsstörungen
• Hör- und Sehbehinderung
• Morbus Down
• Lernbehinderung
• Entwicklungsverzögerung
• Autismusspektrumsstörung
• ADS / ADHS
• sozialen Schwierigkeiten
• usw.

 

Stundenzuteilung
Die Stundenzuteilung erfolgt in den öffentlich rechtlichen Schulen durch die Schulleitung über die Bildungsregion bzw. die Zentren für Inklusiv- und Sonderpädagogik. Für alle anderen Schultypen ist eine Antrag der Erziehungsberechtigten bei der Bezirkshauptmannschaft des Wohnortes erforderlich.

Weitere Infos:
http://assistenz.ooe.gv.at
https://www.spattstrasse.at/unser-angebot/assistenz-fuer-schuelerinnen

Kontakt
Diakonie Zentrum Spattstraße
Mag. Eva Rumplmayr Leitung Assistenz von SchülerInnen
Telefon: +43 732 34 92 71 - 17
E-Mail: eva.rumplmayr@spattstrasse.at