Lokalpastor Frank Moritz-Jauk: "Bevor ich hier den Bericht der EmK Deutschland veröffentliche, eine kurze Begründung: Dorothea Lorenz ist einigen von uns bekannt, da sie als Gastdelegierte der Süddeutschen Konferenz bei unserer Jährlichen Konferenz in Linz war. Das war im Jahr 2012 und daher dachte ich, es ist schön zu lesen, was aus ihr geworden ist oder jetzt werden wird."

Harald Rückert, der für Deutschland zuständige Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK), beruft Dorothea Lorenz zur Superintendentin für den Distrikt Stuttgart. Die 49-Jährige ist derzeit noch Pastorin des Gemeindebezirks Tübingen und wird ihr neues Amt Mitte kommenden Jahres antreten. Im Amt der Superintendentin wird sie die Nachfolge von Siegfried Reissing antreten. Dieser ist noch bis kommendes Jahr als Superintendent für den Stuttgarter Distrikt zuständig und wird nach dann zehnjähriger Amtszeit in eine neue Aufgabe wechseln.

Zeltlager und Kinderkirche als Glaubensimpulse

»Jeden Donnerstag hat unser Pfarrer sich zweieinhalb Stunden Zeit genommen, um mit dem Kinderkirchenteam den Sonntag vorzubereiten«, erzählt Dorothea Lorenz aus ihrer Teenagerzeit. Die gebürtige Stuttgarterin wuchs in der Nähe von Herrenberg auf und war in der evangelischen Landeskirche beheimatet. Dort empfing sie während Zeltlageraufenthalten und vor allem in der Kinderkirchenarbeit viele Glaubensimpulse. »Diese Zeit hat mich sehr geprägt«, ist Lorenz rückblickend immer noch dankbar für das Engagement dieses Pfarrers und der damaligen Vikarin. Diese sei für sie damals schon ein echtes Vorbild für eine Frau in pastoraler Verantwortung gewesen. Für die designierte Superintendentin war »diese Zeit damals der Anstoß dafür, dass ich Theologie studierte«.

Hohe Identifikation mit der EmK

Nach dem Schulabschluss und mehrmonatigen Auslandsaufenthalten mit sozialen Engagements in den Vereinigten Staaten und Frankreich bereitete sich Lorenz im Stuttgarter Sprachenkolleg auf das Theologiestudium vor. Dort begegnete sie zum ersten Mal zwei Methodisten, von denen einer ihr späterer Ehemann werden sollte. Das habe zur Frage geführt, in welcher Kirche sie zusammen eine Heimat haben könnten. Mit wechselnden Gottesdienstbesuchen in verschiedenen Gemeinden versuchte das junge Paar dies herauszufinden. »Da haben die Methodisten bei mir gepunktet«, erzählt Lorenz anerkennend. In den EmK-Gemeinden in Stuttgart sei sie »auf eine echt feine Art« angesprochen worden. »Das hat mich beeindruckt und dann zum Wechsel bewogen.« Die hohe Identifikation »mit der EmK« ist Lorenz in allem abzuspüren, was sie aus ihren ersten Begegnungen mit Methodisten und ihrer späteren pastoralen Arbeit erzählt.

Nach dem Ende des Theologiestudiums in Mainz, Tübingen und Reutlingen inklusive eines einjährigen Gemeindepraktikums im Gemeindebezirk Reutlingen-Erlöserkirche legte die junge Mutter eine Babypause ein. Für den seitens der Kirche ermöglichten Einstieg in den pastoralen Dienst im Gemeindebezirk Nagold findet die Mutter von inzwischen drei Kindern im Alter von 16 bis 22 Jahren anerkennende Worte. Das dafür entwickelte Teilzeitmodell »war eine tolle Chance in der Familiensituation«. Nach der Ordination im Jahr 2011 und insgesamt sechs Jahren Gemeindedienst in Nagold wechselte Lorenz als Pastorin in den Gemeindebezirk Tübingen.

Vernetzung als bereichernde Arbeitsweise

In ihrer neuen Aufgabe freut sich die passionierte Chorsängerin auf »viele Begegnungen und Kontakte mit Kolleginnen und Kollegen und mit den Gemeinden bei den Besuchssonntagen. Ihr sei aber auch bewusst, »dass in diesem Amt auch immer Konflikte zu lösen sind«. Deshalb wolle sie sich in der einjährigen Vorbereitungszeit bis zur Amtsübernahme schulen lassen, »damit ich konstruktiv mit Konflikten umgehen kann«. Aus ihrer jetzigen Sicht als Gemeindepastorin sieht sie in ihrem neuen Amt auch die große Chance der Vernetzung. Der pastorale Dienst sei häufig »ein einsamer Beruf«. Es werde vieles alleine gemacht, »obwohl wir das gar nicht müssten«, weist Lorenz auf ein Handicap hin. Die »Corona-Zeit« habe allerdings viele positive Ansätze offenbart. Sie habe in den zurückliegenden Wochen mit zwei anderen Gemeindebezirken zusammen Internetgottesdienste samt Begleitmaterial vorbereitet. »Da zehre ich total von«, erzählt sie begeistert. Zu dieser bereichernden Arbeitsweise und Erfahrung wolle sie in ihrem neuen Amt animieren. »Wir vergeben uns manche Chancen, wenn wir das nicht in unsere Praxis einbeziehen«, ist Lorenz überzeugt.

Menschen erreichen, die nicht nach Gemeinde suchen

Eine große Herausforderung für die Kirche insgesamt sieht die ab dem kommenden Jahr von Stuttgart aus agierende Superintendentin in der Mobilität der modernen Gesellschaft. »Wie erreichen wir Menschen, die so mobil sind, dass sie nach einigen Wohnortwechseln nicht mehr nach einer Gemeinde suchen?« fragt Lorenz. Das sei für den pastoralen Dienst und die Ortsgemeinden eine große Aufgabe. Mit den Gemeinden und den Kollegen und Kolleginnen dafür Wege zu entdecken, sei ihr ein großes Anliegen. Diesem neuen Lebensabschnitt werde sie sich mit ganzer Kraft widmen. »Dafür bin ich richtig motiviert.«

Online durchgeführte Nomination

Die Nominationswahl für die Nachfolge von Superintendent Siegfried Reissing fand in einem online durchgeführten Nominationsverfahren statt, weil die ursprünglich für Mitte Juni geplante mehrtägige Süddeutsche Jährliche Konferenz verschoben werden musste. Die eintägige Kurzkonferenz im September hätte für ein ordentliches Nominationsverfahren keinen Raum geboten. Bischof Harald Rückert ist dankbar dafür, »dass es auf diese Weise möglich war, die Berufung im üblichen Zusammenspiel von Jährlicher Konferenz und Bischof vorzunehmen«. Er weist darauf hin, dass Dorothea Lorenz im laufenden Konferenzjahr weiterhin Pastorin des Gemeindebezirks Tübingen bleiben und ihre Kraft in die Arbeit mit der Gemeinde investieren werde. Zugleich gelte es für sie, sich auf das neue Amt vorzubereiten. Bischof Rückert bittet darum, Dorothea Lorenz mit ihrem Ehemann und den Kindern in dieser anstrengenden Übergangszeit im Gebet zu begleiten.
Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK Öffentlichkeitsarbeit