Die EMK in Mittel- und Südeuropa ist von den Auswirkungen der aktuellen Pandemie betroffen – und ebenso stellen bevorstehende Entscheidungen zu Fragen der menschlichen Sexualität die vielfältigen Beziehungen auf den Prüfstand.

Vom 11. bis 13. März 2021 fanden verschiedene Treffen von Verantwortlichen der EMK in Mittel- und Südeuropa statt. Es war den noch immer einschneidenden Reisebeschränkungen geschuldet, dass die Begegnungen nur in elektronischer Form stattfinden konnten. Doch die Berichte aus den verschiedenen Ländern machten deutlich, wie schwierig die aktuelle Situation im Blick auf das Coronavirus angesichts einer beginnenden dritten Welle vielerorts ist. Anhaltend hohe Krankheits- und Todeszahlen wurden erwähnt, da und dort steht das Gesundheitswesen kurz vor dem Zusammenbruch, Ausgangssperren prägen den Alltag. Es gibt zwar auch im östlichen Mitteleuropa Gebiete, in denen sich die Situation teilweise entspannt hatte (so z.B. Bulgarien oder Rumänien); Pastor Wilfried Nausner, Superintendent der EMK in Albanien, sagte aber auch: «Covid-19 ist einfach eine weitere lebensbedrohliche Angelegenheit…».

In vielen europäischen Ländern durfte die EMK grundsätzlich ihre Gottesdienste während der meisten Zeit durchführen. Allerdings haben Ausgangssperren, Vorschriften zum Abstandhalten sowie die Beschränkung der Personenzahl da und dort dazu geführt, dass die EMK ihren Fokus auf Online-Angebote richtet. Aktuell aber hat zum Beispiel die EMK in Tschechien aufgrund des Kollapses des Gesundheitssystems ihre kirchlichen Veranstaltungen gleich landesweit für zwei Wochen ausgesetzt. An vielen Orten Mittel- und Südeuropas sind alternative Formen des Feierns von Gottesdiensten und der Stärkung der Verbundenheit gefunden worden. Die Verantwortlichen versuchen mit grossem Engagement, Hoffnung zu leben und in den Herzen der Menschen zu wecken. Einerseits werden dank dieser Online-Präsenz viele Menschen auch über den Kreis der EMK hinaus erreicht. Andererseits ist da und dort auch die Frage nach einem Bedeutungsverlust der Kirche in dieser Zeit zu hören – und danach, wie kirchliches Leben nach Corona wohl aussehen könne.

Der Hauptgrund für die Treffen war aber die gesamtkirchliche Situation mit einer Generalkonferenz, die zunächst auf Sommer 2021 verschoben wurde. Kurz vor dem Treffen wurde bekannt, dass eine erneute pandemiebedingte Verschiebung der Generalkonferenz auf Sommer 2022 eintreten wird. Deshalb wurde nun auch die nächste Tagung der Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa auf die Zeit vom 16. bis 20. November 2022 verschoben. Dann soll auch die Wahl einer Nachfolgerin oder eines Nachfolgers von Bischof Patrick Streiff stattfinden. Der Nominationsprozess im Blick auf diese Wahl soll an den Tagungen der Jährlichen Konferenzen im ersten Halbjahr 2022 erfolgen.

Gesprächen über eine mögliche Trennung der EMK aufgrund der unterschiedlichen Haltung im Blick auf Fragen der menschlichen Sexualität und insbesondere der Definition der «Ehe» wurde viel Raum gewährt. Auch die Bischöfe Christian Alsted (Nordeuropa/Baltikum), Eduard Khegay (Eurasien) und Harald Rückert (Deutschland) waren zeitweise zugeschaltet, um von ihrer Situation zu berichten – letzterer insbesondere auch im Blick auf den herausfordernden Prozess des Runden Tisches und dessen Ergebnisse in der Zentralkonferenz Deutschland. In den Gesprächen unter den Mitgliedern des Exekutivkomitees von Mittel- und Südeuropa zeigte sich erneut, dass in manchen Ländern die Überzeugungen im Blick auf Homosexualität und Ehe unzweideutig traditionell bleiben werden. Andererseits wurde auch klar, dass die Zukunft der EMK in der Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa nicht auf dem Fundament eines Positionsbezugs in einer strittigen Frage gebaut werden kann, sondern dass es ein Gespräch braucht über die Erneuerung der gegenseitigen Verpflichtung und dem Formulieren einer gemeinsamen Vision für die EMK in Mittel- und Südeuropa und in Europa als Ganzes. Deshalb wurde mehrheitlich die Bildung einer entsprechenden Gesprächsgruppe befürwortet, welche die durch die Terminverschiebungen «gewonnene» Zeit nutzen soll, um im Blick auf das gemeinsame Kirchesein insbesondere darüber nachzudenken, was uns eint, welchen Auftrag wir gemeinsam viel besser als getrennt leben können, und wie wir respektvoll mit bleibenden Unterschieden umgehen wollen.