Von 11.-15. März findet die Exekutivtagung der Zentralkonferenz Mittel- und Südeuropa (MSE) der Evangelisch-methodistischen Kirche (United Methodist Church) in Wien-Fünfhaus statt

Albanien, Bulgarien, Frankreich, Makedonien, Österreich, Polen, Rumänien, Schweiz, Serbien, Slowakische Republik, Tschechische Republik, Ungarn,… die Liste der Länder, die zur Zentralkonferenz (Diözese) der EmK in Mittel- und Südeuropa gehören, ist lang und schließt mit Algerien und Tunesien sogar nordafrikanische Staaten ein. Entsprechend vielfältig sind die Ausdrucksformen kirchlichen Lebens in dieser Region, die von Bischof Dr. Patrick Streiff beaufsichtigt wird. Mitte März treffen sich Delegierte aus den Jährlichen Konferenzen (Synoden) dieser Länder zur Exekutivtagung der Zentralkonferenz.

Spannungen in der weltweiten Kirche

Die diesjährigen Exekutivsitzung findet im Vorfeld der Generalkonferenz statt, die im Mai in Minneapolis (Minnesota, USA) stattfinden wird. Angesichts des innerhalb der weltweiten Kirche bestehenden Konflikts über unterschiedliche Einschätzungen von praktizierter Homosexualität zeichnet sich innerhalb der UMC ein Prozess der Trennung ab. Im Rahmen eines Mediationsprozesses wurde ein Vorschlag erarbeitet, der die Gründung einer traditionell-konservativ geprägten methodistischen Denomination ermöglichen soll. Gemeinden, aber auch Jährliche Konferenzen und Zentralkonferenzen soll demzufolge die Möglichkeit gegeben werden, sich dieser neuen Denomination anzuschließen. Derzeit ist jedoch weder einzuschätzen, ob dieser Vorschlag tatsächlich angenommen wird, noch wie sich der Prozess der Trennung regional auswirken würde. Patrick Streiff, Bischof der Methodistenkirche in Mittel- und Südeuropa, hält es jedenfalls für wahrscheinlich, dass der Vorschlag umgesetzt wird: «Es ist gut möglich, dass die Delegierten der Generalkonferenz sich für diese Mediationslösung entscheiden».

Auch innerhalb der Zentralkonferenz MSE gibt es unterschiedliche Positionen im Blick auf den Umgang mit gleichgeschlechtlich Liebenden. Bereits seit Sommer 2019 beschäftigt sich deshalb eine Studiengruppe der Zentralkonferenz MSE mit der Frage, wie eine gemeinsame Zukunft aussehen kann. Anlass dafür waren die Entscheidungen der ausserordentlichen Generalkonferenz 2019. An jener Konferenz wurde mit knapper Mehrheit das Verbot von Segenshandlungen für Homosexuelle bzw. die Ordination praktizierender Homosexueller weiter verschärft.

Angesichts des nun vorliegenden Mediationsprotokoll ist es wahrscheinlich, dass die Generalkonferenz 2020 eine deutlich veränderte Situation schaffen wird. Neben der Schaffung einer neuen, konservativen Denomination ist zu erwarten, dass innerhalb der bestehenden United Methodist Church künftig regional unterschiedliche Regelungen im Blick auf Segnung bzw. Ordination Homosexueller möglich sein werden.

In der Sitzung der Studiengruppe im Februar 2020 in Budapest wurde diese veränderte Situation gemeinsam reflektiert. Die Studiengruppe hat letztlich aber bekräftigt, am ursprünglichen Auftrag festzuhalten: Die Mitglieder wollen «nach Wegen suchen, damit so viele Länder und Jährliche Konferenzen wie möglich einen gemeinsamen Weg in der Zentralkonferenz finden», heisst es im Schreiben der Studiengruppe, in dem sie von ihrer Arbeitet berichtet. Dafür wird die Studiengruppe der Exekutive weitere Schritte vorschlagen. Dieses soll dann noch vor Ende 2020 Vorlagen für Beschlüsse an alle Delegierten der Zentralkonferenz im März 2021 versenden.

Bevorstehende Bischofswahl

Im Jahr 2021 endet auch die Amtszeit von Bischof Dr. Patrick Streiff. Die Delegierten der Zentralkonferenz 2021 haben somit die Aufgabe, eine neue Bischöfin oder einen neuen Bischof wählen. Die Arbeitsgruppe „Bischofsamt“ hat bereits Nominationsverfahren, Stellenbeschreibung und Profil für eine*n Bischof*in erarbeitet und wird dies den Delegierten der Exekutive vorlegen. Das Nominationsverfahren sieht u.a. vor, dass alle stimmberechtigten Mitglieder der Jährlichen Konferenz Kandidat*innen für das Bischofsamt vorschlagen können. Jede*r ordinierte Älteste der EmK in Mittel- und Südeuropa ist grundsätzlich wählbar.

Auf der Tagesordnung der Exekutive stehen weiters Berichte der Arbeitsgruppen für Kirchenordnung, Theologie und ordinierte Dienste, Kinder- und Jugend bzw. des Frauendienstes – jener Aufgabenfelder, in denen die Kirchen im Gebiet der Zentralkonferenz gemeinsam tätig sind – sowie aus der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa bzw. der Konferenz Europäischer Kirchen.

Die Methodist*innen in Wien freuen sich auf viele Begegnungen mit den Delegierten der Zentralkonferenz! 

 

Facts zum Methodistischen Konferenzsystem

Die Zentralkonferenz ist jene kirchliche Einheit, in der mehrere Jährliche Konferenzen (Landessynoden) der EmK ausserhalb der USA zusammengeschlossen sind. In Europa gibt es neben der Zentralkonferenz MSE noch die Zentralkonferenz für Nordeuropa und die für Deutschland. Zu den Aufgaben der Zentralkonferenzen, die zu gleichen Teilen aus gewählten Laien- und pastoralen Delegierten zusammengesetzt ist, gehört es, die gemeinsame Arbeit und Mission zu koordinieren, die Kirchenordnung der weltweiten United Methodist Church zu übersetzen und für die lokalen Gegebenheiten zu adaptieren. Ausserdem ist sie für die Wahl einer gemeinsamen Bischöfin bzw. eines gemeinsamen Bischofs zuständig. Die Tagungen der Zentralkonferenz finden in der Regel alle vier Jahre statt, jeweils im Jahr nach der weltweiten Generalkonferenz. Zwischen den Tagungen wird die Arbeit der Zentralkonferenz durch ein Exekutivkomitee wahrgenommen. Die Generalkonferenz (Weltsynode) ist das oberste kirchenleitende Gremium der Evangelisch-methodistischen Kirche und tagt ebenfalls alle vier Jahre. Nur die Generalkonferenz kann Fragen zur weltweiten Ordnung der Kirche entscheiden und beschließen. Deshalb sind die Delegierten gefordert, über Fragen der Fortentwicklung biblischer Lehre, kirchlicher Praxis und gesellschaftlicher Relevanz zu ringen wie es aktuell in der Auseinandersetzung um Fragen zur Homosexualität der Fall war. Je zur Hälfte sind die Delegierten Laien und Pastoren bzw. Pastorinnen. Die Bischöfe nehmen an der Generalkonferenz teil, haben aber kein Rederecht und auch kein Stimmrecht. Nur diejenigen Bischöfe, die als Vorsitzende die Sitzungen der Generalkonferenz leiten, haben Rederecht zur Erfüllung ihrer formalen Aufgabe. Andere Bischöfe haben nur dann Rederecht, wenn es ihnen von den Delegierten ausdrücklich zugestanden wird.

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