Wien (epdÖ) – „Eine zwiespältige Heldin“, die erst „nach und nach hineinwächst“ in die Klarheit, gegenüber den Verbrechen des Nationalsozialismus nicht mehr schweigen zu wollen: So charakterisiert Maria Katharina Moser die Widerstandskämpferin Sophie Scholl, die am 9. Mai ihren 100. Geburtstag gefeiert hätte. In der Sendereihe „Gedanken für den Tag“ auf Ö1 (ab. 3. Mai) widmet sich die Diakonie-Direktorin der protestantisch geprägten Münchner Studentin, die am 18. Februar 1942 mit mehreren Mitstreiter*innen der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ verhaftet und wenige Tage später hingerichtet worden war.
Moser wirft einen Blick hinter die Fassade der „Ikone“ Sophie Scholl, die oft heroisiert werde: Ihr begegne dabei „eine junge Frau mit Widersprüchen: Mitfühlend, manchmal auch unausstehlich, besonders ihrem Freund Fritz gegenüber; tief gläubig und ringend mit ihrem Glauben an Gott; unsicher und zweifelnd, dann wieder von sich selbst überzeugt; eine, die ihren Weg von der Pflichtergebenheit dem Nationalsozialismus gegenüber zur widerständigen Freiheitsliebe erst finden musste.“ Scholl habe zu einer Haltung gefunden, entgegen allem, was ihr das nationalsozialistische System, in dem sie selbst im Bund deutscher Mädel aktiv war, aufzwingen wollte: „Empathie als politisches Gefühl – das ist für mich Sophie Scholls Vermächtnis: Mit wachem Geist und weichem Herzen angesichts von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Armut und Ausgrenzung den Mantel der Gleichgültigkeit zerreißen.“
Zu hören von 3. bis 8. Mai, jeweils um 6.56 Uhr auf Ö1 und danach auf: www.religion.orf.at