Neues YouTube-Format dauert „nur so lange, dass der Kaffee warm bleibt“
St. Pölten (epdÖ) – Zu einer Online-Gottesdienstreihe am Sofa laden im neuen Jahr die evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrer in Niederösterreich. „Sonntag für alle“ (SOFA) heißt das neue Videoformat, bei dem Kurzgottesdienste vom Wohnzimmer des Pfarrhauses aus gefeiert werden, und damit auch auf die Sofas der Userinnen und User kommen. „Das Besondere an SOFA ist: Wir reden von Gott und mit Gott genauso wie wir mit Freundinnen und Freunden reden, wenn wir mit ihnen auf dem Sofa sitzen“, sagt die Mödlinger Pfarrerin Anne Tikkanen-Lippl in einem kurzen Teaser auf YouTube. „Wir sprechen also so, dass es nicht nur die Insider verstehen.“ Damit sollen auch kirchenferne Menschen angesprochen werden. Los geht es am 1. Jänner auf dem YouTube-Kanal der Evangelischen Kirche in Österreich.
Raus aus der „kirchlichen ‚Comfort Zone‘“
Mit den SOFA-Gottesdiensten betrete man durchaus neues Terrain, gesteht der niederösterreichische Superintendent Lars Müller-Marienburg gegenüber dem Evangelischen Pressedienst. Um das Zielpublikum persönlicher anzusprechen bleibe man beim „Du“ und rede frei, halte sich also nicht etwa an Predigtmanuskripte. „Diese Sache mit der Sprache ist sicherlich die größte Herausforderung. Und wir begeben uns damit auch aus der kirchlichen ‚Comfort Zone‘ heraus, weil ja alle sich im Lauf ihrer Dienstjahre einen Kirchen- oder Kanzeljargon angewöhnen.“ Die Gottesdienste würden alle auf dem Sofa starten, danach soll es dann aber doch in die Kirche gehen: „Es soll dann eben doch ein sichtbar kirchliches Angebot von PfarrerInnen sein. Darum haben sie dann auch einen Talar an“, erklärt Müller-Marienburg. Zu sehen seien die Videos zwar immer ab Sonntag, 8 Uhr, wann und wo man mitfeiere sei aber völlig gleichgültig. Und: „SOFA dauert nur so lange, dass der Kaffee warm bleibt“ – also etwa 15 Minuten.
Entstanden ist SOFA aus einer Idee des Mödlinger Pfarrers Markus Lintner. Die niederösterreichische Superintendentialversammlung habe den Ansatz dann aufgegriffen. Insgesamt seien rund 15 Personen an der Entwicklung beteiligt gewesen. In weiterer Folge wolle man alle evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer in Niederösterreich zur Teilnahme ermutigen. Indem man „digital Zurückhaltenderen eine Möglichkeit zur Mitwirkung“ eröffne, wolle man die Hemmschwelle zum Einstieg in die digitale Kirche senken. Die sei in manchen Pfarrgemeinden immer noch vorhanden, während andere „viel im Online-Bereich machen und teilweise faszinierende Kompetenz und Qualität entwickelt haben“, so Müller-Marienburg.
Als besonderes Merkmal hat das Team hinter den Gottesdiensten eigens dafür „jazzig-volksmusikalische Musik“ produzieren lassen. Hinter der Melodie stehen Dorothea Polster (Akkordeon), Felix Hackstock (Piano) und Johannes Duntze (Bass).