Gemeinsam tragen

Faith Impulse

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Martin Obermeir-Siegrist

Pastor, Kinder- und Jugendwerk


Kurzpredigt zu Markus 2,3-5 in der Ökumenischen Feier am 9. Juni 2022 im Rahmen des ÖGKV-Kongresses im Linzer Mariendom

Da brachten Leute einen Gelähmten zu Jesus.
Er wurde von vier Männern getragen.
Aber wegen der Volksmenge
konnten sie nicht bis zu ihm vordringen.
Deshalb öffneten sie das Dach
genau über der Stelle, wo Jesus war.
Sie machten ein Loch hinein
und ließen den Gelähmten auf seiner Matte herunter.
Jesus sah, wie groß ihr Glaube war,
und sagte zu dem Gelähmten:
»Mein Kind, deine Sünden sind dir vergeben.«

Die Bibel
Markus 2,3-5

Schöne Geschichte

Eine schöne Geschichte: Vier Männer tragen gemeinsam. Tragen gemeinsam ihren Freund. Tragen gemeinsam Sorge, dass ein kranker Mensch wieder gesund wird. Gott macht es durch Jesus möglich; und durch die Kreativität der vier Männer; die nicht resignieren, als sie sehen, dass zu Jesus kein Durchkommen ist; die sich etwas einfallen lassen und sich dafür einsetzen, dass ihr Freund eine Chance auf Heilung bekommt.

Pflege ist weiblich

Eine schöne Geschichte, aber wohl auch ein statistischer Ausreißer. Denn Pflege und Sorge sind meist weiblich: Mehrheitlich sind es Frauen, die bezahlte und oft unbezahlte Care-Arbeit leisten. Sowohl in der professionellen Pflegearbeit, als auch in der  familiären Care-Arbeit sind es vor allem Frauen, die uns eine menschenfreundliche Haltung und manchmal das Gehen von unkonventionellen Wegen zum Wohle anderer Menschen vorleben.

Lähmung

Frauen und Männer, die im Bereich der Pflege arbeiten, sind dabei oft in einer schwierigen Lage: Sie können sich nur schwer für eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen einsetzen, ohne gleichzeitig das Wohl der Menschen zu gefährden, für die sie Sorge tragen. Es ist gut, dass wir heute die schon zu lang gelähmte Situation im Pflegebereich gemeinsam vor Jesus bringen. Denn Jesus vergibt nicht nur individuell Schuld; sondern Jesu Vorbild, Botschaft und Geist haben auch die Kraft, strukturelle Sünde zu überwinden und gesellschaftliche Lähmungen zu heilen.

Stärkende Geschichte

Menschen tragen gemeinsam. Eine schöne Geschichte. Aber nicht nur. Sondern auch eine stärkende Geschichte. 

Weil in der frohen Botschaft von Jesus Christus sonnenklar wird, dass Gott Fülle und Heil für das Leben jedes Menschen will. 

Weil uns das Evangelium inspiriert, uns gemeinsam dafür einzusetzen, dass sich die Realität ändert: Dass pflegende Berufe aufgewertet werden, was Arbeitsbedingungen, Wertschätzung und Entlohnung betrifft. Dass die Last des Sorgetragens solidarisch – auf mehr Schultern – verteilt wird. 

Lasst uns nicht resignieren, wenn gesellschaftliche Prozesse lahm sind; sondern kreativ und hartnäckig dafür Sorge tragen, dass wir Menschen stärken, die für andere sorgen.

Tragen wir also gemeinsam; als Frauen und Männer; als Menschen, die von der Liebe Gottes angestoßen wurden, unsere Mitmenschen zu lieben und ihnen zu dienen. 

Gottes Heil ist uns in Jesus Christus verheißen.

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