Was ist das Geheimnis des christlichen Glaubens?
Faith Impulse

Pastorin, Kinder- & Jugendwerk
Was ist das Geheimnis des christlichen Glaubens?
Was macht unseren Glauben so besonders?
Für mich sind es zum Beispiel die Gottesdienste!
Ich habe das vergangene Weihnachten krank zuhause verbracht und nicht mit Gottesdiensten und Trubel, wie sonst. Und dabei ist mir aufgefallen, wir sehr ich die Gottesdienste vermisst habe.
Wie in mir eine Sehnsucht gewachsen ist nach dem gemeinsamen Singen von Weihnachtsliedern, nach dem gemeinsamen Hören und Nachdenken über die Weihnachtstexte in der Bibel, und nach dem gemeinsamen Gebet.
Im Gottesdienst passiert etwas mit uns, das ich gar nicht ganz beschreiben kann:
Gottes Nähe wird spürbar. Hoffnung wächst in uns. Sehnsucht wird gestillt.
Vielleicht ist es die Kraft des Bundes, die wir in unseren Gottesdiensten erleben.
Die spürt man allein und daheim nicht so stark wie inmitten einer Gemeinde. Es tut uns gut, Gottesdienste zu besuchen.
John Wesley nennt den Gottesdienst eines der Gnadenmittel. Im Gottesdienst erfahren wir die Gnade Gottes ganz persönlich und auch untereinander.
Der Bund zwischen Gott und den Menschen
Gott und wir Menschen – das gehört in unserem christlichen Glauben untrennbar zusammen. Da ist eine Verbindung zwischen uns und Gott, die es so intim in keiner anderen Weltreligion gibt.
Ich habe mir über die Weihnachtstage einige Impulse von Wissenschaftlern über ihren christlichen Glauben durchgelesen. Immer wieder wird aufgezeigt, wie unglaublich die Geschichten unseres Glaubens für Menschen heute eigentlich sind:
- Ein Gott, der seine Macht darin zeigt, dass er sie ganz beiseite legt und sich als Baby in die Hände von einem noch sehr unerfahrenen jungen Paar gibt.
- Ein Gott, der schon in früheren Zeiten nicht immer die Stärksten erwählt hatte, um sein Volk gut zu leiten, sondern oft die ganz Jungen (ich denke da an König David, Mose, oder auch den Propheten Jeremia) oder die Alten (wie Abraham), denen wir Menschen oft wenig zutrauen.
- Ein Gott, der Gläubige einer anderen Religion durch deren eigene Rituale in seinen Bann zieht und zu ihm führt – wie die weisen Sterndeuter aus dem Orient.
- Ein Gott, der für seine Liebe zu uns Menschen bis ans Äußerste geht. Der sich den Menschen so ganz in die Hände legt, dass er auch vor dem gewaltsamen Tod am Kreuz nicht zurückschreckt.
Das Ungewöhnliche, ja nahezu Unglaubliche, an Gott ist, dass er sich ganz auf uns Menschen verlässt – mit allen Schwierigkeiten und Enttäuschungen, die das bringen kann.
Das Geheimnis von Christus
Paulus, der ein vehementer Verfolger der frühen Christen und Christinnen war, hat seine Zeit gebraucht, um zu verstehen, was das Besondere an Gottes Menschenliebe ist.
Im Epheserbrief beschreibt er „das Geheimnis von Christus“: Die Mächtigen und Einflussreichen der Welt sollen erkennen, wie Gott wirklich ist – „und zwar durch seine Gemeinde“!
Gott zeigt sich durch uns. Unter uns. In unseren Entscheidungen, in der Art und Weise, wie wir miteinander leben.
Der Bund Gottes mit den Menschen geht nicht nur von Gott zu jedem und jeder Einzelnen von uns. Nein, dieser Bund ist auch unter uns spürbar. Alle Mitglieder einer Gemeinde sind miteinander verbunden, auf ganz besondere Weise, weil sie mit Gott verbunden sind. Und sie sind nicht die einzigen „Erwählten“. Sondern sie sind verbunden mit Menschen auf der ganzen Welt – in Jesus Christus!
Glaube ist tätige Liebe
Dieser Bund unseres Glaubens wird dann sichtbar, wenn wir mit unseren Mitmenschen so leben, wie es Jesus seinen Jüngern beigebracht hat.
Wie es Paulus mühsam gelernt hat, als er vom Verfolger zum Verfolgten wurde. Der für seine Hingabe zu den Mitmenschen im Dienst Gottes immer wieder in Gefangenschaft kam. Und diese als Zeichen der Gnade Gottes erlebte!
Christlicher Glaube ist so besonders, weil er sich in der Liebe zeigt. In der Liebe Gottes zu uns Menschen. Und unter uns Menschen, wenn wir „in der Liebe tätig sind“, wie es Paulus im Galaterbrief beschreibt.
Ich zitiere noch einmal ein paar Sätze aus dem Epheserbrief über dieses Leben in der Liebe Gottes, weil ich sie so unglaublich stark finde. Da schreibt Paulus:
„Durch seinen Geist soll der Vater euch in eurer innersten Überzeugung fest machen. Denn Christus soll durch den Glauben in euren Herzen wohnen. Und ihr sollt in der Liebe verwurzelt und fest auf ihr gegründet bleiben. Ihr werdet auch in der Lage sein, die Liebe von Christus zu erkennen, die alle Erkenntnis übersteigt. Auf diese Weise werdet ihr Anteil bekommen an der Gegenwart Gottes. Sie wird euer Leben ganz erfüllen.“ (Epheser 3,17-19, BasisBibel)
Glaube ist eine Herzensangelegenheit
Das Geheimnis des Glaubens ist, dass er wenig mit Überzeugungen zu tun hat.
Glaube muss nicht gelernt, erforscht oder erklärt werden.
Sondern Glaube wird erlebt. Gespürt. Im Herzen. Der Bund Gottes geht direkt in unser Herz. Und wir erfahren ihn jedes Mal neu, wenn wir uns unseren Mitmenschen in Liebe zuwenden.
„Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe“ – das war die Jahreslosung des Jahres 2024. Und „siehe, ich mache alles neu“ – das ist die Zusage Gottes der diesjährigen Jahreslosung (2026), die uns schon spüren lässt, dass auch unsere Zukunft von Gott getragen ist – in alle Ewigkeit.
Die Erneuerung des Bundes in der methodistischen Tradition
Wenn wir im Gottesdienst den Bund Gottes mit uns Menschen feiern, dann stellen wir uns selbst ganz in den Dienst Gottes. Wir sind dazu eingeladen, auch das neue Jahr Gott zu widmen. Dazu nutzen wir die Worte von John Wesley, mit denen wir diesen Bund ganz bewusst annehmen wollen für unser Leben und für dieses Jahr.
Jede*r einzelne kann entscheiden, ob er/sie* diese Worte mitsprechen kann oder möchte. Niemand ist gezwungen. Aber es ist eine Einladung, sich ganz bewusst wieder für Gott zu entscheiden am Beginn des neuen Jahres.
Und das Wesentliche: Wir stellen uns in den Dienst Gottes, der aber im Kern ein Dienst an unseren Mitmenschen ist. Glaube, der in der Liebe ausgedrückt wird.
Manche Dienste, die in Liebe geschehen, machen uns Freude oder bringen uns Anerkennung. Andere Dienste, die in Liebe geschehen, sind vielleicht mühsamer. Wir wollen sie nicht so gern tun, wissen aber, dass sie getan werden müssen.
Vieles, was wir in Liebe tun, bleibt im Verborgenen. Oder wird gar nicht so sehr wahrgenommen.
Im Leben mit Gott geht es nicht darum, eine Liste zu führen über alles, was wir für ihn erreicht oder geleistet haben.
Es geht auch nicht darum, dass wir als christliche Gemeinde besonders anerkannt werden. Wir müssen nicht das modernste Kirchengebäude bauen oder den höchsten Kirchturm errichten.
All diese Dinge haben für Gottes Bund mit uns Menschen keine Bedeutung und keinen Wert.
Was erwartet Gott von uns?
Das einzige, was Gott von uns verlangt, ist dass wir uns den Mitmenschen in Liebe zuwenden. Da geht es um eine Lebenseinstellung, eine Haltung, die wir einnehmen sollen.
Und es geht darum, dass wir uns immer wieder selbst fragen: Was motiviert mich zu meinen Entscheidungen? Entscheide ich aus Liebe zu den Mitmenschen oder entscheide ich mich so, wie es mir selbst am liebsten wäre?
(An dieser Stelle folgte im Gottesdienst ein persönliches Beispiel, das nicht veröffentlicht wird)
Im Epheserbrief bringt es Paulus auf den Punkt: „die Liebe von Christus zu erkennen“.
Wenn wir in dieser Liebe leben, dann macht es keinen Unterschied, was wir studiert haben oder arbeiten, wie viel wir verdienen, wo wir wohnen usw.
Wie schon erwähnt, bezeichnet Paulus die Zeit in Haft als ein Erleben der Gnade Gottes. In dem Moment, in dem Paulus nichts hat und nichts geben kann als Liebe, da spürt er die Kraft, die von dieser Liebe zu den Mitmenschen ausgeht.
„Lass mich alles haben, lass mich nichts haben“ – so ein Satz im Gebet zur Erneuerung des Bundes mit Gott. Es macht keinen Unterschied, was wir tun oder besitzen. Das einzige, was zählt, ist die Liebe.
Ich lade uns alle ein, dass wir uns dieses Jahr wieder neu in den Dienst dieser unglaublich starken Liebe Gottes stellen. Uns ganz der Liebe hinzugeben – mit allem, was das an Einschränkungen für uns persönlich bedeutet.
Denn in dieser Liebe ist Gott selbst unter uns am Werk.
Amen.
Glaubensimpulse