Darüber müssen wir in aller Offenheit reden

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emk.de: Die Sorge vor weiterer Spaltung in der weltweiten EmK

Die Sorge vor weiterer Spaltung in der Evangelisch-methodistischen Kirche und vor manipulativer Einflussnahme treibt drei Bischöfe aus Zentralkonferenzen der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) um. Deshalb veröffentlichten sie am Montag, dem 17. Januar, eine Erklärung, mit der sie die Impfstofffinanzierung für Generalkonferenz-Delegierte durch die Wesleyan Covenant Association (WCA), eine konservative methodistische Gruppierung, kritisieren.

Impfgerechtigkeit sieht anders aus

»Als Christen sind wir berufen, allen Menschen, die Gott geschaffen hat, zu dienen, ohne zu diskriminieren oder nur diejenigen auszuwählen, die mit uns theologisch oder politisch übereinstimmen«, heißt es in der von den Bischöfen Harald Rückert aus Deutschland, Eben Nhiwatiwa aus Simbabwe und Rodolfo »Rudy« Juan von den Philippinen unterschriebenen Erklärung. In vielen Teilen der Welt seien immer noch keine Impfstoffe in ausreichender Menge verfügbar. Deshalb könnten nicht einzelne Personen bevorzugt behandelt werden, wenn nicht einmal »die gesamte Familie des Delegierten, dessen Kirchengemeinde oder seine ganze Umgebung, in der er lebt« mit Impfstoffen versorgt werden könnten.

Nur »Delegierten an die Generalkonferenz Impfstoffe anzubieten oder ihnen die Reisekosten zu erstatten, um sich andernorts impfen lassen zu können, ist wahrlich keine Impfgerechtigkeit«, bringen die Bischöfe die Sache auf den Punkt. Außerdem kritisieren sie, dass die Kampagne an der Hoheit des für die Organisation der Generalkonferenz zuständigen Gremiums vorbei betrieben werde. Für alle Belange zur Vorbereitung und Durchführung einer Generalkonferenz sei der Generalkonferenzverwaltungsrat zuständig. »Wenn allerdings diverse Interessengruppen Delegierten Vorteile anbieten, gefährden sie damit die Integrität der Generalkonferenz«, erklären die drei führenden Zentralkonferenz-Bischöfe das Problem.

Kolonialismus und Einmischung

Darüber hinaus trage die Vorgehensweise im Rahmen der Kampagne »alle Merkmale des Kolonialismus«. Das kolonialistische Prinzip »Teilen und Herrschen« habe auf dem afrikanischen Kontinent über viele Jahre hinweg »zu Chaos und Spaltung geführt«. So etwas drohe sich zu wiederholen, weshalb es in der Kirche nicht zu solchen Aktionen kommen solle. Leider gebe es »immer wieder die dreiste Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Evangelisch-methodistischen Kirche in Afrika durch unsere Brüder und Schwestern der WCA«.

Auch bei der jetzt geplanten Kampagne hätten keinerlei Gespräche seitens der WCA mit den leitenden Bischöfen und anderen in den Kirchenregionen verantwortlichen Leitungsgremien stattgefunden. Damit werde »die Autorität von rechtmäßig gewählten Leitungsgremien und Leitungspersonen untergraben«, erklärt Rückert in einem Telefonat die Brisanz solcher »Aktionen von außen«. Deshalb, so die drei Bischöfe, »müssen wir darüber in aller Offenheit reden«.

Gottes Liebe kraftvoll bezeugen – gemeinsam

Trotz unterschiedlichen Ansichten hinsichtlich sexualethischer Fragen gehe es ihnen darum, »dass wir gemeinsam für den Zusammenhalt und die Einheit unserer geliebten Kirche einstehen«. Sie seien »Hirten der ganzen Herde«, um die Kirche »aufrichtig und vertrauenswürdig zu leiten«. Außerdem seien sie überzeugt, dass die Evangelisch-methodistische Kirche als Kirche mit ihrer »Vielfalt an Sprachen und Kulturen, Frömmigkeitsstilen und Überzeugungen« Gottes Liebe kraftvoller, schöner und einladender bezeugen könne, »wenn wir dies weiterhin gemeinsam tun«. Deshalb dürfe nicht zugelassen werden, »dass andere uns gegenseitig ausspielen«.

Zum Hintergrund

Zweimal schon wurde die ursprünglich für Mai 2020 geplante Generalkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) verschoben. Ob das alle vier Jahre tagende weltweit höchste Leitungsgremium der EmK ab Ende August in Minneapolis, im US-Bundesstaat Minnesota tagen kann, ist wegen der Pandemie noch unklar. Um Delegierten von außerhalb der Vereinigten Staaten von Amerika wenigstens durch eine Impfung die Einreise in die USA zu ermöglichen, kündigte eine Gruppierung von US-Methodisten eine Impfunterstützungskampagne an.

Federführend ist die theologisch konservative Interessen- und Lobbygruppe Wesleyan Covenant Association (WCA). Zusammen mit anderen, ähnlich gesinnten Gruppierungen bietet sie Delegierten aus Afrika, Eurasien und den Philippinen an, die Kosten für Impfungen und dafür möglicherweise nötige Reisen zu finanzieren. Außenstehende sehen in dieser Kampagne einen Versuch der Einflussnahme. Grund dafür sind die Auseinandersetzungen über sexualethischen Fragen, insbesondere in der Frage der Homosexualität. Die WCA und andere Gruppierungen mit ausdrücklich konservativer Haltung betreiben in dieser Auseinandersetzung aktiv die Trennung von der Evangelisch-methodistischen Kirche und drängen sehr stark auf die baldige Neugründung einer traditionalistisch-konservativ ausgerichteten methodistischen Kirche. Die Anfangsfinanzierung dieser neuen Kirche soll auf der Basis einer durch Vermittlung erzielten Vereinbarung ermöglicht werden. Dafür ist allerdings die Einwilligung der Generalkonferenz nötig, weshalb WCA und andere Gruppierungen auf eine Durchführung der Generalkonferenz drängen.

Weiterführende Links

Erklärung von Bischöfen der EmK-Zentralkonferenzen zu Impfstoffangeboten (deutsch, PDF)
Statement from Central Conference bishops on vaccine offers (englisch, PDF)
Presseerklärung des EmK-Bischofsrats (englisch) 

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