Gottes­di­enst zum Tag des Judentums in Graz

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"Mit leeren Händen" - so der Titel des Gottesdienstes und damit der Versuch des Umgangs mit der Situation in Israel und Gaza.

Der Gottesdienst zum Tag des Judentums soll Christinnen und Christen an ihre Wurzeln im Judentum erinnern und das Unrecht, welches jüdischen Menschen in der Geschichte angetan wurde, thematisieren.

Aber natürlich findet jeder Gottesdienst in einer ganz bestimmten Zeit statt. 
Wie also umgehen mit den jüngsten Ereignissen in Israel und Gaza?

Die Mitglieder des Grazer Komitees für christlich-jüdische Zusammenarbeit, welche diesen Gottesdienst vorbereiten, haben sich für einen Weg der Stille und der Klage entschieden. Frei nach Viktor Frankl: "wenn Worte das Unsagbare nicht ausdrücken können, dann ist es besser zu schweigen."

Die gemeinsame Stille, die archaischen Worte von Psalm 88, die Musik der Oboe und das gemeinsame Vater unser haben mich sehr berührt in diesem ökumenischen Gottesdienst.

Bischöfin Maria Kubin von der altkatholischen Kirche predigte zum Thema Prophetinnen und Propheten.

Psalm 88

Adonaj, Gott meiner Befreiung!
Tags schreie ich und nachts stehe ich dir gegenüber. 
Vor dein Antlitz dringe mein flehendes Gebet. 
Neige dein Ohr meinem gellenden Schrei.

Übersatt an Katastrophen bin ich. 
Mein Leben berührt das Totenreich. 
Ich werde zu denen gerechnet, die in die Grabhöhle hinabsteigen.
Bin geworden wie ein entkräfteter Mensch.
Ausgestoßen selbst unter den Toten –
wie Erschlagene, ins Grab geworfen, derer du nie mehr gedenkst. 
Abgeschnitten sind sie von deiner Hand.

Du hast mich in den tiefsten Abgrund gestürzt,
den Grund der Dunkelheit, die Tiefe des Meeres.
Auf mich hat sich deine Glut gelegt.
Mit deiner ganzen Brandung hast du mich niedergedrückt. 
Entfernt hast du mir meine Vertrauten.

Hast erreicht, dass sie Grauen vor mir empfinden. 
Eingeschlossen bin ich – kein Fluchtweg.
Mein Auge ist abgenutzt vom Elend.
Ich schreie zu dir, Adonaj, jeden ganzen Tag, 
strecke nach dir meine Handflächen aus.

Kannst du für die Toten Wunder tun?
Stehen die Schatten auf, preisen sie dich?
Wird im Grab von deiner Freundlichkeit erzählt?
Von deiner Verlässlichkeit am Grund der Zerstörung? 
Werden in der Finsternis deine Wunder bekannt? 
Deine Gerechtigkeit im Land des Vergessens?

Ich – zur dir, Adonaj, rufe ich laut um Hilfe. 
Am Morgen treffe dich mein flehendes Gebet. 
Warum, Adonaj, stößt du mein Leben von dir? 
Verbirgst vor mir dein Antlitz?

Gebeugt bin ich. 
Dem Tode nahe von Anfang an. 
Trage schwer deine Schrecken. 
Bin erstarrt. 
Deine Zornesgluten fegen über mich hinweg. 
Deine Schrecken zerstören mich,
umfluten mich wie Wasser jeden ganzen Tag, 
umringen mich von allen Seiten.
Entfernt hast du mir Geliebte und Gefährten, 
meine Vertrauten – Finsternis

aus: Bibel in gerechter Sprache

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