Frei sein
Faith Impulse

Pastorin

Freiheit, Christus, Bibel, Oktober: Da denke ich als Kind der evangelischen (lutherischen) Landeskirche natürlich sofort an den Reformationstag. Den feiern evangelische Christinnen und Christen sowohl in Deutschland als auch in Österreich am Ende des Monats, am 31.10. Erinnert wird an diesem Tag an Martin Luthers legendären Anschlag seiner 95 Thesen am 31. Oktober 1517 an die Tür der Schlosskirche im deutschen Wittenberg. Mit seinen Thesen richtete sich Luther vor allem gegen den Ablasshandel. Er wollte, dass die Menschen ihr ganzes Leben als Buße sehen – als Haltung, nicht als Leistung, und schon gar nicht käuflich zu erwerben, denn durch Christus ist die Erlösung ganz und vollständig geschehen.
Von Luther zu Wesley: Die Gedanken der Reformation des 16. Jahrhunderts spielten auch bei der Entstehung der methodistischen Bewegung bzw. Kirche im 18. Jahrhundert in England eine wichtige Rolle. Bis heute beruft sich die evangelisch-methodistische Kirche weltweit auf das Erbe der Reformation. John Wesley selbst war von Luthers Schriften grundlegend beeinflusst, was sich nicht nur bei seinem berühmten Bekehrungserlebnis im Mai 1738 in London zeigte, das er maßgeblich mit seinem Hören der Vorrede der Römerbriefvorlesung Martin Luthers verknüpfte: „Ich fühlte“, schreibt er, „dass ich an Christus glaubte, an Christus allein zu meiner Rettung; und mir wurde die Gewissheit gegeben, dass er meine Sünde weggenommen hatte, ja, sogar meine, und dass er mich vom Gesetz der Sünde und des Todes errettet hat.“ (Zitiert nach John Wesley, Über allem die Liebe. Ein Brevier, hg. von Gottfried Falls u.a., Göttingen 2013, S. 186)
Mit den Worten des Galaterbriefs: "Zur Freiheit hat uns Christus befreit!" Wir sind befreit von all dem, was man Sünde nennen kann. Dazu könnte man freilich eine eigene Abhandlung schreiben, was das denn jetzt genau sein soll, zumal das Wort „Sünde“ vielen Menschen heute schwer auf der Seele liegt, weil es eine unrühmliche Geschichte hat. Ich sag es mal positiv, noch einmal: "Zur Freiheit hat uns Christus befreit!" Wir sind befreit dazu, die zu sein, als die uns Gott geschaffen hat: Geliebte Menschen, lebendig aus Gnade, nicht aus ihrer eigenen Leistung, und dadurch frei. Frei von Angst, von Zwang, von „ich muss doch noch“ und von „ich bin nie genug“. Frei zum Tun aus Liebe. Frei zum Handeln aus Liebe. Frei, wir selbst zu sein, Gottes geliebte Kinder, und frei, anderen als solche zu begegnen und das Gotteskind auch in unseren Nächsten zu sehen. Frei! Leicht darf sich das anfühlen und wunderbar. Und selbst wenn die Leichtigkeit nicht immer fühlbar ist, auch nicht immer äußerliche Wirklichkeit, bleibt es doch wahr. Es ist längst geschehen. Das Wichtigste hat Gott in Christus längst getan. Wie großartig ist das: "Zur Freiheit hat uns Christus befreit!" Dafür will ich einstehen in dieser Welt. Fest stehen und nichts anderes erwarten. Für alle Geschöpfe Gottes.