Gott macht das Un­mög­liche möglich

Faith Impulse

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Alexander Mühlberger

Predigthelfer, EmK Salzburg


Eine Predigt über Jesaja 54, 7-10 und Mt. 17, 14-21 - und die Salzburger EmK Gemeinde

Ich habe auf diesem Foto mein Gesangbuch in der Hand. Und wenn ich dieses aufschlage, kann man sehen, dass jemand ganz vorne etwas hineingeschrieben hat.

Zur Erinnerung an die Aufnahme in die bekennende Mitgliedschaft der Evangelisch-methodistischen Kirche – Salzburg am 21. Februar 2016.

 

"Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund des Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer." Jesaja 54, 10 

Pastorin Esther Handschin
Inschrift im Gesangbuch

Ein persönliches Jubiläumsjahr

Vor 10 Jahren wurde ich in der EmK Salzburg in die Bekennende Mitgliedschaft unserer Kirche aufgenommen. Meine Aufnahme war damals noch in der Neutorstraße und Esther Handschin war unsere Pastorin.

Davor habe ich über ein Jahr lang regelmäßig bei Gottesdiensten und Veranstaltungen teilgenommen, und zur Aufnahme habe ich dieses Gesangbuch als Geschenk bekommen und Esther hat mir diese Widmung hineingeschrieben.

In der Bibelstelle aus dem Buch des Propheten Jesaja geht es um ein Versprechen Gottes – dass egal was auch immer passiert, selbst wenn Berge weichen und Hügel hinfallen, Gott immer bei uns ist mit seiner Liebe und Barmherzigkeit.

Ein Rückblick

Aber bevor ich weiter auf die heutigen Lesungstexte schaue, möchte ich als erstes die Gelegenheit nutzen, um auf die letzten 10 Jahre kurz zurückzublicken:

Der Anfang war, wie von Vielen hier, in der Neutorstraße. Viele kennen den Kirchenraum von damals noch – im Untergeschoss eines Mehrparteienhauses versteckt. Nur das große Logo unserer Kirche und der Schaukasten vorne an der Straße gaben einen Hinweis darauf, dass da irgendwo eine Kirchengemeinde versteckt war.

Viele Gesichter von damals sehe ich heute hier auch noch. Manche sehe ich nicht mehr und einige sind neu dazugekommen.

Ich habe sehr schnell gelernt, dass wir eine Mitmach-Gemeinde sind und so habe ich bald mit Martin (Langer) gemeinsam Musik im Gottesdienst gemacht.

Pastorin Esther hat mich auch recht bald zur Mitarbeit im Gemeindevorstand eingeladen und ich wurde Laiendelegierter an die Jährliche Konferenz. So habe ich auch schnell Kontakte zu vielen Leuten aus der Österreich weiten EmK geknüpft.

Dann kam eine Zeit mit vielen Veränderungen: Esther Handschin hatte zuerst eine teilweise und dann eine komplette Dienstzuweisung für die Gemeinde in Wien-Floridsdorf bekommen, und dann hieß es auch noch, dass das Gebäude in der Neutorstraße abgerissen wird und wir unseren Kirchenraum dort verlieren werden. Zuerst diskutierten wir noch über Umbaupläne im Gebäude daneben (in dem sich die Pastorenwohnung befindet) aber schließlich übersiedelten wir hierher nach Aigen. Zu diesem Zeitpunkt hat uns Lothar Pöll in seiner Pension von Linz aus betreut und er versuchte, so oft es ihm möglich war nach Salzburg zu kommen.

In dieser Zeit voller Veränderungen haben wir auch eine neue Pastorin bekommen – unsere derzeitige Pastorin, Dorothee Büürma. Ihr Anfang hier war alles andere als leicht, weil wir erstens als Gemeinde in gewisser Weise heimatlos waren und noch nicht hier in der Diakoniekirche in Aigen Fuß gefasst haben und zweitens weil kurz nach ihrem Start das Gemeindeleben durch Lockdowns zum Stillstand kam.

Erst im Lauf der letzten Jahre hat unsere Gemeinde hier eine Heimat gefunden. Mit eigenem Gemeinderaum im Haus für Senioren und seit einem Jahr nun auch mit einer eigenen Küchenzeile, die uns das Feiern von Festen ermöglicht.

Jetzt sind wir hier endgültig angekommen und wir sind froh, dass sich manche Dinge einfach gefügt haben.

Seit zwei Jahren bin ich nun auch der Gemeindekassier und Predigthelfer. Ich habe also hier sehr viel gelernt und ganz viele neue Erfahrungen gemacht. Ich habe sehr viele liebe Menschen kennengelernt und habe mich viel mit dem Glauben beschäftigt.

Ich habe noch so viel mehr erlebt, aber das würde diese Predigt bei weitem sprengen.
Auch privat waren diese letzten 10 Jahre ereignisreich. Ich habe meine Frau kennengelernt, wir sind Eltern geworden und haben geheiratet. Es war also viel los.

Nichts ist unmöglich für Gott

Kommen wir aber nun zum heutigen Text aus dem Evangelium: Darin kommt ein besorgter Vater mit seinem kranken Sohn zu Jesus. Er bittet ihn, seinen Sohn zu heilen, nachdem die Jünger Jesu gescheitert sind. „Ich habe ihn zu deinen Jüngern gebracht, aber sie konnten ihn nicht heilen.“ (Mt. 17, 16) sprach der Vater zu Jesus. Dabei ist wichtig, dass sein Sohn nicht einfach krank war, sondern er war von Dämonen besessen. Und das Austreiben von Dämonen war und ist keine leichte Sache.

Ich stelle mir vor, dass die Jünger die Lehrlinge Jesu waren. Als ihr Lehrmeister gab er ihnen Aufgaben, durch die sie lernen, Erfahrung sammeln und daran wachsen sollen. Aber diese Aufgabe war für sie dann wohl doch zu groß. Solche bösen Geister konnte nur Jesus austreiben. Die Jünger haben dort ihre Grenzen aufgezeigt bekommen und sie sollten aus diesem Ereignis lernen.

Im Markus-Evangelium wird im 9. Kapitel die Geschichte noch ausführlicher erzählt. Aber im Kern sind beide gleich. Es gab Dinge, zu denen waren die Jünger Jesu (noch) nicht fähig. Erst nach dem Tod und der Auferstehung Jesu und nachdem sie im Pfingstereignis den Heiligen Geist empfangen haben, haben sie die Werkzeuge in der Hand, selbst solche Dämonen auszutreiben und sogar Tote wieder zum Leben zu erwecken. (siehe Apg. 9, 36-43 Petrus und die Jüngerin Tabita)

Aber bis es soweit ist, lehrt ihnen Jesus eine Lektion. Nach ihrem Scheitern fragen sie Jesus: „Warum konnten wir den Jungen nicht heilen?“ Und Jesus antwortet ihnen: „Weil ihr zu wenig Vertrauen habt! Amen, das sage ich euch: Wenn euer Glaube nur so groß ist wie ein Senfkorn, könnt ihr diesem Berg befehlen: >Geh von hier nach dort!< - Und er wird dorthin gehen.“. Er fügt noch hinzu: „Dann wird für euch nichts unmöglich sein.“ (Mt. 17, 20).

Die Jünger hatten nicht fest daran geglaubt, den Jungen heilen zu können. Jesus erklärt ihnen, dass mit genügend Gottvertrauen und Gauben nichts unmöglich ist.

Wenn ich gemein wäre, würde ich sagen: „Die Jünger sollten es doch schon besser wissen nach all dem, was sie schon mit Jesus erlebt haben.“ Nur ein Stück weiter vorne im Matthäus-Evangelium (im 14. Kapitel) wird erzählt, wie Jesus auf dem Wasser geht und er Petrus bittet, aus dem Boot zu ihm AUF das Wasser zu steigen. Und was ist passiert? Solange Petrus Jesus voll im Blick hat, kann er tatsächlich neben Jesus auf dem Wasser stehen, aber in dem Moment, in dem er auf die Wellen und das Wasser achtet – also er abgelenkt ist und seine Konzentration auf Jesus nachlässt, beginnt er zu sinken und er bekommt Panik. Da haben die Jünger – und vor allem Petrus – gelernt, Vertrauen zu haben und dass dieses Vertrauen das Unmögliche möglich macht.

Aber wieder zurück zum besessenen Jungen: Jesus will seine Jünger nicht verzweifelt oder entmutigt zurücklassen. Zur Beruhigung sagt er ihnen noch: „Solche bösen Geister können nur durch Gebet und Fasten ausgetrieben werden.“ (Mt. 17, 21)

Das soll heißen, das braucht Gottes Hilfe, und das braucht Übung.

Er will ihnen damit sagen: „Macht euch keine Sorgen. Ihr werdet das noch lernen. Ihr seid noch nicht soweit.“ Da wird die Fürsorge und Geduld Jesu mit seinen Jüngern spürbar. Er weiß, dass seine Jünger erst nach dem Empfangen des Heiligen Geistes diese Fähigkeiten erhalten werden, aber er möchte sie bis dahin bestmöglich aufbauen und vorbereiten.

Berge und Hügel - unbeweglich?

Ich habe die heutigen Lesungstexte selbst gewählt, weil ich mich an den Text von Jesaja, den mir Esther in mein Gesangbuch geschrieben hat, orientieren wollte.

In beiden Lesungen von heute werden Berge erwähnt. Ein Berg mit seiner unvorstellbaren Größe und Masse dient hier als Sinnbild und Symbol für das scheinbar Unmögliche.

Beim Propheten Jesaja spricht uns Gott seinen Frieden zu, selbst dann, wenn Berge weichen und Hügel hinfallen. Er bleibt stets bei uns.

Im Matthäus-Evangelium spricht Jesus zu seinen Jüngern, dass sie mit genügend Glauben sogar Berge versetzen können.

Das vorher noch Undenkbare wird plötzlich wahr. Jesus zeigt es seinen Jüngern oft vor: Blinde werden sehend, Lahme stehen auf und gehen umher, unreine Menschen – also Menschen mit ansteckenden Krankheiten die von der Gesellschaft gemieden und ausgegrenzt werden – werden rein und sogar Tote werden wieder lebendig.

Gibt es solche Wundertaten auch heute?

Aber was heißt das für uns heute? Ist das alles nur metaphorisch gemeint oder können heute auch noch solche Wunder vollbracht werden? 

Die Sache ist nicht so einfach. Das Internet ist voll mit Videos und Berichten, in denen Menschen z.B. in der Taufe geheilt werden oder in denen Prediger oder Pastoren Kranke heilen, und Dämonen austreiben – ganze Exorzismen werden da während des Gottesdienstes veranstaltet. Das alles natürlich ganz spontan und ungeplant, und in riesigen Kirchen mit einer großen Bühne und Mikrophonen und Scheinwerfern und Kameras.

Da muss man natürlich sehr vorsichtig sein. Es kursiert sehr viel im Internet herum und leider ist sehr viel davon auch fake, und zu unterscheiden, was echt ist und was nicht, wird durch KI und Ähnlichem immer schwieriger. Aber trotzdem bin ich persönlich davon überzeugt, dass es wahrhaftige Fälle gibt, in denen Menschen durch die Kraft des Gebets eines anderen Menschen geheilt wurden.

So wie die Jünger für einen Menschen gebetet haben und diese daraufhin Heilung fanden, gibt es auch heute noch Menschen, die so einen festen Glauben und ein Vertrauen in Jesus haben, dass sie – im Namen Jesu Christi und mit der Kraft des Heiligen Geistes – Menschen durch ihr Gebet heilen können. Aber das im ganz persönlichen Rahmen, und nicht auf einer Bühne vor hunderten oder vielleicht sogar tausenden von Menschen. Dabei ist ganz wichtig: mit der Kraft des Heiligen Geistes. Es ist Gott, der heilt. Die Menschen sind sein Werkzeug dazu. Ein Mensch bekommt von Gott mit der Kraft des Heiligen Geistes die Fähigkeit, Heilung durch Gebet im Namen Jesu Christi zu erwirken.

Und dann gibt es da natürlich noch diejenigen Menschen, die durch den eigenen Glauben Heilung erfahren. Menschen, die in ihrem Leiden tief ins Gebet gehen und Gott um Heilung bitten und diese daraufhin geheilt werden. Da greift Gott direkt ein und schenkt Heilung.

So ist es auch mit dem Fasten. Wir sind gerade am Beginn der Fastenzeit. Das Fasten soll uns nicht nur Verzicht und Disziplin lehren, sondern uns auch spirituell wieder näher an Gott bringen.

Die Muslime haben heuer am selben Tag wie wir Christen ihren Fastenmonat Ramadan begonnen. Das kommt nur ganz selten vor. In dieser Zeit beten Muslime noch mehr während sie den ganzen Tag über weder essen noch trinken. Das soll sie noch näher zu Gott führen.

Gott kommt uns Menschen nah

Wenn wir uns Gott ganz hingeben, zeigt er uns seine Liebe, Gnade und Barmherzigkeit. Er hilft uns aus unserer Not und uns wird die Kraft des Gebets noch viel stärker bewusst.

Im Psalm 34 steht: „Der HERR ist nahe bei den Menschen, die im Herzen verzweifelt sind. Er hilft denen, die ihren Lebensmut verloren.“ (Ps. 34, 19)
Das soll uns Hoffnung geben und Mut.

Wir dürfen nie aufhören, an das Unmögliche zu glauben. Und schon gar nicht dürfen wir jemals die Kraft Gottes, und was durch Ihn möglich ist, unterschätzen. 

Ich wünsche, dass ihr diese ermutigende Zuversicht mitnehmen und in euch tragen könnt. Amen

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