Gott schaut aufs Herz

Faith Impulse


Predigt zu 1. Samuel 16,7: Der Mensch sieht nur auf das Äußere, der HERR aber sieht auf das Herz.

Was bisher geschah

Die sechseinhalb Wochen vor Ostern sind eine Zeit der Vorbereitung und der inneren Einkehr. Die biblischen Lesungstexte an den Sonntagen der Fastenzeit sollen der Vertiefung des Glaubens dienen. Sie machen uns bewusst, was Glaube bedeutet, wie er gelebt wird und wie wir im Glauben wachsen können, d.h. wie unser Vertrauen zu Gott in die Tiefe gehen kann.

Ich möchte an dieser Stelle kurz zusammenfassen, welchen Weg wir bei anhand der Predigten zu diesen Textstellen bis jetzt gegangen sind.

Am ersten Sonntag der Fastenzeit ging es anhand der Erzählung aus dem Paradiesgarten um das Gegenteil von Vertrauen, um das Misstrauen. Die Schlange hat es mit wenigen Veränderungen der Anweisungen Gottes geschafft, in der Frau das Misstrauen gegen Gott zu säen. Und der Mann war auch nicht faul und hat Gott die Schuld für sein Misstrauen zugeschoben.

Am zweiten Sonntag haben wir von Abraham gehört und wie er Gottes Anweisung vertraut hat. „Geh!“ hat Gott gesagt und Abraham ist losgezogen. Getragen haben ihn sein Vertrauen in Gott und die Zusage, dass dieser neue Weg in ein fremdes Land für ihn und für viele Menschen zum Segen werden wird.

Am vergangenen Sonntag, dem dritten Sonntag in der Fastenzeit, hat Ute Frühwirth anhand eines Bildes formuliert, wie uns die Gnade Gottes zum Glauben führt. Am besten stellen wir uns dazu ein Haus mit Veranda vor.

Die Veranda ist die zuvorkommende Gnade. Gott wirkt schon in unserem Leben und kommt uns entgegen noch bevor wir etwas davon bemerken. Erst im Rückblick sehen wir: Da hat Gott schon leise seine Fäden gesponnen, sodass wir zu ihm gefunden haben.

Die Tür des Hauses, das ist die rechtfertigende Gnade Gottes. Sie richtet uns aus auf Gott so wie ein Kompass, der neu kalibriert ist und uns stets zeigt, wo Norden ist.

Im Haus selbst wirkt Gottes heiligende Gnade. Sie leitet uns an, mit den Menschen, die in diesem Haus wohnen, achtsam und in Liebe umzugehen. Gottes Gnade befähigt uns dazu und füllt uns immer wieder neu mit der Liebe, die wir dazu brauchen.

Welchen Aspekt des Glaubens lernen wir heute kennen, am vierten Sonntag in der Fastenzeit? Ein Vers aus der Geschichte der Berufung von David zum König von Israel deutet es an: „Der Mensch sieht nur auf das Äußere, der HERR aber sieht auf das Herz.“ (1. Samuel 16,7)

Gott schaut ins Herz

Zunächst nehme ich euch aber auf einen Umweg mit. „Der Mensch sieht nur auf das Äußere, der HERR aber sieht auf das Herz.“ Dieser Spruch erinnert uns daran, dass der menschliche Blick oft zu kurz reicht. Wir sehen, was offensichtlich ist. Wir sehen das, was nach außen hin sichtbar wird, das Äußere. Wir sehen, was alle anderen auch sehen.

Aber, so heißt es, es gibt noch etwas anderes. Wir können nicht alles sehen. Es gibt Dinge, die unseren Augen verborgen bleiben. Gott aber, er hat Einsicht. Er sieht das Herz, er sieht das, was einen Menschen als Ganzes ausmacht. Er sieht auch das Verborgene, das Geheimgehaltene, das Versteckte.

Wenn ich das so höre, dann erschrecke ich fast ein wenig. Ich sehe Gott vor mir, der mit einem Röntgenblick die Menschen durchleuchtet und so bis in ihr Innerstes dringt. Nichts bleibt vor ihm verborgen.

Ein solches Bild von Gott hat lange Zeit Menschen geprägt. Sie sehen Gott als den Aufpasser, der alles überblickt und sieht. Als den Big Brother, den großen Bruder, der einem überwacht und vor dem man nicht entrinnen kann.

Ein solches Bild von Gott wurde gerne für die Erziehung von Kindern herangezogen. Wenn die Kinder den Eltern nicht alles sagen wollten, dann hieß es: Gott sieht alles. Und wenn Gott alles sieht, dann kannst du es auch den Eltern sagen. Gott wurde so zum verlängerten Arm der Eltern.

Das ging solange gut, bis folgender Witz die Runde machte: Ein Pfarrer ärgert sich, weil jemand jeden Tag ein paar Äpfel von seinem Apfelbaum klaut. Also hängt er ein Schild auf, auf dem steht: „Gott sieht alles.“ Am nächsten Tag hängt ein Zettel darunter, auf dem steht: „Aber er petzt nicht.“

Eine schwierige Berufung

Nach diesem Umweg kehren wir zur biblischen Geschichte von der Berufung Davids zurück. Im Zusammenhang dieser Geschichte lernen wir Gott in einer ganz anderen Weise kennen als so, wie ich ihn eben als Überwachergott mit Röntgenblick geschildert habe.

Der Prophet Samuel hat die Aufgabe, nach einem Nachfolger für König Saul Ausschau zu halten. Gott schickt Samuel mit einem Horn voll Öl zur Königssalbung zu Isai, einem gestandenen Mann in der Stadt Betlehem. In seinem Haus wird Samuel den künftigen König finden.

Isai hat acht Söhne, einer stattlicher als der andere. Sie waren alle zu Hause bis auf den Jüngsten. Und während Isai einen Sohn um den andern Samuel vorstellt, gibt Gott diesem zu verstehen, dass keiner von den Anwesenden der von ihm Auserwählte ist.

Nicht das Aussehen, nicht die stattliche Gestalt, nicht der hohe Wuchs soll das Kriterium für die Auslese sein. Gott legt andere Maßstäbe an, wenn er nach geeigneten Personen Ausschau hält. Und so ist es David, der jüngste Sohn, der gerade draußen die Schafe hütet, den Samuel zum König salben muss.

Wie schaue ich auf Menschen?

„Der Mensch sieht nur auf das Äußere, der HERR aber sieht auf das Herz.“ Auch wir haben unsere Geschichten mit diesem Satz oder mit einer ähnlichen Aussage. Wie schnell passiert es, dass wir einen anderen Menschen taxieren und versuchen, ihn von seinem Äußeren her zu beurteilen!

Welchen Beruf übt er oder sie aus? Ist diese Person verheiratet? Hat sie Kinder? Wie wirkt sie auf mich? Ist sie mir sympathisch oder unsympathisch? Ist das ein ordentlicher Mensch oder ein Chaot? Aufbrausend oder zurückhaltend, vielleicht gar depressiv?

„Der Mensch sieht nur auf das Äußere, der HERR aber sieht auf das Herz.“ Bei Gott zählen andere Maßstäbe als wir sie anlegen. In seinen Augen, nach seinem Urteil ist die Eignung für eine bestimmte Aufgabe anders als wir es uns vorstellen können. Das lässt mich aufhorchen.

Gott beruft Menschen in Aufgaben

Es kommen mir dazu einige Beispiele aus der Bibel in den Sinn. Gott beruft Abraham aufzubrechen und in ein neues Land zu ziehen. Man meint, das sei eine Aufgabe für einen jungen, dynamischen Menschen, der gerade neu ins Leben startet. Aber nein, Abraham ist 75 Jahre alt.

Gott beruft Mose, damit er Gottes Volk aus Ägypten herausführt. Das ist eine Aufgabe für jemanden, der andere Menschen überzeugen muss, erst den Pharao, damit er das Volk ziehen lässt. Und dann das Volk, damit es auch mitkommt. Aber Mose ist kein geübter Redner. Er hat viele Ausreden bereit, auch diejenige, dass er nicht reden kann. Darum stellt ihm Gott seinen Bruder Aaron zur Seite.

Gott beruft Gideon, damit er das Volk Israel in der Auseinandersetzung mit einem benachbarten Volk anleitet. Er fühlt sich viel zu gering und zu jung für diese Aufgabe. Gott kann ihn erst durch eine Zeichenhandlung davon überzeugen, dass er der Richtige sei.

Ich könnte die Reihe noch lange fortsetzen: Bei Jesu Jüngern sind solche dabei, die übereifrig handeln wie Petrus, und andere, denen misstraut wird, weil den Zöllnern. Frauen sind die ersten Zeuginnen der Auferstehung Jesu, obwohl Frauen damals nicht zugetraut wurde, dass sie etwas bezeugen können vor Gericht. Paulus wird zum Apostel berufen und ist viel auf Reisen, obwohl er davon schreibt, dass er mit einer körperlichen Beeinträchtigung leben muss.

Was sagen die Berufungen über Gott aus?

Gott ruft Menschen in seinen Dienst, die nach den Maßstäben der Arbeitsämter als nicht vermittelbar gelten. Gott setzt andere Maßstäbe als wir Menschen. Er beruft nicht die Fähigen, sondern befähigt diejenigen, die er beruft. Das verändert unseren Blick auf Gott und wie er uns im Glauben stärkt und ausrüstet.

Hier geht es nicht um einen Gott, der mit seinem Röntgenblick alles durchleuchtet, der auch die geheimsten Winkel ausforschen möchte, damit er noch mehr an Macht über uns gewinnt. Als ein liebender Gott hat er einen anderen Blick als den Röntgenblick. Die Liebe sieht mehr als was vor Augen ist.

Das ist auch bei uns Menschen so. Wir merken es spätestens dann, wenn wir verliebt sind oder einen verliebten Teenager im Haus haben. Wie sieht da nicht alles ganz anders aus als es ein Realist sehen würde. Im verliebten Zustand lassen sich Berge versetzen und man kann die tiefsten Gräben überwinden. Die Liebe sieht mehr als was gerade vor Augen ist.

Und so ist es auch bei Gott. Seine Liebe macht uns zu mehr als wir eigentlich sind. Seine Liebe befähigt uns, auf Menschen zuzugehen, auch wenn wir eigentlich scheu sind. Seine Liebe ermöglicht es uns zu vergeben, auch wenn die Situation insgesamt dagegen spricht. Seine Liebe lässt uns über uns hinauswachsen, weil Gott uns mit seinem Geist begabt.

Gottes Geist befähigt mich

„Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.“ (Römer 5,5) Mit diesem Vers aus dem Römerbrief des Paulus hat die Predigt am letzten Sonntag geendet. Auch ich greife damit noch einmal auf, was Gottes Geist an uns tut und wodurch unser Glaube wachsen kann.

  • Es ist dieser Geist, der uns die Furcht nimmt in Gott nur den Big Brother zu sehen, das unbekannte Wesen mit dem Röntgenblick.
  • Es ist dieser Geist, der uns befähigt, Gott zu entsprechen und seinem Willen zu folgen.
  • Es ist dieser Geist der unser Herz so verwandelt, dass wir vor Gott gerecht dastehen.
  • Es ist dieser Geist, der uns selbst verwandelt.

Oder anders gesagt: Vor den Augen der Menschen mag ich unsympathisch, unansehnlich, unwert ausschauen, aber ich weiß, dass ich vor Gottes Augen recht da stehe. Er schaut auf mein Herz. Er weiß wie ich es meine. Er nimmt mich an wie ich bin, weil sein Geist mich dazu macht, dass ich zu Gott gehöre. Amen

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