Am Frieden bauen
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Die Gebiete im Osten der Demokratischen Republik Kongo sind tief geprägt durch jahrzehntelange, immer wieder aufflammende bewaffnete Konflikte. Ende Januar 2025 wurden viele Städte und Dörfer der Region durch den Vormarsch der von Ruanda unterstützen M23-Rebellen zum Kriegsgebiet. Die lokale Verwaltung und die Bildungseinrichtungen wurden durch die Rebellentruppen außer Kraft gesetzt.
Die United Methodist Church des Landes setzt in diesem Gebiet nun ein Projekt um, das die Basis für eine bessere Zukunft legen soll: die Ausbildung junger Menschen als Friedensstifter*innen. In Uvira erhielten Anfang März über 30 Jugendliche eine intensive Schulung, um Jugendkriminalität entgegenzuwirken – ein drängendes Problem in der von Unsicherheit geprägten Region.
Jugendkriminalität stark angewachsen
Auch nach dem Rückzug der Rebellentruppen bleibt die Sicherheitslage in Uvira prekär. Das fehlende Sicherheitsgefühl und das Machtvakuum, das aus den verschiedenen Wellen der Besetzung entstanden ist, wurde durch gewälttätige Banden gefüllt. Die Lage ist durch anhaltende Gewalt und eine hohe Zahl von Tötungsdelikten gekennzeichnet.
Durch die Kämpfe im letzten Jahr wurden Familien auseinandergerissen. Tausende Kinder kämpfen täglich ums Überleben. Laut aktuellen Berichten der Sozialbehörde der Provinz Süd-Kivu ist mittlerweile Jugendkriminalität bei drei Vierteln der Jugendlichen verbreitet.
»Um eine gesunde Gesellschaft aufzubauen, müssen wir diese negativen Entwicklungen Schritt für Schritt bekämpfen«, betont Dumas Balegamire, der für den Kirchendistrikt zuständige methodistische Superintendent. Er hat das Programm initiiert. »Dies ist erst der Anfang. Wir planen, das Projekt auf andere Distrikte auszuweiten, denn Jugendkriminalität befeuert oft die lokale Unsicherheit.«
Ursachen und Lösungsansätze
Der methodistische Pfarrer Clément Kingombe Lutala beschreibt im Rahmen der Workshops die Situation als Teufelskreis: »Armut, Arbeitslosigkeit, Schulabbrüche, das Leben auf der Straße, Alkohol, Drogen, bewaffnete Konflikte, schwache staatliche Strukturen und die wirtschaftliche Ausbeutung von Kindern treiben die Jugendlichen in die Kriminalität.« Das Training soll hier gegensteuern – durch Aufklärung, Stärkung der Gemeinschaft und konkrete Handlungsmöglichkeiten.
Sébastien Kasongo, Leiter der methodistischen Jugend in Uvira, sieht im Projekt eine Chance: »Wenn wir eine harmonische Entwicklung wollen, müssen wir die Kriminalität bekämpfen, die den sozialen Zusammenhalt zerstört.« Er wolle sich persönlich dafür einsetzen, seine Altersgenossen zu sensibilisieren.
Junge Menschen als Multiplikator*innen
Die Teilnehmer*innen des Workshops zeigen sich motiviert, das Gelernte weiterzugeben. Mwamini Dorote, eine junge Teilnehmerin, erklärt: »Es ist ein Privileg, Teil dieses Teams für Veränderung zu sein. Wir werden uns gegen die ‹Anti-Werte› einsetzen, die unsere Gemeinschaften zerstören.« Sie wolle das Gelernte mit den Basisgruppen ihrer Kirchgemeinde teilen.
Am Ende der Schulung verabschiedeten die jungen Menschen eine gemeinsame Erklärung, in der sie sich zur Zusammenarbeit für die ganzheitliche Entwicklung ihrer Gemeinschaften verpflichten.
Appell an Politik und Gesellschaft
Bischof Antoine Kalema Tambwe, der für das Bischofsgebiet im Osten der DR Kongo zuständig ist, unterstützt das Vorhaben. Er ruft die jungen Leute auf, sich entschlossen gegen Kriminalität zu stellen, und appelliert an internationale und nationale Verantwortungsträger*innen: »Ich bitte die Kirche und die Gesellschaft, uns weiterhin bei der Stärkung von Familienstrukturen und psychosozialer Betreuung zu unterstützen. Gleichzeitig fordere ich die Regierung der DR Kongo auf, den Zugang zu Bildung zu gewährleisten und dauerhaften Frieden im Osten des Landes zu schaffen.«
Hoffnung auf eine friedlichere Zukunft
Das Ausbildungsprogramm in Uvira ist ein kleiner Anfang, doch es ist Ausdruck eines tatkräftigen Glaubens, der junge Menschen dazu befähigt, Verantwortung für die eigene Zukunft zu übernehmen, Wissen zu teilen und ein Netzwerk vertrauensvoller Beziehungen aufzubauen. So kann neue Hoffnung entstehen – in einer Region, die seit Jahrzehnten auf Frieden wartet.
S.F. / Philippe Kituka Lolonga, UM News