Leben in christ­lich­er Ge­meinsch­aft - (wie) kann das gut gehen?

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Dorothee Büürma

Pastorin, Kinder- & Jugendwerk


Eine Predigt zum Politischen Nachtgebet und zu Apostelgeschichte 17, 16-34 und Johannes 14,15-21

Liebe Predigt-Leser*innen,

In der Vorbereitung dieser Predigt habe ich mir die Texte aus der Apostelgeschichte und dem Johannesevangelium durchgelesen. Obwohl sie mir gut bekannt sind, bin ich diesmal über die folgenden Verse gestolpert: 

Da verkündigt Paulus unter anderem: „Gott ist es doch, der uns allen das Leben, den Atem und alles andere schenkt.“… „Für jedes Volk hat er festgesetzt, wie lange es bestehen und in welchen Grenzen es leben soll.“

Gemeingut oder Eigentum Gottes?

Noch vor zwei Tagen, als wir uns auf das politische Nachtgebet in Salzburg vorbereitet haben, da hab ich bei diesem Vers gedacht: Ob ich den noch aus der Lesung streichen soll? Der ist doch extrem problematisch – vor allem weil heutzutage einige Machthaber der Welt immer noch behaupten, dass Gott ihren Völkern gewisse Territorien geschenkt habe. Das wird dann ein Grund, Grenzen zu verschieben – ist ja „im Sinne Gottes“ – und Nachbarländer anzugreifen oder auch Ansprüche auf Länder zu stellen, die an ganz anderen Stellen der Erde sind. Und wenn ein Volk von gierigen Angreifern ausgerottet wird, oft sogar im Namen Gottes, dann besteht es einfach nicht mehr. Ist ja schon so vorausgesagt in der Bibel.

Oder? 

Wenn man die Bibelverse nur einzeln liest und den größeren Kontext nicht hinterfragt, dann kann man sich schnell alles zurechtbiegen und die eigene Gier theologisch begründen. (Manchmal braucht man dazu nicht einmal mehr die Bibel zu zitieren; Gott spricht anscheinend auch durch Star Wars Zitate!).

Ihr spürt meine Ironie und Unzufriedenheit.
Nein, im Sinne Gottes ist das alles sicher nicht.

Leben im Sinne Gottes?

Im Politischen Nachtgebet in der Kollegienkirche (am 8.5.2026) haben wir uns mit Bibeltexten aus dem Ersten und Zweiten Testament beschäftigt, in denen Idealvorstellungen vom Zusammenleben in dieser Welt vorgestellt werden. 

Ganz deutlich wird an vielen Stellen, dass die Propheten immer wieder mahnen mussten, dass Gott es ist, dem die Welt und alle Herrschaftsansprüche darüber gehören. Kein Mensch, auch kein Präsident oder König besitzt eigentlich auch nur irgendeinen Fleck Erde, der nicht Gott gehört.

Aber was bedeutet das?

Regelungen für das Zusammenleben

Im Ersten Testament gab es dazu konkrete Regelungen, wie man Besitz und Zusammenleben idealerweise im Sinne Gottes verwalten sollte. Es gab Vorschriften zum Säen und Ernten (damit auch die armen oder obdachlosen Menschen Anspruch auf Nahrung hatten, die den Grund und Boden nicht verwalteten oder bearbeiteten). Es gab Vorschriften zum Erlass von Schulden und es gab die Idee eines Jubeljahres: Alle 50 Jahre sollte die Verteilung von Grundstücken evaluiert werden und gerecht geteilt werden. Ich stelle mir das spannend vor, zu einer Zeit in der eben einige Menschen auch als Nomaden lebten. 

In der Praxis hat dieses priesterliche Ideal leider nicht funktioniert. 

Auch wenn Gott Grenzen gesetzt haben könnte – wir Menschen wünschen uns grundsätzlich wohl immer „mehr“…

Die Apostelgeschichte beschreibt noch vor dem Auftreten von Saulus bzw. Paulus, wie sich die ersten christlichen Gemeinden entwickelt hatten. In Jerusalem kamen nach der Gabe des Heiligen Geistes mehr und mehr Menschen zusammen, um nach den Geboten Jesu zu leben. Um ihren Besitz wirklich miteinander zu teilen. Um alles gemeinsam zu haben und zu erleben. Sie aßen miteinander, beteten, lebten eigentlich miteinander. Diejenigen, die reicher waren, gaben ihren Besitz in das Eigentum der Gemeinde. Und die Ärmeren durften davon mitleben. Es wurde für eine kurze Zeit eine Art christliche Idealgesellschaft gelebt. 
Doch wer die Briefe von Paulus kennt, kennt auch die Spendenaufrufe für die Jerusalemer Urgemeinde. 

Das Geteilte reichte nicht mehr zum Leben. Wahrscheinlich waren überproportional viele ärmere Menschen in der Gemeinde und nicht genug Vermögende. Und wenn der Besitz einmal verkauft ist, kann man damit in der Zukunft keine Gewinne mehr machen.

Das Ideal vom ganz geteilten Leben konnte nicht funktionieren, wenn es nur von wenigen Menschen gelebt wurde. 

Ist so ein Leben denn möglich?

War das also alles falsch? Sind sie komplett gescheitert?
Was ist denn dann in Gottes Sinn?

Wir leben heute 2000 Jahre später. Es hat sich vieles verändert in unserer Welt – manche Muster wiederholen sich auch.

Immer noch gibt es Menschen, die gern mit anderen teilen. Manchmal gelingt das gut; manchmal führt es in den Ruin. 

Immer noch gibt es Machtgier und Geldgier und Egoismus in der Welt. Und solange es diese Ungleichheit von Interessen und Status gibt unter uns Menschen, solange kann es keine wirkliche Gerechtigkeit geben.

Sollten wir einfach resigniert aufgeben? Was können wir schon tun gegen diese großen Influencer, die scheinbar unantastbar sind?
Haben wir wirklich einen Einfluss auf die grundlegenden Dinge in unserer Welt?

Ändert euer Leben!

Auch hier möchte ich wieder aus der Apostelgeschichte zitieren: 

„Gott fordert jetzt alle Menschen

an allen Orten auf, ihr Leben zu ändern.

Denn Gott hat einen Tag festgesetzt,

um über die ganze Welt zu richten.

Dann wird er Gerechtigkeit walten lassen…“

Apostelgeschichte 17
Basis Bibel

Die christliche Hoffnung, die wir in den Wundern Gottes erkennen und spüren dürfen, ruft uns auf: Ändert euer Leben! Lebt im Sinne Gottes! Auch wenn es nur wenig an der großen Weltgeschichte zu bewegen scheint. Lebt in eurem Alltag so, wie es im Sinne Gottes ist! Lebt Gerechtigkeit, Nächstenliebe, Mitmenschlichkeit! Teilt miteinander, soweit es euch möglich ist!

Wer sich auf diese Lebensänderungen einlässt (und das ist sicher keine einmalige Geschichte, sondern dazu sind wir im Leben immer wieder neu aufgerufen), der*die spürt bald: Wir sind nicht allein.

Da gibt es eine Kraft, die in uns wirkt, die nicht von dieser Welt zu sein scheint.

Gottes Geist gibt uns Kraft

Und wenn wir auf den heutigen Text aus dem Johannesevangelium schauen, dann erkennen wir: 
„Gott wird euch an meiner Stelle einen anderen Beistand geben,“ sagt Jesus, „einen, der für immer bei euch bleibt.

Das ist der Geist der Wahrheit… ihr kennt ihn, denn er ist mit euch verbunden und wird immer mit euch verbunden bleiben“

Gott, der uns das Leben geschenkt hat, hat uns auch seinen Geist geschenkt. Es ist ein Geist der Wahrheit, der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. 

Wir können ihn nicht sehen, aber wir können ihn spüren:

  • Wenn wir das Richtige im richtigen Moment tun.
  • Wenn wir etwas verstehen, ohne es analysiert zu haben.
  • Wenn wir inmitten von Krieg und Konflikten Hoffnung und Frieden spüren.
  • Wenn wir in Trauer und Leid Trost finden oder jemandem Trost schenken.
  • Wenn uns ein lieber Mensch zum richtigen Zeitpunkt erscheint und etwas Gutes tut.
  • Wenn wir lernen, uns selbst zurückzunehmen und aus Konflikten versöhnt miteinander herausgehen – trotz aller unterschiedlichen Meinungen, Wünsche und Perspektiven.
  • Wenn Liebe größer ist als das Ego.
  • Wenn wir spüren, dass wir nicht allein sind in dieser Welt.

Dieser Geist Gottes ist bei uns. Wir spüren ihn in unserer Gemeinschaft – manchmal mehr, manchmal vielleicht weniger. 

Mit den Worten von Paulus auf dem Areopag: "Gott wollte, dass die Menschen nach ihm suchen – ob sie ihn vielleicht spüren oder entdecken können. Denn keinem von uns ist er fern. Durch ihn leben wir doch, bewegen wir uns und haben wir unser Dasein.“
Dafür dürfen wir Gott dankbar sein!

Lebt jeden Moment in Gottes Fülle!

Und mit dem Schock der gestrigen Nachricht vom plötzlichen Tod unseres Gastpianisten Stan, möchte ich betonen: Wenn wir durch Gott leben, dann ist jeder Moment unseres Lebens besonders und wertvoll. Dann sollten wir keine Sekunde mit Ärger oder Griesgram verschwenden. Dann wissen wir, dass das Leben ein kostbares Geschenk ist.

Es kann so unerwartet zu Ende sein.

Lasst uns jeden Tag so leben, als wäre es der letzte – im Guten miteinander, in Versöhnung, in Frieden, in der Liebe Gottes, die alle Probleme unseres Lebens überwinden kann.

In Freude und Dankbarkeit über alles, was wir erleben dürfen, über jeden Menschen, der uns über den Weg läuft. Über die Musik, die unser Herz erfüllt.

Über die Sonne und den Wind und den Regen.

Die Trostworte Jesu:

Jesus hat seinen Jüngern folgende Worte vor seinem Abschied als Trost und zur Stärkung gegeben. Ich möchte sie uns allen mitgeben:

„ihr werdet mich sehen,

weil ich lebe und weil auch ihr leben werdet.

An dem Tag werdet ihr erkennen:

Ich bin mit dem Vater verbunden,

ihr seid es mit mir, und ich bin es mit euch.

Wer meine Gebote hält und sie befolgt, der liebt mich wirklich.

Wer mich liebt, wird von meinem Vater geliebt.

Und auch ich liebe ihn und werde mich ihm zeigen.“

Johannes 14,20-21
Basis Bibel

Lasst uns in dieser großen und weiten Liebe Gottes unser Leben gestalten – an jedem Tag, der uns geschenkt ist!

Amen.

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Po­li­ti­sches Nacht­ge­bet in Salzburg

Das Politische Nachtgebet fand am 8. Mai erstmals in der Kollegienkirche in Salzburg statt

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Dorothee Büürma

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