Betet den König an!

Glaubensimpuls

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Ruth Armeanu

Laienpredigerin


Predigt zum Sonntag Christkönig, Johannes 18,33-38

Könige von heute

„Du sagst es: Ich bin ein König!“ so hat Jesus also dem Pilatus geantwortet. König? Passt das noch in unsere Zeit? Österreich ist doch schon seit 1918 eine Republik und nicht mehr ein Kaiserreich. Aber laut Internet gibt es derzeit noch immer 44 Monarchien auf unserer Erde – von insgesamt 206 Staaten. Die meisten von ihnen sind parlamentarische oder konstitutionelle Monarchien, haben also Parlament oder Verfassung oder eine Mischform, was die Monarchen auf mehr oder weniger repräsentative Aufgaben beschränkt. Man kann also mit Recht feststellen, dass sie auf unserer Erde in der Regel keine große Rolle spielen – außer vielleicht in bestimmten Zeitschriften und Online-Formaten. Das zeigt, dass sie eine gewisse Anziehungskraft ausüben, Neugier bis Begeisterung hervorrufen – aber natürlich auch Neid. Präsent sind Könige und Königinnen noch in Filmen, Romanen und Märchen wie „Des Königs neue Kleider“ von Hans Christian Andersen oder „König Drosselbart“ aus der Märchensammlung der Gebrüder Grimm. Und bei Faschingsfesten kommen sie vor, da gibt es vor allem viele Prinzessinnen.

Könige damals

Warum sind also Könige und Königinnen noch so interessant? Nun, in der Regel verbindet man Monarchen, Adelige und heute auch den Geldadel mit Reichtum und Macht – aber auch mit Willkür, Gier und Missbrauch der Macht. Aber das ist ja nicht nur bei Monarchien so. Wir kennen das aus der Geschichte, es ist heute noch so und war es auch schon in biblischen Zeiten. Gott hatte sein Volk durch den Propheten Samuel dringend, aber erfolglos vor Königen gewarnt. Samuel gab die Warnung des Herrn an das Volk weiter und führte sehr ausführlich aus, was ein König verlangen würde. Und was sagte das Volk? „Wir wollen wie die Völker um uns herum sein.“ (1. Sam. 8,20). So ist es ja leider bis heute: Die Menschen wollen so sein wie andere und wollen haben, was die anderen haben, und das leider nicht nur in der Kindheit und Pubertät. Israel bekam also seine Könige – gute und weniger gute.

Zur Zeit von Herodes Antipas, der sich wie auch die obersten Priester mitsamt dem Hohepriester nur durch die Römer an der Macht halten konnte, war das Volk aber der korrupten und selbstsüchtigen Herrscher schon sehr müde und hoffte darauf, dass die alten Prophezeiungen, dass Gott selber wieder König sein und die Macht übernehmen würde, endlich in Erfüllung gehen würden. So hatten es die Propheten versprochen und so wurde es in verschiedenen  Psalmen gesungen wie z.B. in Psalm 145.

Jesus, der König

Aber was sollen wir heutzutage davon halten, dass Jesus als König bezeichnet wird? Und das wurde er von Beginn an: von den Sterndeutern, die nach dem neugeborenen König der Juden suchten; dann von Natanael, der am Anfang von Jesu Wirken ausrief: „Rabbi, du bist der Sohn Gottes. Du bist der König Israels!“ (Joh. 1,49); gegen Ende seines Wirkens jubelte ihm das Volk beim Einzug in Jerusalem zu: „Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König Israels!“; im Johannesevangelium bestätigt Jesus ausgerechnet vor Pilatus selber: „Ja, ich bin ein König“; und nachdem die Soldaten ihm voller Spott eine Dornenkrone aufgesetzt hatten, ist als Höhepunkt der Verhöhnung auf einer Tafel am Kreuz, an dem Jesus hingerichtet wird, ein Schild angebracht „Jesus von Nazareth, der König der Juden“.

Warum nennt sich Jesus überhaupt König? Wenn man an den Einzug in Jerusalem denkt, hat man den Eindruck, dass er dort gar nicht als König einziehen will. Als er sich der Stadt vor dem Passafest nähert, ist er keineswegs in Feierlaune, ja, er weint sogar über die Stadt, weil er weiß, dass sie zerstört werden wird: „Wenn doch auch du heute erkannt hättest, was dir Frieden bringt!“, so ruft er unter Tränen aus (Luk. 19,42). Um Frieden geht es ihm also, nicht darum gefeiert zu werden. Und um Rettung, das sagt ja schon sein Name: "Jesus – der Herr rettet".

Ein König, der rettet

Das Volk, das ihm bei seinem Einzug in Jerusalem zujubelt, das möchte ja auch gerettet werden, aber vor den Römern. Es hatte schon sehr lange auf einen Kriegerkönig gewartet. Dabei hätte schon die Tatsache, dass Jesus auf einem Esel ritt, die Menge stutzig machen müssen. Auch die Jünger, die Jesus immer wieder auf die kommenden Ereignisse vorbereitet hatte, hingen an ihren Hoffnungen, dass Gott sein Reich auf Erden mit Macht und Herrlichkeit bauen würde. Dass Gott dies aber anders als erwartet und auf seine göttliche Art und Weise tun würde – worauf schon die Propheten und auch Johannes der Täufer immer wieder hingewiesen hatten – daran dachten sie nicht.

Spätestens bei Jesu Festnahme wurden sie damit endgültig konfrontiert. Da sagte Jesus zu Petrus: „Steck dein Schwert wieder zurück an seinen Platz. Denn alle, die zum Schwert greifen, werden auch durch das Schwert umkommen. Weißt du nicht, dass ich meinen Vater um Hilfe bitten kann? Dann schickt er mir sofort mehr als zwölf Legionen Engel. Aber wie könnte sich dann erfüllen, was in der Heiligen Schrift steht? Es muss doch alles so kommen.“ (Matth. 26,52-54). In diesem Sinne antwortet er auch Pilatus, wenn er ihm sagt: „Mein Reich stammt nicht von dieser Welt. Wenn mein Reich von dieser Welt wäre, hätten meine Leute für mich gekämpft.“ Und Jesus fügt den Grund, warum er geboren wurde und in die Welt gekommen ist, auch noch hinzu: „Ich soll als Zeuge für die Wahrheit eintreten.“ Pilatus fragt zu Recht: „Wahrheit – was ist das?“ Und auch wir fragen uns: Welche Wahrheit ist das, für die Jesus eintritt?

Um welche Wahrheit geht es?

Ist es die Wahrheit des sogenannten „Nazareth-Manifests“ vom Anfang seines Wirkens, als er in der Synagoge seiner Heimatstadt die zukunftsweisende Stelle aus Jesaja 61,1-2 liest, einen ungemein hoffnungsvollen Text: „Der Geist Gottes, des Herrn, ruht auf mir, denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, den Armen gute Nachricht zu bringen, den Gefangenen zu predigen, dass sie frei sein sollen und den Blinden, dass sie sehen sollen... und zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn“ und hinzufügt: „Heute ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Augen.“ (Luk. 4,18-21). Im Gnaden- oder „Jobeljahr“ werden alle Schulden vergeben und alle Sklaven freigelassen.

Oder ist es die befreiende Wahrheit, die sich in den Taten und Worten von Jesus zeigt, wenn er mit Gleichnissen von Gottes kommendem Reich seine Zuhörer fesselt und wenn er Menschen heilt, ob sie nun gelähmt, blind, stumm, taub oder besessen sind, an verschiedenen Krankheiten leiden oder sogar tot sind. Oder wenn er die Menschen durch seine Vergebung von innen her heilt, ihnen ein neues Herz schenkt und dann mit ihnen feiert, weil ja auch die Engel im Himmel ein Fest veranstalten, wenn Sünder ihre falschen Wege erkennen und verlassen? Weil ja Gottes Reich im Himmel wie auch schon auf Erden kommen soll, wie Jesus seine Nachfolger*innen zu beten lehrt?

Oder geht es um die Wahrheit, dass ein Unschuldiger den Tod der Schuldigen stirbt? Einer, der sein Volk vor dem gewarnt hatte, was kommen würde, und der trotzdem die Schuld auf sich nimmt und sich für die Vergehen anderer verurteilen und töten lässt? Der das Gift des Bösen, der Schlange, auf sich wirken lässt und den bitteren Kelch, gefüllt mit Schmerzen, Spott und Hohn, bis zur Neige leert, damit Gottes Reich der Gerechtigkeit und des Friedens aufgerichtet werden kann?

In der Offenbarung jubelt ein himmlischer Chor: „Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen. Denn du wurdest geschlachtet und hast mit deinem Blut die Menschen für Gott freigekauft – Menschen aus allen Stämmen, Völkern und Nationen und mit allen Sprachen. Du hast ihnen Anteil am Reich Gottes gegeben und sie zu Priestern gemacht. Und sie werden auf der Erde herrschen.“ (Off. 5,9-10)

Mitwirken in Gottes Königreich

Jesus hat uns also voller Liebe gerettet, damit wir mitarbeiten können an der Rettung der Erde, wenn Gottes Reich des Friedens und der Barmherzigkeit im Himmel wie auf Erden errichtet wird. Denn er will mit und durch uns herrschen – zusammen mit seinen Schwestern und Brüdern, den Königskindern. Und damit können wir heute schon anfangen. Dazu müssen wir keineswegs vollkommen sein, im Gegenteil. Denken wir nur an Petrus mit seinem dreimaligen Verrat, den er so bitter beweinte, und an Jesu Reaktion nach der Auferstehung: „Weide meine Schafe!“ Das gilt auch für uns als einzelne Christen und als Gemeinde. Wir sind eine Gemeinschaft von Sündern und Sünderinnen, denen Jesus vergeben hat und auf dessen Vergebung wir nach wie vor angewiesen sind. Wir müssen nicht ohne Fehler sein, das hält uns auf dem Boden der Demut, wenn wir uns für Jesu Königreich, Gottes neue Welt auf Erden, einsetzen – im Wissen, dass Jesu Botschaft uns genauso gilt wie den Menschen, denen wir sie bringen.

Sehr eindrückliche Worte dazu stehen am Anfang der Offenbarung: „Selig, wer die Worte der Weissagung vorliest, und selig, die sie hören und die bewahren, was darin geschrieben steht.“ (Off. 1,3). „Seligpreisungen sind Einladungen zu gelingendem Leben. Sie sprechen Menschen wahres Leben zu, auch in Situationen oder wegen eines Verhaltens, bei denen das nicht immer auf den ersten Blick einsichtig ist“, so schreibt W. Klaiber in seinem Kommentar. „Die erste Zusage ganz am Anfang des Buches gilt darum denen, die diese Botschaft weitergeben und sich an sie halten. Wie wichtig das ist, zeigt sich daran, dass die erste Seligpreisung ein Gegenstück am Schluss des Buchs hat, die Zuspruch und Mahnung erneuert (22,7): „Glückselig, wer die Worte der Prophetie in dieser Buchrolle bewahrt.“ In der Offenbarung stehen übrigens insgesamt sieben Seligpreisungen.

Gestärkt durch Seligpreisungen

Und die Seligpreisungen, die Jesus an den Anfang seiner Bergpredigt stellt, klingen sie nicht wie eine Verfassung für sein Königreich? Denn nicht nur in seinen Heilungen und Gleichnissen hat Jesus gezeigt, wie es in Gottes Reich zugeht. In der Bergpredigt definiert er ganz eindeutig, was für ein König er ist: Jesus ist der wahrhaftige König des Friedens, der keine Waffen einsetzt, um die Welt zu ändern. Sondern der auf die gewaltlosen Friedensstifter, die Sanftmütigen und Barmherzigen, die Verfolgten und Trauernden und die mit einem reinen Herzen baut. Sie alle sind nicht nur selber glückselig, sondern sollen dieses besondere Glück auch mit dem Rest der Menschen teilen.

Die überwältigende Liebe dieses Friedenskönigs soll also in und durch uns sichtbar werden, so wie beispielsweise bei John Wesley, der predigend durchs Land zog und sich unter anderem für die Armen und für die Abschaffung der Sklaverei einsetzte; oder wie bei Desmond Tutu, dem für seine Menschenrechtsaktivitäten der Friedensnobelpreis verliehen wurde; oder wie bei Cicely Saunders, die 1967 die Hospizbewegung für todkranke Menschen ins Leben rief, eine Bewegung, die sich inzwischen über die ganze Welt ausgebreitet hat. Und ich könnte noch unzählige weitere Beispiel nennen.

Aber es muss natürlich keineswegs nur „Großes“ getan werden – im Gegenteil! Wir wissen doch sehr gut, wie viel auch wir im Kleinen gemeinsam erreichen können, wenn wir uns z.B. für Menschen einsetzen, die sich allein nicht helfen können, oder wenn wir genau prüfen, was wir einkaufen und auch wie wir die Schöpfung auf vielerlei Weisen schonen können. Und wir haben dabei sogar Hilfe und werden nicht allein gelassen, sondern durch Gottes Ruach, seine heilige Geistkraft, mit Weisheit, Kraft und Liebe ausgestattet.

Wenn Jesus als König regieren wird

Wenn Jesus König ist, dann geschieht, was seine Mutter Maria schon vor seiner Geburt gesungen hat, wir kennen es als „Magnificat“ (Luk. 1,46-55). Da jubelt Maria über den barmherzigen Retter-Gott, der die Mächtigen vom Thron stößt, die Niedrigen erhöht und die Hungrigen satt werden lässt, während die Reichen leer ausgehen. Das ist auch unser Gott, unser liebevoller „Papa“, wie Jesus, unser Bruder, ihn vorstellt, wenn er uns sagt, wie wir zu ihm beten sollen.

Mit den Worten aus dem Anfang der Offenbarung, die wir heute schon gehört haben, wünsche ich euch jetzt die erbarmende Liebe und den Frieden von dem Gott, der immer da ist, schon von Anfang an da war und der kommen wird – und Erbarmen und Frieden auch von Jesus Christus, der uns liebt, uns zu einem Königsvolk gemacht hat und zu Priestern, die Gott, seinem Vater, dienen dürfen (Off. 1,4-6).

Wenn wir, erneuert nach dem Bild unseres Schöpfers (Kol. 3,10), bereit und fähig sind, ihm als Königskinder und Priester zu dienen und unserer Berufung gemäß zu leben, und wenn man schmecken kann, dass wir Salz sind, und sehen kann, wie unser Licht die Dunkelheit der Erde erhellt, dann werden die Menschen Hoffnung schöpfen, auch wenn die Verhältnisse gerade schwierig sein sollten. Denn dann erleben sie, wie es ist, wenn Jesus als König die Erde regiert.

„Die Armen im Geiste werden das Himmelreich geschehen lassen. Die Sanftmütigen werden die Erde übernehmen, so einfühlsam, dass die Mächtigen es erst bemerken, wenn es zu spät ist. Die Friedensstifter werden die Waffenproduzenten aus dem Markt drängen. Die, die nach Gottes Gerechtigkeit hungern und dürsten, werden die Politik der Regierungen und die Entscheidungen der Gerichte analysieren und werden ihre Stimme für die ganz unten erheben. Die Barmherzigen werden alle überraschen, indem sie zeigen, dass es noch eine andere Weise gibt, zwischenmenschliche Beziehungen zu gestalten, als richtend und sorgfältig darauf bedacht zu sein, die anderen unten zu halten. So sieht es aus, wenn Jesus auf dem Thron sitzt.“ (N.T. Wright, Jesus, S. 329)

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