Ich habe den Herrn gesehen!

Glaubensimpuls

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Esther Handschin

Pastorin, Erwachsenenbildung


Gedanken zum Monatsspruch für den April: "Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte." (Joh 20,18)

Mit dem Ausbruch der Pandemie hat sich die Sehkraft nicht nur von Jugendlichen deutlich verschlechtert. Bedingt durch die Notwendigkeit der physischen Distanz hat vieles vor dem Bildschirm stattgefunden: der Schulunterricht, das Homeoffice mit den Videokonferenzen, das Telefonat mit der Oma, die Kontakte mit den Freundinnen und Freunden über Instagram oder Facebook, die tägliche Dosis an Informationen und zum Abhängen der Konsum von Serien und Spielfilmen. Augenärztinnen und Optiker haben viel zu tun.

Doch manchmal liegt es nicht allein an der Sehkraft, dass wir etwas nicht sehen können. Unser Blick kann durch anderes getrübt sein, sodass unsere Wahrnehmung getäuscht oder gar verhindert wird. So ist es Maria von Magdala ergangen. Am ersten Tag der Woche geht sie zum Grab, in das Jesus gelegt wurde. Sie will um diesen Menschen trauern, der ihr viel bedeutet hat. Sie kommt als Erste zum Grab, doch dieses ist leer! Der Stein davor wurde entfernt. So berichtet sie zwei Jüngern, was sie gesehen und daraus geschlossen hat: Jemand muss Jesus aus dem Grab weggebracht haben.

Voll Trauer um den nun schon zum zweiten Mal geraubten Freund, weint sie angesichts des leeren Grabes. Die beiden Engel, die sich dort befinden, fragen sie nach dem Grund ihrer Trauer. Wieder lautet ihre Antwort: Jemand hat meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wo ich ihn finden kann. Etwas anderes kann sie nicht wahrnehmen.

Als Erste begegnet sie daraufhin dem auferstandenen Jesus. Doch sie hält ihn für den Gärtner. Hat etwa er ihren Freund weggebracht? Sie sieht nicht, wen sie vor Augen hat. Erst an der Stimme erkennt sie, dass Jesus vor ihr steht. Jetzt hat sie ihren Herrn gefunden. Erst als ihr Ohr den Ruf ihres Namens vernommen hat, werden ihr die Augen geöffnet.

Und nun – mit offenen Ohren und offenen Augen – öffnet sich auch der Mund. Was sie gesehen hat, muss sie weiter erzählen. Als Erste wird Maria von Magdala zur Zeugin der Auferstehung Jesu: „Ich habe den Herrn gesehen!“

„Sehen“ bedeutet mehr, als dass die Augen richtig fokussiert sind und die Stärke der Brille passt. „Ich habe den Herrn gesehen!“ Das geht nicht nur mit den Augen. Hier hat auch das Herz gesehen und erkannt, dass Jesus lebt. Die ganze Person der Maria ist ergriffen von dem, was ihre Augen wahrgenommen haben. So wird sie zur Zeugin, zur glaubwürdigen Verkünderin der Auferstehung und des neuen Lebens, das Gott schenkt.

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