Jesus Christus – der Gesalbte

Glaubensimpuls

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Charlotte Schwarz

Laienpredigerin


Eine Predigt zu Johannes 12,1-8

„Jesus Christus, König und Herr,
sein ist das Reich, die Kraft, die Ehr,
Gilt kein andrer Namen
Heut und ewig. Amen.“

Dieses kurze Lied in unserem Liederbuch (Nr 301), aus dem diese Worte zitiert sind, finden wir in der Sachgruppe „Glaube und Bekenntnis“. Wir haben es in der Gemeinde früher oft gesungen. 
Es gab eine Zeit, aber da war ich noch sehr jung, da verstand ich „Jesus Christus“ ähnlich wie z.B. „Fritz Müller“ – einfach als Name mit Nachnamen. 
Ich wusste natürlich damals auch noch nicht, dass z.B. der Name „Müller“ eine Bezeichnung ist für einen Mann, der dort am Bach eine Mühle besitzt und das Korn mahlt, das ihm die Bauern bringen. Das ist eben der Fritz, der ist Müller dort am Bach. Also = Fritz Müller! Das gleiche gilt auch für „Meier, Wagner, Schmidt“ usw. Das hat sich natürlich verändert, die Berufsbezeichnungen oder Flurnamen sind zu Nachnamen geworden. Kaum einer, der heute „Schmidt“ heißt, ist auch ein Schmid!

So verstehen wir auch die Bezeichnung „Jesus Christus“. Da ist ein Mensch mit Namen „Jesus“. Das war (und ist es möglicherweise heute noch) ein verbreiteter Name. 
Und - wir kennen die Bezeichnung Jesus Christus.

Dazu habe ich folgende Erklärungen in einer Enzyklopädie gefunden, ich zitiere:

„Jesus ist die griechische Form des hebräisch-aramäischen Vornamens Jeschua oder Jeschu, beides Kurzformen von Jehoschua. 

Christus – kommt vom griech.Wort „christos“ und bedeutet „der Gesalbte“. Es ist die Übersetzung des hebräischen Wortes „ma-schiach“ (=Messias). Christen sahen in Jesus den erwarteten Heilsbringer, der das Volk Israel erlösen sollte. Auf das Kommen des Messias verweisen viele jüdische Schriften.“

So können wir verstehen, dass „Jesus Christus“ nicht Vor- und Nachname bedeuten, sondern Name und Titel. So bedeutet nun „Jesus Christus“ = „Jesus, der Gesalbte“.

Bevor wir aber unseren Text näher betrachten, ein paar Erklärungen aus einer Enzyklopädie zum Begriff „Salben, Salbung“:

„Schon in der Zeit der altorientalischen Reiche war die Salbung ein religiöses Ritual der Heilung und der Heiligung. Ebenso diente es der Legitimation politischer Macht. In einer Zeremonie wurde der betroffenen Person Körperteile mit Salbe oder Salböl bestrichen.“

Was bedeutet aber Salbung in der Bibel

Gesalbt werden nach der Bibel Priester, Könige und Propheten. Der Prophet Samuel hat Saul zum König gesalbt. Auch David und Salomon wurden gesalbt, die Salbung sollte dem Herrscher göttliche Gnade und einen herausgehobenen Status unter den Menschen verleihen, ihm aber auch vor Augen führen, dass er seine Macht wiederum Gott verdanke. Sowieso haben nur Männer gesalbt, Propheten (wie Samuel z.B.) oder Priester, Hohepriester. Mir ist nicht bekannt, dass ein König von einer Frau gesalbt wurde. 

Diese Einführung bringt uns zu einem besseren Verständnis unseres Evangeliumstextes nach Johannes. Denn wir wollen eines vermeiden: Berichte von verschiedenen Evangelien zu vermischen, die von einer Salbung Jesu erzählen. Wir wollen bei Johannes bleiben.

Wir lesen hier: „Sechs Tage vor dem Passafest kam Jesus wieder nach Betanien. Dort wohnte Lazarus, den er von den Toten auferweckt hatte. Zusammen mit seinen Schwestern veranstaltete er ein Festmahl für Jesus.“
Jesus lag mit Lazarus zu Tisch mit anderen Gästen, darunter seine Jünger, derweil Marta sie bewirtete.  
Nun erleben wir Maria, wie sie eine Flasche reines, kostbares Nardenöl über Jesu Füße gießt und sie salbt. Anschließend trocknet sie seine Füße mit ihren Haaren. Im Evangeliumstext (gleich welcher Übersetzung) schreibt Johannes ausdrücklich von „Salböl, reines, kostbares Nardenöl“ und dass Maria Jesu Füße „salbte“. Diese Salbung müssten ja auch die Männer in dieser Runde verstanden haben.

Zwei Verhaltensweisen haben mich hier sehr erstaunt, ja berührt, auf die möchte ich eingehen und ich bleibe in meiner Predigt bei diesen Gedanken: 

1. Eine selbstverständliche Salbung

Marias Selbstverständlichkeit, mit der sie handelt! Hier ist eine Männerrunde versammelt, dazu noch beim Essen. Eine Frau hatte hier nur als Dienende Zutritt, wie Marta, von der es heißt, dass sie die Gäste bewirtete. So war die Kultur damals, klare Aufgabenteilung.
Maria fürchtet sich nicht, diese Verhaltensregeln zu durchbrechen. Sie hat vor kurzer Zeit erlebt, wie Jesus ihren Bruder aus dem Tod ins Leben zurückgerufen hatte. 

Was bewegt sie nun, Jesus zu salben? Das war nicht einfach eine nette Geste der Dankbarkeit, auch wenn es ein hochpreisiges Geschenk war, wohl im Wert des Jahreslohnes eines Arbeiters! Heute würde man fragen „… und was hat denn Jesus davon, wenn Maria so ein Vermögen über seine Füße gießt?“ Kosten – Nutzen – Rechnung …! So in etwa dachte Judas.

Wohl mögen Dankbarkeit und Freundschaft mit ein Grund für ihr Handeln sein. Aber ein tieferes Verstehen, eine Ahnung des Weges Jesu erfüllen Maria. Ein Erkennen, wer dieser Jesus ist: Er ist nicht einfach ein begnadeter Redner, ein kraftvoller Wunderheiler, ein großer Rabbi … Sie fühlt, ja sie weiß, hier ist mehr: Hier ist der erwartete, der ersehnte Retter von Gott.

Diese Erkenntnis lässt sie Konventionen, Verhaltensregeln überwinden, sie folgt ihrer Eingebung, sie lässt sich durch Gottes Geist führen und tut das Unerhörte: Mitten unter den Männern beugt sie sich nieder zu Jesu Füßen und in dieser Demut salbt sie Jesus.  Sie hat keine Berührungsängste – nicht vor dem Mann Jesus, nicht vor dem Messias! Sie scheut nicht davor zurück, etwas Ungebührliches zu tun – heute würde man sagen: ein absolutes „no go“! Sie kümmert sich in keinster Weise darum, wie das bei allen anderen ankommt. 

Mit dem Nardenöl offenbart Maria die höchste, ja die königliche Würde ihres Gastes, sie zeigt auf, wer Jesus ist: der Messias! Nardenöl und Salbung stehen für Zuwendung und Verschwendung, die die Würde des Menschen zum Leuchten bringen. Diese Auszeichnung, diese Großzügigkeit Marias, die sie Jesus entgegenbringt, erleben alle in diesem Haus. Denn es heißt: Das ganze Haus wurde vom Duft des Nardenöls erfüllt! Alle werden erreicht von Marias Botschaft: Hier ist der Messias! Auch wenn sie kein einziges Wort spricht. Ihr Handeln wiegt mehr als das schönste gesprochene Glaubensbekenntnis, denn es kommt aus ihrem Herzen, sie folgt ihrem Gewissen. 

Aber – wer hat die Botschaft verstanden?

2. Eine Salbung ohne Berührungsängste

Auch Jesus lässt dies alles mit sich geschehen! Jesus erkennt bei Maria, dass sie, eine Frau, zutiefst verstanden hat, wer er ist: der von Gott Gesandte. Der Messias. Da spüren wir ein tiefes Verstehen zwischen den beiden, auch wenn, wie Johannes es berichtet, kein Wort zwischen ihnen gesprochen wird. 

Und das fällt ebenso auf: Auch Jesus hat keine Berührungsängste, denn es war wohl sehr anstößig, dass er als Mann sich in einer Männerrunde von einer Frau in dieser Weise berühren lässt. Salben mag ja noch angehen, aber die Füße mit den Haaren trocknen, das ist doch eine fast intime Geste, eine Geste voller Demut und Vertrauen, ja auch der Zuneigung. Dies alles nimmt Jesus an, in einer großen Selbstverständlichkeit, in tiefem Verstehen. Was an ihm aus Liebe geschieht, das lässt er zu, mag es vor der Welt auch ungehörig erscheinen.

Was bedeutet das alles nun für uns? Ist das einfach eine berührende Geschichte? 

In erster Linie ist es ein Glaubensbekenntnis:
Johannes sagt uns: „Jesus ist der Gesalbte Gottes: Er ist der Christus.“ Dies war das Fundament seines Evangeliums an seine Gemeinde. Es war das Glaubensbekenntnis der Urchristen.

Johannes schreibt im 20. Kap, 30-31
„Jesus hat vor den Augen seiner Jünger noch viele andere Zeichen getan. Sie sind nicht in diesem Buch aufgeschrieben. Was aber in diesem Buch steht, wurde aufgeschrieben, damit ihr festbleibt in dem Glauben: Jesus ist der Christus, der Sohn Gottes! Wenn ihr das glaubt, habt ihr das wahre Leben durch ihn!“
Das ist die Hauptaussage dieser Salbung.

Mir ist noch eine andere Frage wichtig:
Was hat das nun mit uns zu tun, außer, dass auch wir bekennen können: Jesus ist der Christus, der Gesalbte, der Messias?

Ich lerne bei Maria das tiefe Vertrauen in Jesus. Ich brauche keine Berührungsängste bei ihm zu haben. Auch wenn er nicht mehr als Mensch bei uns ist: In aller Offenheit darf ich zu ihm kommen, er versteht mich, ohne dass ich viele Worte zu machen brauche. Oft ist es doch so, dass ich nicht weiß, wie ich ihm erzählen soll, was mich zutiefst beschäftigt. Was mich ängstigt, was ich nicht verstehe, oder auch die Schuld, die mich bedrückt. 

Aber auch das Gegenteil: Ich möchte meine Dankbarkeit, meine Liebe zu ihm (die mir sowieso immer zu kümmerlich erscheint) ausdrücken, ihm sagen, was er für mich bedeutet. Ja, das ist manchmal die Frage: Was bedeutet er mir? Was bedeutet das, wenn ich beteuere: „Jesus Christus, König und Herr“! Wirkt sich das irgendwie in meinem Leben aus? Oder gibt das meinem Leben eine Richtungsänderung? Bleibt es hoffentlich kein Lippenbekenntnis!? Ja, genau das darf ich ihm auch sagen, und ich darf auch wortlos zu ihm kommen. Er versteht, er sieht tiefer in mein Herz, als ich es selber vermag. 

Maria hat eine unglaubliche Tat gesetzt: Sie hat Jesus wohl das Kostbarste, das sie besaß, geschenkt, über ihn verschwendet. Sie hat ein Zeichen gesetzt. Ich brauche Jesus nicht mehr zu salben, er IST der Gesalbte, der König, der Messias! Aber, ich kann mich in Marias Haltung einüben: Nie brauche ich Angst zu haben, dass ich Not leiden würde, dass ich zu kurz kommen könnte, wenn ich im Vertrauen und in der Liebe großzügig bin. Meine Lebensweise und mein Handeln in einer Welt in Not können ein Bekenntnis sein dafür, wer mein Leben bestimmt, wer mein Gott ist, mein Messias: Jesus Christus! Denn durch mein Leben werden meine Worte wahrhaftig. 

Maria möge mir, möge uns, ein Vorbild sein an Mut zum Handeln in der Liebe und in der Großzügigkeit, ohne Angst auf die Reaktion unserer Umwelt; ein Vorbild an Demut, mich herabzubeugen zu den Bedürftigen und Menschen in Nöten und ihnen in meinem Handeln Würde zu geben. Was immer die Begegnung mit Jesus in mir, in uns, bewirkt: Maria macht uns Mut dazu! 

Maria ist uns auch ein Vorbild im Vertrauen in die Liebe Jesu, der uns immer annimmt und sich nie von uns abwendet. Jesus wird uns nie zurückweisen, sondern er nimmt uns an. Immer. In jeder Lebenssituation. 

Marias Vertrauen in Jesus ermutigt auch uns, so wie wir die letzte Zeile im nächsten Lied singen werden: „Und wenn ich ganz unten bin, weiß ich dich an meiner Seite, Jesu, meine Freude!“
AMEN

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