Wir feiern die Liebe Gottes – dadurch machen wir Mut!

Glaubensimpuls

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Gabi Rehbogen

Bezirkslaienführerin EmK Salzburg, Vorsitzende Frauennetzwerk der EmK Österreich


Die Predigt aus dem Eröffnungsgottesdienst der Jährlichen Konferenz 2022

„GOTT IS MA UNTAKEMMA!“

Überschrift einer Plakat-Kampagne
(Salzburg 2021-22)

Kennen Sie, kennt ihr, dieses Plakat? 

Hier in Salzburg hat man dieses Plakat an beinahe allen Litfaßsäulen in der Stadt gesehen. Es war eine Initiative von Campus für Christus im November 2021.

Das Interessante daran war, dass mich viele Freunde und Bekannte darauf angesprochen haben, weil sie nicht wussten, was das „Gott is ma untakemma“ bedeuten soll. Sie dachten an eine Fantasiesprache und konnten nicht erkennen, was es ausdrücken soll – also, was heißt es? – GOTT ist mir begegnet!

Auf diese Weise haben sich viele gehaltvolle Gespräche entwickelt und vielleicht wurden auch einige von den Gottesbegegnungsgeschichten, die dazu von einzelnen Menschen im Internet in Kurzvideos erzählt wurden, berührt. Laut Campus haben in Österreich täglich etwa 6000 Menschen eine dieser Video-Botschaften angeklickt.

Unser Konferenzthema heuer lautet: „What to do?“ folgend den letzten Jahren mit den Themen „What to teach?“ und „How to teach?“

Viele Gedanken haben wir uns schon gemacht, wie wir die Liebe Gottes, die wir in uns spüren, weitertragen können.

Bei „What to teach?“ sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass wir die Liebe Gottes feiern wollen und dass wir bewusst Orientierung für unser Zusammenleben durch das Evangelium weitertragen können und wollen.

Bei „How to teach?“ wollen wir uns in einer Weg- und Lerngemeinschaft ermutigen und uns versichern, dass wir alle am Weg sind, unvollkommen und bedürftig, aber dass wir, wenn wir uns öffnen für die Liebe Gottes, wachsen, uns entwickeln und verändern können.

Nun, heuer werden wir über „What to do?“ nachdenken und über ein gemeinsames Tun, denn, wie John Wesley es ausdrückt, sind wir an der tätigen Liebe als Christ*innen erkennbar! 

Er sagte :

Es geht nicht darum, dass wir besonders sind, sondern darum, dass wir als Menschen erkennbar sind, in deren Herzen Gottes Liebe ausgegossen ist.

John Wesley
Begründer der methodistischen Tradition 

Aber nun zum Evangeliumstext, bei dem ich mich besonders auf die Stelle der Begegnung Jesus mit Petrus beziehen möchte.

Petrus fordert Jesus auf, ihn aufs Wasser zu holen, wenn er es denn wirklich wäre. Und Jesus holt Petrus aufs Wasser. Petrus steigt aus dem Boot. Es wird explizit beschrieben, dass Petrus auf dem Wasser auf Jesus zugeht. Er erfährt also die schöpferische Macht Jesu am eigenen Leib, indem Jesus ihm das Wandeln auf dem Wasser ermöglicht. Interessant ist die Tatsache, dass Petrus erst zu zweifeln beginnt, als er das Wunder schon erlebt hat, nicht vorher!
Warum beginnt er dann dennoch zu zweifeln? Müssten ihn seine ersten Schritte auf dem Wasser nicht überzeugt haben? Wo ist der Mut des Beginns?

Petrus, "der Fels" – so sein Name, den Jesus ihm gegeben hat und der damit entscheidende Bedeutung für die wachsende christliche Gemeinde vor 2000 Jahren haben würde – wird er einer Glaubensprüfung ausgesetzt?
Petrus war der einzige Jünger, der eine Wundergeschichte am eigenen Leib erfahren hat. Beispielhaft hat Petrus die schöpferische Macht Jesu und gleichzeitig auch seinen Zweifel, als Erster erfahren. Die anderen Jünger, wir Christen, werden das gleiche später auch noch durchleben. 

Wir erkennen, dass Zweifel etwas ist, das uns alle befällt, auch wenn wir annehmen, dass unser Glaube stark ist! Der Begriff Kleinglaube findet bei Matthäus des öfteren Verwendung.
Jede dieser Erzählungen behandelt in gewisser Weise das Thema Angst und Zweifel. Die Antwort Jesu auf die Angst, bzw. den Zweifel der Jünger, ist in allen Geschichten das Wort „Kleinglaube“. 

Für Matthäus gehört der Zweifel zum Glauben dazu! 
Der reife Glaube aber ist eben nicht nur Vertrauen, sondern auch Ehrfurcht vor dem Geheimnis Gottes. 
Zu wissen, dass mein Leben anders sein kann, als ich es mir wünsche und zu wissen, dass Gott auch anders sein kann, als mein Glaube es ihm erlauben will – das zu wissen, ist Ehrfurcht vor Gott.
Wir sollten demnach den Zweifel nicht fürchten, sondern vielmehr die Gleichgültigkeit!

Wir versuchen oft Kluges zu denken, besonders zu fühlen, zu erleben, nicht aber gehorsam zu sein. Dieser Gehorsam besteht darin, das Erkannte zu tun!
Das Wesentliche heißt hier, lernen ein*e Jünger*in / Lehrling zu sein. Wir sollten die Glaubensfrage nicht an den Anfang stellen, denn diese Frage kann nur Folge dessen sein, was ich im Nachfolgen lerne, höre, sehe, tue.
Christus spricht: „Ersetze mich nicht durch deinen Glauben. Wie könnte ich mit dir weitergehen?“

In diesem Sinne sind schon viele Fragen unseres Konferenzthemas beantwortet: Wir wollen mit Jesus weitergehen und deshalb wollen wir in einer Lerngemeinschaft am Weg sein und der Liebe, die Gott in unsere Herzen gepflanzt hat, immer mehr Ausdruck verleihen.

Die Frage: „Wie wollen wir miteinander leben?" – diese Frage macht unser Mensch-Sein aus. Wir formen uns durch unsere Kultur, durch unser Christ*in-Sein. Das lässt uns fragen, welches die inneren Regeln sind, denen unser Leben folgen soll. Worauf hören wir? Was wählen wir?
Wer nur seiner Natur recht gibt, der hat nichts gewählt!

Eine Lebensregel ist weder allgemein gültig, noch endgültig. Sie ist ein Zeugnis – sie zählt nicht nur Regeln auf, sondern erzählt auch davon, was wir mit den Regeln erleben.
Darum enthalten alle großen und Heiligen Schriften nicht nur Gesetze, sondern auch Geschichten. In den Geschichten spüren wir etwas von den inneren Kämpfen zwischen der Natur und der Kultur des Menschen – was wir gelernt haben, woran wir glauben, wofür wir uns einsetzen. Wir können uns die Lebensregeln nur dann zu eigen machen, wenn wir diesen Kampf auch in unserem eigenen Dasein spüren.

Nun zurück zu Petrus:
Petrus vertraut Jesus und lässt sich auf das Wasser holen. Trotz der schöpferischen Macht Jesu scheitert das Vertrauen von Petrus an seiner Angst und seinem Zweifel entsteht. Dieser Kleinglaube ist also hier der Zweifel in die Macht Jesu, bzw. an sich selbst.

Vielleicht soll diese Stelle im Evangelium eine Erinnerung an uns Leser*innen sein, eine Aufforderung sich über den eigenen Glauben Gedanken zu machen. Zweifle ich in der Gegenwart Gottes an seiner Macht? An mir?

„Seid getrost, ich bin es, fürchtet euch nicht!“, so gibt sich Jesus zu erkennen, denn er sieht und hört, wie sich die Jünger fühlen und dort holt er sie ab. 
Mit diesem Gruß vermittelt er allen Erschrockenen und Verstörten, allen Unsicheren und Verängstigten die Erfahrung, dass sie nicht alleine sind.
Furcht ist kein Makel! Auch der Schrei: „Herr, hilf mir!“ macht mich in Jesu Augen nicht klein, sondern dieser Ruf nach Hilfe fordert mich dazu auf, mir die eigenen Schwächen einzugestehen. 

Ich wünsche mir und uns allen den Mut, offen über unsere Ängste und Schwächen sprechen zu können, Was trägt mich? Was lässt mich nicht versinken? Wen oder was habe ich im Blick?
Gott selbst muss unseren Blick wieder in seine Richtung lenken, weil wir sonst in die Irre gehen würden. Wer, wie Petrus auf den Wind sieht, geht unter. Wer auf Jesus sieht, kann ihm begegnen!
Schon ein kleines Zeichen, das Gott in unser Leben setzt, kann aus einer Niederlage einen Sieg machen, uns hoffen lassen, uns lieben lassen, uns frei machen.

Petrus schaute einen Augenblick von Jesus weg auf den Sturm und wäre ohne Jesu Hilfe untergegangen. Ein gutes Wort, eine herzliche Umarmung, eine Fürbitte,  trostvolles Zuhören, einfach nur Da Sein, um Hilfe bitten, viele kleine Dinge können so viel verändern!

Petrus erscheint als der „erste“ Apostel, als Sprecher des Jüngerkreises und sein Verhalten wird im Matthäus–Evangelium als Lehrbeispiel für das rechte Verhältnis von Glaube und Zweifel dargestellt.

Später lesen wir: „Wenn ihr euch in den Nöten, die die Nachfolge mit sich bringen kann, voller Vertrauen an euren Herrn wendet, wird er euch trotz allen Versagens nicht im Stich lassen.“

Es ist nicht irgendein Weg, sondern es ist der Weg der Liebe und des Gehorsams. Durch Jesus getragen werden im Abgrund des Wassers heißt nicht, irgendwie über sich selbst hinauszuwachsen, oder besondere geistige Erfahrungen zu sammeln, sondern sich auf Jesu Weg der Liebe einzulassen und dann, in einer abgründigen, lieblosen Welt, das Getragensein durch ihn zu erfahren.

Ich wünsche uns  :

  • dass wir den Blick auf Jesus gerichtet halten
  • dass wir ihn erkennen dürfen
  • dass wir mit der Hoffnung leben, dass Gott kleine Dinge und Zeichen setzt, die unser Leben positiv verändern wollen
  • dass wir den Mut aufbringen, um Hilfe zu rufen

So können wir mithelfen, dass die Liebe Gottes weitergegeben wird. Wir sind nicht Opfer der Stürme. Wir müssen nicht erdulden und aushalten. Jesus ist unerwartet für uns da – er hilft uns aufzustehen, nicht zu versinken.

Wir können über scheinbare Sicherheitsbootwände klettern und uns mit IHM den Herausforderungen unseres Lebens stellen – in unseren Beziehungen, bei der Arbeit, in unseren Gesprächen, im Blick auf die politische Lage in unserer Welt, in Anbetracht von Krankheit und Leid, in Anfechtungszeiten.

Lasst uns staunen, wie die Jünger gestaunt haben!
Denn unser Glaube gibt uns Hoffnung und Orientierung, er hilft uns, nicht in Angst zu erstarren, sondern unseren menschenmöglichen Teil beizutragen, dass wir einander achten und wertschätzen.

Erzählen WIR von unserem: „GOTT is ma untakemma“, lernen wir von Gottes Wort und voneinander! AMEN

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