Im Licht des Herrn leben. Eine Predigt über Licht und Dun­kel­heit im Leben

Glaubensimpuls

Bild von Dorothee Büürma
Dorothee Büürma

Pastorin, Kinder- & Jugendwerk


Eine Advent-Predigt zu Jesaja 2,1-5 und Römerbrief 13,11-14

Am vergangenen Sonntag hat die Evangelisch-methodistische Gemeinde Salzburg das alte Kirchenjahr mit dem traditionellen Missionsgottesdienst beendet. Wir haben berührende Geschichten aus dem Leben von Marie aus Ghana gehört, die uns wieder einmal gezeigt haben, wie gut es uns hier in Österreich geht. Aber viel mehr noch haben wir die Hoffnung, die uns der Glaube gibt, spüren dürfen; auch durch die Informationen zu den Projekten, die das Frauennetzwerk mit unseren Spenden unterstützt. Und diese Hoffnung wirkt in mir noch nach. 

Eines der Projekte hat den schönen Titel: „Mit Frauen ist Frieden möglich“. Und ich habe nun ein etwas anderes Bild vor Augen als der Prophet Jesaja in unserer Lesung: 
Da werden dann Schwerter nicht nur zu Pflugscharen oder Speere zu Winzermessern, sondern vielleicht auch noch zu guten Unterrichtsmaterialien für Schulen, oder zu Werkzeug mit dem Kaputtes repariert werden kann, oder zu Utensilien für die Kochstelle, an der nahrhafte Mahlzeiten entstehen… Ich wage zu behaupten: Mit Frauen ist Frieden ganz anders möglich, als wenn er nur durch einen (männlichen Teil) der Bevölkerung entsteht! Diese Geschichten und diese Hoffnung erzählen mutige Methodistinnen im Kongo, einem Land, in dem von Frauen hauptsächlich erwartet wird, dass sie Kinder zur Welt bringen und sich um den Haushalt und die Mahlzeiten kümmern. 
Die Unterstützung dieser Frauen durch die Organisation Connexio ist ein Lichtblick inmitten der Schwierigkeiten, die die Frauen dort erleben.

Schwierigkeiten und Zeiten, die sich einfach dunkel anfühlen, kennen wir alle auch. 
Ich möchte zum Anfang des neuen Kirchenjahres nun einen Blick auf den Anfang werfen mit euch; also ganz konkret, auf die Anfangsverse der biblischen Schriften.

Der (alttestamentliche) Ursprung vom Licht in der Dunkelheit:

Da heißt es in 1. Mose 1: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. 2 Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. 4 Und Gott sah, dass das Licht gut war." 

Am Anfang – die Dunkelheit, die Finsternis 
Sie kommt immer wieder vor in unseren biblischen Texten. Als auf der Erde Chaos herrschte (im Hebräischen ist das so schön ausgedrückt mit dem Wort Tohuwabohu), als alles finster war, da war Gottes Geist schon da – es heißt, die Geistkraft oder auch der Atem Gottes schwebte über dem Wasser. Und Gott brachte Licht hervor. Licht, das merklich gut war. 

Die Bedeutung von Licht auch in unserem Alltag

Kindern fällt es oft nicht leicht, in dunklen Räumen zu schlafen. Dunkelheit bringt Unsicherheit. Kleine Nachtlichter schaffen Ruhe und Sicherheit.

Alle, die in Dörfern oder Städten leben, wissen, dass auch nachts, wenn es draußen finster ist, Straßenlampen und andere Lichter diese Sicherheit geben. Es ist bei uns ja nicht wirklich finster.

Zur Zeit des Alten Testaments war das natürlich anders. Als es keine Lichtschalter und Lampen gab, da war die Nacht schon deutlich finsterer. Da sah man aber auch um so deutlicher die Sterne am Himmel – auch sie sind beruhigende Zeichen des Lichts und der Hoffnung in der Dunkelheit. 

Licht und Finsternis in den Psalmen

In Psalm 139 wird ganz poetisch ausgedrückt, dass die Finsternis mit Gott nie finster bleiben kann: 
„Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein –, so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht.“

Schon das Licht einer einzigen Kerze kann ja einen ganzen Raum erhellen und ihn gefühlsmäßig komplett verändern.

Finsternis und die dunkle Jahreszeit

In einem Kommentar habe ich vor Kurzem gelesen, dass die Finsternis ein wichtiger Teil des Lebens ist. Wenn es nicht finster wäre, könnten wir die Schönheit des Lichts nicht in ihrer Fülle erkennen. 

Eine Kollegin von mir arbeitet in Großbritannien mit Menschen, die mit psychischen Krankheiten leben. Vor allem Depressionen und Angststörungen sind in dieser Jahreszeit oft stärker als in den Monaten, in denen es länger hell ist. Und ich muss dazu sagen, im Norden von Großbritannien ist es deutlich dunkler als hier. Da geht die Sonne im Winter oft erst zwischen 8 und 9 Uhr auf und schon ab 15 Uhr ist es wieder dunkel. Und ich erinnere mich an die Jahre, in denen ich an der schottischen Grenze gelebt habe. Dort habe ich unter anderem die Glühbirnen in den Lampen mit Tageslicht-Lampen ersetzt, weil schon dieser kleine praktische Unterschied mir mehr Energie und Konzentration gegeben hat an den vielen dunklen Tagen dort.

Für Menschen, die auf die äußere Dunkelheit und Finsternis psychisch am eigenen Körper reagieren, können Lichter einen großen Unterschied machen. 

Meine Kollegin hat daher diesen Herbst einen Artikel geschrieben, in dem sie um Verständnis dafür bittet, dass manche Menschen ab Herbstbeginn kleine Lichterketten in ihren Häusern brauchen, als kleine Hoffnungszeichen in der dunklen Jahreszeit. Und dass man Menschen nicht verurteilen sollte, weil sie ihre Wohnungen vielleicht schon im Oktober mit weihnachtlichen Lichterketten schmücken – sie geben ihnen psychisch Kraft, die Dunkelheit besser zu ertragen.

Dunkelheit gehört also zum Leben – vom Anfang an.
Und Licht ist ein Zeichen der Kraft Gottes, dessen Geist ja auch in der Dunkelheit war, der aber aus dieser Finsternis Licht machen kann. 

Das Licht des Friedens beim Propheten Jesaja

Der Prophet Jesaja beschreibt die Finsternis in unserem heutigen Abschnitt mit Krieg, Streit und Angriffen. Gott, der Licht bringt, bringt den Menschen Erleuchtung, die zu Frieden führt, so die Botschaft des Propheten. 

Wir hätten uns letztes Jahr wahrscheinlich noch gar nicht gedacht, wie sehr wir uns in dieser Advents- und Weihnachtszeit nach Frieden sehnen. Der Krieg in der Ukraine tobt noch immer in Europa. Wer hätte sich das vor einem Jahr gedacht? Die Dunkelheit ist spürbar, denn wir machen uns Sorgen um Stromkosten und Energieversorgung. Die Weihnachtsbeleuchtung an Weihnachtsmärkten wird früher abgeschaltet. Und wer schon eine neue Stromkosten-Information für das kommende Jahr erhalten hat, wird sich Gedanken machen, ob jetzt wirklich alle Lichter in der Wohnung brennen müssen. Oder ob vielleicht doch ein energiesparender Kühlschrank eine gute Investition wäre. Oder wie es wäre, wenn man die Wohnung etwas weniger heizt und sich stattdessen auch im Haus warm anzieht. 

Wir merken deutlich, dass es noch immer finster ist – auch in unseren westlichen Ländern, in denen wir einen vergleichsweise hohen Lebensstandard haben.

Wir sehnen uns nach Frieden in diesem Jahr und wir fühlen uns derzeit nahezu machtlos der Kriegslust und Gier der russischen Machthaber ausgesetzt. 

Was können wir als einfache Bürger*innen in Ländern tun, die nicht einmal direkt in diesen Krieg verwickelt sind, die aber die Auswirkungen des Unfriedens deutlich spüren?

Der Rat des Propheten: „Lasst uns in dem Licht leben, das vom Herrn ausgeht!“

Licht strahlt heller in Gemeinschaft

Gerade diesen Winter, in dem endlich vieles wieder stattfinden kann, das während der Pandemie-Winter in den letzten Jahr abgesagt oder verschoben werden musste, gerade jetzt ist es wichtig, in unseren Begegnungen mit anderen dieses Licht leuchten zu lassen, das von Gott ausgeht.

Die Gefahr der vergangenen Jahre mit Lockdowns und Einschränkungen ist, dass wir uns zu sehr daran gewöhnt haben, uns in unsere eigenen vier Wände zurückzuziehen; uns in erster Linie um die eigenen Bedürfnisse zu kümmern, zu schauen, dass wir selbst gut über die Runden kommen.

Je weniger ich mich mit anderen Menschen auseinandersetzen muss, umso mehr kann sich die Welt einfach nur um mich drehen! 

Die Auswirkungen dieser Art von Krisenbewältigung zeigen sich deutlich in unserer Gesellschaft. Jeder und jede will sich sein eigenes Licht sein – und die Gemeinschaft leidet. Auch leiden viele Menschen im Stillen unter der Dunkelheit, die sich doch eben in der Einsamkeit der Zurückgezogenheit offenbart. Und allein fühlt es sich in der Finsternis nicht gut an. Finstere Gedanken haben leider auch in diesem Jahr zu vielen finsteren Handlungen geführt. Steigende Suizidraten, deutlich mehr Alkohol- und durch Drogen bedingte Unfälle, und wie man in dieser Woche erfahren hat, Gewalt im häuslichen Umfeld sind uns auch in Österreich erschreckend nah gekommen. Jede dritte Frau in Österreich war bereits Opfer häuslicher Gewalt. 

Es ist ganz deutlich: Wir leben nicht in einem aufgeklärten, goldenen Zeitalter. Finsternis herrscht auch immer wieder unter uns. 
Daher gilt auch uns laut und deutlich die Aufforderung des Propheten Jesaja: „Lasst uns in dem Licht leben, das vom Herrn ausgeht!“

Wie kann ich im Licht des Herrn leben?

In Materialien, die für die Vorbereitung von Kinderstunden für den Advent gedacht waren, habe ich den netten Vorschlag gelesen. Man solle die Kinder fragen: Wie sehen denn die Menschen aus, die unsere Gottesdienste besuchen? Wie kommen sie aus den Gottesdiensten heraus? Sieht man ihnen irgendwie an, dass sie im Licht Gottes leben?  Strahlen sie irgendetwas Besonderes aus?

Mit diesen Fragen möchte ich auf unsere zweite Lesung aus dem Römerbrief schauen. Der Apostel Paulus schreibt hier über ein Leben in der Hoffnung, dass Gott Dinge zum Guten wendet: „Die Nacht geht zu Ende, bald ist es Tag. Deshalb wollen wir alles ablegen, was zur Finsternis gehört, und wollen uns mit den Waffen des Lichtes rüsten. Wir wollen so leben, wie es zum hellen Tag passt. Keine Sauf- und Fressgelage, keine sexuellen Ausschweifungen, keine Streitigkeiten und Rivalitäten!“

Paulus ist immer wieder wunderschön direkt – das schätze ich sehr an seinen Schriften! Zum Leben im Licht gehört es, einerseits, sich diesem Licht Gottes zu öffnen; es in all unserer Finsternis zu empfangen und uns an diesem göttlichen Licht zu erfreuen. 
Doch noch schöner ist es, wenn das Licht nach außen hin strahlt. Und wenn Menschen zusammenkommen, dann können plötzlich viele Lichter zu einer gemeinsamen hellen und großen Lichtquelle werden.

Finsternis zeigt sich in Selbstsucht

Und Paulus wird hier ganz deutlich: Finsternis herrscht in Dingen, in denen wir selbst über die Maßen und gierig nur auf die eigenen Wünsche achten. Essen und Trinken im Überfluss, während Menschen an anderen Orten hungern ist Leben in Finsternis. Sexuelle Ausschweifungen, die zu Verletzung und Unterdrückung führen, sind ein Leben in Finsternis. Streitigkeiten, Neid und Rivalitäten führen nicht zum Frieden – auch sie sind ein Leben in Finsternis.

Nun wissen wir ja, dass die Finsternis von Anfang an war und immer noch ist, und dass es von uns daher immer wieder ganz bewusst Entscheidungen braucht, den finsteren Momenten im Leben das Licht vorzuziehen. 

Kriegsbeile müssen immer wieder begraben werden, wenn sie sich zwischen uns Menschen drängen. Es ist gar nicht so einfach, sich nie über andere aufzuregen oder nie neidisch zu sein. Aus eigener Kraft können wir das nicht schaffen. Aber aus der Kraft des Glaubens, des Vertrauens, wachsen Wunder. 
Was für uns Menschen unmöglich ist, das ist für Gott möglich.

Im Licht leben – mit Gottes Hilfe!

Gott kann uns immer wieder neu mit seinem Geist der Liebe, der Gelassenheit, der Besonnenheit und des Friedens erfüllen, wenn wir darum bitten. 

Ich schließe mit einem Zitat von John Wesley aus seiner Predigt über den „Beinahe-Christen“. Es ist sein Schlusssatz und Wunsch an alle Christ*innen:

Mögen wir es alle erfahren, was es bedeutet, nicht nur beinahe (durch eigene gute Taten), sondern ganz Christen zu sein, die ohne Verdienst gerechtfertigt sind aus Gottes Gnade durch die Erlösung, die in Jesus ist, und die wissen, dass sie Frieden haben mit Gott durch Jesus Christus, sich der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes rühmen und die Liebe Gottes in ihrem Herzen haben, eingegossen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.

John Wesley
Predigt "Der Beinahe-Christ", Lehrpredigt 2, II, 11

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