Ge­dan­ken­strich März 2026

Glaubensimpuls


»Mitmenschlichkeit ist die wahre Frömmigkeit« – diese Aussage im Rahmen eines Podiumsgesprächs regte Bischof Zürcher zum Weiterdenken an...
Gedankenstrich März 2026 - Mitmenschlichkeit

Anfang März war ich im Rahmen einer Konferenz zu einem Podiumsgespräch eingeladen. »Mitmenschlichkeit ist die wahre Frömmigkeit« – diese Aussage eines vorherigen Referenten, den die Gesprächsleiterin im Lauf der Unterhaltung zitierte, regte mich zum Weiterdenken an.

Zum einen erinnerte sie mich an den wesleyanischen Ausdruck der »Werke der Barmherzigkeit« oder »Nächstenliebe«. Wesley verstand auch diese – und nicht nur die »Werke der Frömmigkeit« wie z. B. das Beten – als Gnadenmittel. Als Kanal also, durch den Gott jene mit seiner Gnade und Liebe erfüllt, die Nächstenliebe leben. Ohne diese beiden Formen gegeneinander auszuspielen – und ganz biblisch – stellte er fest, dass in manchen Situationen die Praktiken der Nächstenliebe sogar vordringlicher seien als jene der Frömmigkeit.

Zum anderen ließ mich der Gedanke der Mitmenschlichkeit nicht mehr los. Mein erster Impuls: Es geht um mitmenschliches Verhalten anderen gegenüber. Dazu bin ich berufen, erst recht als Christ oder als Christin. Wie verhalte ich mich also meinen Mitmenschen gegenüber?

Dann begann mich ein anderer Gedanke zu beschäftigen: Zuerst bin doch ich Mitmensch! – Sich dessen bewusst zu sein, hat einen Perspektivenwechsel zur Folge. Die Gemeinschaft – meine Familie, die christliche Gemeinde, die Mitarbeitenden im Geschäft, der Freundeskreis – waren zuerst da, teilweise schon lange vor mir. Irgendwann wurde ich selbst Teil dieser Gemeinschaften. Ich und alle, die seither dazugekommen sind, sind auf deren Mitmenschlichkeit angewiesen. Ich bin Empfangender und unendlich dankbar dafür!

Es ist keine Frage, ich soll meinem Gegenüber im persönlichen Kontakt mitmenschlich begegnen. Doch, selbst Mitmensch und angewiesen auf die Mitmenschlichkeit einer Gemeinschaft, bin ich auch dazu berufen, solche Gemeinschaft – ganz besonders in der Kirche und Gemeinde – mitzugestalten. Eine Gemeinschaft, in der sich ihre Mitglieder und alle Neudazukommenden als Mitmenschen erleben. In der sie erfahren, dass sie so, wie sie sind, sicher und angenommen sind und dazugehören. In der sie erleben, dass sie Teil einer Weggemeinschaft sind, die lernt und in aller Unvollkommenheit übt, Mensch zu sein, wie es Jesus als der Mensch – Bild Gottes – war. Eine Weggemeinschaft auch, die als Folge dessen jeder Entmenschlichung bewusst entgegentritt.

Kirche als Ort gelingender Mitmenschlichkeit! Was sind deine Erfahrungen? Wie willst du mit deinen Gaben und besonderen Möglichkeiten zu einer mitmenschlichen Gemeinschaft beitragen?

Bischof Stefan Zürcher
Foto: Pixabay 

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