Ge­dan­ken­strich Oktober 2026

Glaubensimpuls

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Dr. Stefan Zürcher

Bischof Mittel- und Südeuropa


Gemeinsam feiern, beten, lernen und teilen bleibt für den christlichen Glauben wichtig. Die Formen müssen sich jedoch mit den Zeiten, Kulturen und Lebenswelten verändern.
UMC Schweiz

«Wenn du willst, dass die Menschen deine Lieder mitsingen, musst du Melodien nehmen, die sie kennen.» Dies habe der grosse methodistische Liederdichter Charles Wesley gesagt, lernte ich beim Besuch des Hauses in Bristol, in dem er mit seiner Familie gelebt hatte. Wir besuchten es Anfang Oktober im Rahmen des diesjährigen Treffens des Europäischen Rates Methodistischer Kirchen. Charles war neben seinem Bruder John einer der wichtigsten Gründerväter des Methodismus im 18. Jahrhundert. Ich werde auf seine Aussage zurückkommen.

Für meine Morgenandacht hatte ich die Beschreibung des Lebens der Jerusalemer Gemeinde aus Apostelgeschichte 2, 42ff gewählt. Sich regelmässig treffen, gemeinsam lernen und miteinander essen, Gottesdienst und Abendmahl feiern, miteinander beten und mit den Bedürftigen teilen – so beschreibt es Lukas. «Die Gnadenmittel gebrauchen», fassen wir es in unserer Tradition zusammen.

Gruppen von Nachfolgerinnen und Nachfolgern von Jesus, die ihren Glauben gemeinsam lebten und ihm sichtbare Gestalt gaben – was für eine Strahlkraft, die sie in die Gesellschaft hinein hatten!

Gemeinsam feiern, beten, miteinander lernen, teilen – es ist wie damals wichtig für das Leben des christlichen Glaubens. Doch die Form, also wie wir es gestalten, hat sich verändert und wird sich immer wieder verändern müssen. Weil die Zeiten sich ändern. Weil die Menschen je nach kulturellem Umfeld, in dem sie leben, und je nach Milieu, das sie prägt, unterschiedlich sind.

Und deshalb: Wenn wir wollen, dass die Menschen mitsingen, müssen wir Melodien verwenden, die sie kennen. Müssen wir Formen wählen, die den Menschen um uns herum vertraut sind. Und diese finden wir, wenn wir da, wo sie leben, mit ihnen zusammen sind. Wo wir achtsam und wertschätzend hinschauen und hinhören.

Die damalige Gemeinde in Jerusalem hatte eine ungeheure Ausstrahlung. Sie hatte die richtigen Melodien gefunden, die die Herzen der Menschen berührten! Wie klingen die Melodien unserer Gemeinden? Finden auch wir Melodien, die andere Menschen zutiefst berühren, ergreifen und zum Einstimmen bewegen?

Dem Suchen nach solchen Melodien liegt eine grosse Verheissung zugrunde: Gott bereitet die Herzen der Menschen vor, und zu seiner Zeit wird er – auch durch unsere Melodien – die Menschen rufen und in die Gemeinschaft mit Jesus Christus und seinen Nachfolgerinnen und Nachfolgern führen. Darauf vertraue ich!

Bischof Stefan Zürcher

 Foto: Pixabay

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