Fas­ten­zeit­im­pul­se - Soziale Ge­rech­tig­keit

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Frank Moritz-Jauk

Pastor, Öffentlichkeitsarbeit


Zusammenhänge zwischen Klimaschutz und sozialer Gerechtigkeit

Am heutigen Abend hat Martin Schenk – Armutsexperte und stellvertretender Direktor der Diakonie Österreich – sehr kompetent und kompakt die Zusammenhänge zwischen Schöpfungsbewahrung / Klimaschutz und sozialer Gerechtigkeit dargestellt.

Besonders deutlich wird das, wenn man sich ansieht, wer die Betroffenen und wer die Verursacher der Klimakrise sind.

Beispielsweise haben die erhöhten Temperaturen in den europäischen Städten zu einem signifikanten Anstieg der Hitzetoten geführt, die fast ausnahmslos in den ärmeren Gebieten mit Bewohner*innen mit den geringsten Haushaltseinkommen zu finden sind.

Und anderseits sind die reichsten 20% der Gesellschaft für einen 4x so hohen CO2 Ausstoß verantwortlich, der wenig erstaunlich mit dem Freizeitverhalten, den Mobilitätsansprüchen oder dem Konsum korreliert.
Je höher das Einkommen, desto mehr Impact auf das Klima – so könnte man dieses Verursacherprinzip kürzest möglich beschreiben.

In einem weiteren Schritt konnte Martin Schenk darstellen, dass sich dringlichst die Frage stellt, ob die Risiken der Klimakrise nicht ein Problem sind, dessen sich die Gesellschaft annehmen sollte oder muss.
So wie es in vielen Bereichen Risikoausgleiche gibt, beispielsweise bei der Pension, wo die Verdienenden für die Pensionierten zahlen, oder die Arbeitslosenversicherung, bei der die Verdienenden für die Arbeitslosen einzahlen etc., sollte es auch bei der Klimaproblematik zu einem geteilten Risiko kommen.

Dieses Problem wird z.B. durch den jetzt im Zuge der CO2-Besteuerung vorgesehenen Ökobonus aufgegriffen.
Allerdings berücksichtigt der Ökobonus bisher nur regionale Unterschiede (Vorhandensein von Öffis oder nicht) – er könnte aber auch sozial gestaffelt werden und – so Martin Schenk – hier gilt es weiter dranzubleiben.

Gegen Ende des Abends wurde noch ein sehr wichtiges Thema angesprochen und von den Teilnehmenden m.E. auch gut aufgenommen: 

Es muss uns bewusst sein, dass die Klimakrise so weit fortgeschritten ist, dass es struktureller Veränderungen und Lösungen braucht, die nicht mehr durch ein individuelles Einkaufsverhalten kompensiert werden können.
Ohne die großen Player wie die USA oder China wird sich die Eindämmung der Erderwärmung nicht verhindern lassen. So ehrlich und realistisch muss man sein.

Und anderseits braucht es die individuelle Veränderung der Lebensgewohnheiten in Richtung Vermeidung von Flugreisen, Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln bis hin zu Klimaschutzmaßnahmen wie Dämmung von Gebäuden oder weniger Fleischkonsum, um erstens eine glaubhafte Vorbildhaltung einnehmen zu können und um zweitens wirkmächtig und hoffnungsvoll leben zu können.

Martin Schenk hat in sehr feiner Weise auf den Unterschied zwischen Optimismus und Hoffnung hingewiesen:
Optimismus verharmlost oder übersieht die Realität, während Hoffnung das Leid sieht und dennoch an einer positiven Lebensgestaltung und Wahrhaftigkeit festhält.

Sein Plädoyer – und diesem schließe ich mich an – war dann auch:
Beides zu tun. Gleichzeitig.

Die individuelle "Umkehr" (um hier einmal ein klares Wort passend zur Fastenzeit zu verwenden) und die politische und gesellschaftliche Dimension, die es nicht aus den Augen zu verlieren gilt.

Hilfreiche links zum Thema:

Engagieren: 
https://www.diakonie.at/unterstuetzen-und-spenden/freiwilliges-engagement

Gemeindediakonie: 
https://www.diakonie.at/unterstuetzen-und-spenden/gemeindediakonie

Armutskonferenz: 
https://www.armutskonferenz.at/ueber-uns/unterstuetzen-und-mitmachen.html

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