Washington/USA: Die UMC mobilisiert für Rechte von Migrant:innen
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Mehr als 2000 Menschen aus verschiedenen Glaubensgemeinschaften versammelten sich am 25. Februar in Washington, D.C., um für die Rechte von Migrant:innen zu demonstrieren. Unter dem Motto «Faithful Resistance: A Public Witness for Immigrant Justice» (Vom Glauben getragener Widerstand: Ein öffentliches Zeugnis für Gerechtigkeit für Migrant:innen) organisierten Mitglieder der United Methodist Church einen ökumenischen Gottesdienst und einen anschliessenden Marsch rund um das Kapitol.
Kirchen platzen aus allen Nähten
Die Capitol Hill United Methodist Church öffnete ihre Türen für den Gottesdienst. Der Gottesdienstraum war innerhalb weniger Minuten bis auf den letzten Platz gefüllt. Zwei weitere methodistische Kirchen in der Nähe dienten als Ausweichstätten, wohin die Feier per Livestream übertragen wurde.
Bischöfin LaTrelle Miller Easterling predigte über den biblischen Psalm 24 und erinnerte daran, dass die Erde Gott gehöre – nicht Staaten, Konzernen oder Einzelpersonen. Sie kritisierte scharf eine Theologie, die Besitz und nationale Privilegien über die biblische Aufforderung stelle, die Fremden zu lieben. «Unser theologischer Kolonialismus zeigt sich, wenn wir Christinnen und Christen eine Einwanderungspolitik verteidigen, die Reichtum, Weisssein und westliche Pässe privilegiert», sagte sie unter Applaus. «Wir haben gelernt, dass einige Länder edler, einige Menschen freier seien als andere. Das ist nicht der Wille Gottes», sagte sie.

Gemeinsam mit anderen sichtbar werden
Auch Rabbi Marc Israel von Tikvat Israel in Rockville, Maryland, und Vertreter:innen anderer Glaubensgemeinschaften betonten die gemeinsame Verantwortung, Migrant:innen zu schützen und zu unterstützen. «Für Migrantinnen und Migranten einzustehen, ist das Herzstück unseres Glaubens. Unsere Gründungsgeschichte als Jüdinnen und Juden ist der Auszug aus Ägypten – wir sollten daher das Herz der Fremden kennen und sie lieben, schützen und versorgen», sagte der Rabbi.
Minerva Carcaño, methodistische Bischöfin im Ruhestand und Vorsitzende der Task Force für Migration der United Methodist Church in den USA, war Teil der Gruppe, die den Anlass seit Herbst letzten Jahres vorzubereiten begonnen hatte. «Die Zahl der Menschen, die für Gerechtigkeit einstehen und ihren Glauben öffentlich leben wollen, wächst», sagte die Bischöfin und hob die Wichtigkeit des Anlasses hervor. «Unser Ziel war, hier in Washington D.C. sichtbar zu werden und dieses öffentliche Zeugnis abzulegen.»
Kirchliche Verantwortung und politischer Widerstand
Bischof Julius C. Trimble, Vorsitzender der Kommission für Kirche und Gesellschaft der United Methodist Church, unterstrich die Bedeutung des kirchlichen Engagements: «Wir demonstrieren nicht nur, um unsere Unterstützung für Migrantinnen und Migranten zu zeigen, sondern auch als Widerstand gegen politische Massnahmen, die Bürger- und Menschenrechte einschränken.» Er verwies auf Matthäus 25 und den Auftrag Jesu, den Mitmenschen zu lieben: «Heute zeigt die Kirche: Wir nehmen das Gebot ernst, Gott und unsere Mitschmen zu lieben und Fremde aufzunehmen.»
Praktische Unterstützung seit 2022
Die gastgebende Pfarrerin der Capitol Hill United Methodist Church, Stephanie Vader, schilderte die Arbeit ihrer Kirchgemeinde. Seit 2022 engagieren sich die Methodist:innen hier für Migrant:innen. Über 14 000 Menschen erhielten dadurch bereits Unterstützung. Pfarrerin Vader erklärte: «Jesus war selbst Migrant. Unsere Hilfe ist Ausdruck unseres Glaubens.» Die Kirche betreibt eine «Tiendita Gratis» (einen «Gratis-Laden»), in dem Migrant:innen kostenlos Kleidung, Hygieneartikel und andere wichtige Dinge erhalten. Ausserdem verteilen die Methodist:innen Lebensmittel und bieten Rechtsberatung an.
Ein Zeichen gegen Spaltung
Nach dem Gottesdienst zogen die Teilnehmer:innen in einem Marsch um das US-Kapitol. Teil des bunten Marsches waren auch Vertreter:innen der Episkopalkirche aus Michigan. Sie trugen rote Mützen, inspiriert vom norwegischen Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Nach dem Marsch versammelten sich die Teilnehmer:innen im Senate Park nördlich des Kapitols. Viele nutzten die Gelegenheit, um mit Abgeordneten zu sprechen und ihre Anliegen direkt vorzubringen.
Chong James Kim, methodistischer Pfarrer aus New York, brachte die Motivation vieler Teilnehmer:innen auf den Punkt: «Eine Politik, die Menschen durch Angst und Ausgrenzung spaltet, widerspricht dem Geist des Evangeliums. Die Kirche ist gerufen, mit Liebe, Gastfreundschaft, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit zu antworten.»
Die Demonstration zeigte, wie Glaubensgemeinschaften gemeinsam für Gerechtigkeit und gegen Ausgrenzung eintreten. Die United Methodist Church setzt damit ein deutliches Zeichen: Die Rechte von Migrant:innen sind Menschenrechte – und dafür einzutreten, eine Frage des christlichen Glaubens.
S.F. (EmK Schweiz) / Quelle: Erik Alsgaard, UMNS
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